Vox-Sendung

Bei der App fürs Gassigehen bissen die Investoren nicht an

Eine Art „My Taxi“ für Hunde scheiterte in der „Höhle der Löwen“. Ein Investor flog aber auf eine Erfindung gegen Motten im Schrank.

Die Löwen (v.l.): Carsten Maschmeyer, Judith Williams, Frank Thelen, Dagmar Wöhrl, Georg Kofler und Ralf Dümmel.

Die Löwen (v.l.): Carsten Maschmeyer, Judith Williams, Frank Thelen, Dagmar Wöhrl, Georg Kofler und Ralf Dümmel.

Foto: MG RTL D / Bernd-Michael Maurer

Berlin..  Für Vox bleibt es ein Quoten-Hit: Die „Höhle der Löwen“ mit den Investoren Carsten Maschmeyer, Judith Williams, Frank Thelen, Dagmar Wöhrl, Georg Kofler und Ralf Dümmel zieht beim Publikum immer noch.

Das waren die Start-ups in Folge 11. Und diese Deals kamen zustande.

„Walkie“-App soll schnell Gassigeher vermitteln

Anna-Alexia Hoffmann (28) und Lisa Jedlicki (25) wollen Tierfreunden helfen – per „Walkie“-App können sich Hundebesitzer mal eben eine Art Dogsitter kommen lassen. Also jemanden, der sich um den geliebten Vierbeiner kümmert und mit ihm Gassi geht, wenn man selbst mal in Zeitnot ist.

Für 300.000 Euro gibt es 20 Prozent Firmenanteile, erklärt das Frankfurter Gespann. Ob das bisher dünne Netz an geprüften Betreuern und die Preisgestaltung (ab 40 Minuten, los geht es bei 12 Euro) überzeugt?

• Irgendwie sind die Investoren nicht abgeneigt, aber auch nicht euphorisch. Die beiden Gründerinnen erklären, dass sie einen Mediawert von 450.000 Euro kreiert haben dank eines PR-Partners, der ihr Produkt medienwirksam platziert hat. Frank Thelen angesichts mauer Download-Zahlen der App (ungefähr 6000) und bisher dünnem Helfer-Netz: Die 450.000 Euro „habt ihr aber scheiße ausgegeben“.

Entweder seien die Zahlen Blödsinn, „oder es war wirklich die schelchteste Kampagne, die ich jemals gesehen habe.“ Auch die anderen bleiben reserviert. Keine Unterstützung!

Motten vertreiben mit dem Caps Air Perfume System

Nochmal tierisch wirds beim Pitch von Ralf Ecks aus Hamburg – allerdings unterscheidet sich seine Intention doch erheblich von der seiner Vorgängerin. Er will Motten vertreiben.

Sein Trick: Das Caps Air Perfume System. In spezielle Bügel (rund 30 Euro) werden kleine Kapseln (vier Stück rund 30 Euro) gedrückt, die dann drei Monate einen feinen, jedoch mottenvertreibenden Geruch absondern. 200.000 Euro für 20 Prozent an der Firma ruft er auf.

• Erstmal streiten Judith Williams und Dagmar Wöhrl. Wöhrl findet die Bügel zu klobig, Damen hätten feinere Kleidungsträger. Williams sieht das anders: „Ich habe genau solche Bügel.“ Als Ralf Dümmel merkt, dass der Bewerber wie er aus Hamburg kommt und sie sich den Vornamen teilen, ist er begeistert.

Er glaubt: Der Investor braucht jemanden, der das ganze günstiger produziert. Und: dass er ihm helfen kann. 30 Prozent will er – Deal! „Sie werden es nicht bereuen.“

Wie es für Caps Air weitergegangen ist, berichtet das Hamburger Abendblatt.

„YFood“ als Ersatz einer ganzen Mahlzeit

Noel Bollmann (25) und Benjamin Kremer (28) aus München studierten an Elite-Unis und gingen dann in die Finanzbranche. Erkenntnis: Viel Arbeit, entsprechend wenig Zeit.

Gemeinsam entwickelten sie „YFood“. Perfekt austarierte Drinks für je drei Euro, die eine ganze Mahlzeit ersetzen sollen,aber auch mal eben 500 Kalorien haben. 25 Prozent des Tagesbedarfes an allen möglichen Nährstoffen stecken dafür drin. „Wir wollen in zwei Jahren Marktführer sein.“ 200.000 Euro kosten die Investoren zehn Prozent., so die Idee.

• Die Kalorienzahl schockt die Löwen tatsächlich, Carsten Maschmeyer schmeckt es schlicht nicht. Wöhrl ist Fan, will die Getränke in die Minibars ihrer Hotelkette stellen – und dafür auch noch mit Ralf Dümmel kooperiern. Sie wollen 25 Prozent. Thelen tritt in Konkurrenz – will es für 20 Prozent in die Läden des Landes bringen. Zuschlag.

Mit Poolathlete wird der kleinste Pool zum Trainingsbecken

Ein klassisches Erfinderpaar: Monika Steidl und Markus Kubitschek aus Simbach am Inn basteln, werkeln, entwerfen. Drei Patente haben sie angemeldet. In der „Höhle der Löwen“ wollen sie mit ihrem „Poolathlete“ (90 Euro) punkten.

Ein Gerät, das neben kleine Pools montiert wird. Ein Schwimmer legt dann ein Seil mit Schlinge an – und kann somit auf der Stelle schwimmen. So wird aus dem kleinsten Gartentümpel eine Trainingsanlage.

160.000 Euro und 20 Prozent an allen Erfindungen bieten die beiden. Alle Erfindungen? Genau. Das Duo hat auch den „Pemo Painttable“ dabei, der bei Malerarbeiten für weniger Ärger sorgen soll. Und sie arbeiten an weiteren Patenten.

• Mal wieder sind sich Williams und Wöhrl uneins. Wöhrl findet den Poolathlete hässlich, Wiliams hat „schon hässlichere Dinge gesehen“. Dümmel liebt es „wenn Menschen quer denken“. Thelen „interessiert das alles nicht“. Und auch bei Maschmeyer machen das Paar keinen Stich. Abfuhr.

Aktimed vereint Physio-Tape mit Heilmitteln

Manch einer mag sich beim Malen oder Schwimmen (oder sonstwie) die Muskeln schädigen. Gern wird dann Tape genutzt, um die Probleme zu heben. „Aktimed“ von Sabine Kroker-Hohmann und Jens Kroker aus Heidelberg verkaufen Physio-Tape und Zinkleimverbände (jeweils rund 15 Euro, krankenkassenförderbar).

Der Clou: Im Kleber sind heilende Wirkstoffe. Das gibt es so bisher noch nicht, Kroker-Hohmann hat sich das gleich patentieren lassen. Ist das einem Löwen 150.000 Euro für zehn Prozent der Firma wert?

• Williams gibt zu, nicht passend zu sein – würde man sich die Streifen ins Gesicht kleben und das dann schöner machen, sicherlich. So nicht. Dafür ziehen sich Maschmeyer und Dümmel zurück. Maschmeyer: Name „Hammer“, Krankenkassenerstattung „Hammer“ – Produkt „Hammer!“ „Ich glaube, dass ich Ihnen in der Sportwelt ganz gut helfen könnte.“ Er kenne die Profisportler. Spricht von den Ärzten der Deutschen Nationalmannschaft. Und seinem Netzwerk zu den Kliniken.

Das Kombiangebot von Dümmel – der nach eigenen Angaben selbst schon Millionen von den normalen Tapes verkauft hat – für die beiden von den beiden: 25 Prozent und los geht es. Es geht los, Abschluss des Deals!

Apfelessig aus dem Daguner Kloster

Das Daguner Kloster, 200 Kilometer von Hamburg entfernt, ist nicht unbedingt weltberühmt. Das wollen Jürgen Hartwig und Wolfgang Streblow ändern. Wie? Mit Essig, genauer gesagt Apfelessig mit Rot- und Weißwein, „Klostervogt Hartwig“ getauft, fünf Euro pro Fläschchen. 20.000 Euro sollen 20 Prozent Anteil kosten.

Die beiden Herren treten als Mönche auf. Und bereiten Carsten Maschmeyer Sorge: Landet er in der Hölle, wenn er den Deal ablehnt? Dazu muss aber erstmal geklärt werden, ob die beiden wirklich geistlich sind.

• Eigentlich geht es ja um Deals. In diesem Fall aber mal um etwas, worüber man eher selten spricht. Religion. Georg Kofler dachte: „Ohje, jetzt kommt die Kirche in die Sendung.“ „Ich habe mit Kirche ein angespanntes Verhältnis.“ Das findet Wöhrl offenbar unangebracht: „Kirchen machen auch sehr viel!“ „Das kriegen sie vom Staat bezahlt, das meiste was die Kirche macht bekommt sie vom Steuerzahler finanziert.“ Die ganzen wohltätigen Angebote seien „eine gute PR“.

Zuvor hatte schon Maschmeyer erklärt, beim Auftreten der Männer habe er sich gesorgt, dass er bei Ablehnung in die Hölle komme. Musste er gar nicht. Denn echt sind die Mönche ohnehin nicht.

Das Kloster gehört der Stadt, Streblow ist nur Pächter und nutzt die Produkte eigentlich nur als Marketing, um den Tourismus anzukurbeln. Wöhrl: „Ich bewundere immer die Klosterbrüder- und schwestern, die ein eigenes Geschäft aufbauen, um das Klosterleben zu finanzieren.“ In diesem Fall – und ganz ohne geistliche Komponente – müssen die beiden ohne Finanzspritze abziehen. Kein Löwe beißt an.

Rekorddeals, Streitszenen und Investitionen – das macht die „DHDL“ so erfolgreich

Das geschieht dann am Dienstagabend um 20.15 Uhr auf Vox. Die aktuelle Folge gibt es nach Ausstrahlung auch immer in der Mediathek des Senders.

Warum die „Höhle der Löwen“ kürzlich von der Verbraucherzentrale kritisiert wurde, steht hier. Die Sendung bleibt enorm beliebt, auch, wegen heftiger Streitszenen und Rekorddeals wie dem von Carsten Maschmeyer . Wie sie entscheidet, in was sie investiert, verrät Judith Williams im Interview mit unserer Redaktion.

Lesen Sie hier alles über vergangene Folgen:

„Überflüssigstes Produkt“ – so brutal war „Höhle der Löwen“

Warum der Deal mit Windelsensor „Curaluna“ doch noch platzte

Ex-Sternekoch will Pommes neu erfinden

Dieses Produkt fand Carsten Maschmeyer „gruselig“

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.