ARD-Krimi

Stuttgart-„Tatort“ im Schnellcheck: Alles Lüge, oder was?

Im Stuttgarter „Tatort“ wusste man gleich, wer „Der Mann, der lügt“ ist. Eine Studie zeigt: Wir alle sind doch Lügner. Ganz ehrlich.

Von Walter Bau
Die Kommissare Bootz und Lannert müssen im „Tatort“ einen Lügner überführen.

Die Kommissare Bootz und Lannert müssen im „Tatort“ einen Lügner überführen.

Foto: Alexander Kluge / SWR

Berlin.  Die Kommissare Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) ermitteln in einem Mordfall. Als sie einen Bekannten des Opfers befragen, merkt der Zuschauer sofort: Er ist „Der Mann, der lügt“.

Ängstlicher Blick, unsicheres Auftreten, fahrige Bewegungen. Manuel Rubey lieferte als Titelfigur des „Tatorts“ eine grandiose schauspielerische Leistung ab. Schien es zunächst nur um ein falsches Alibi zu gehen, so zeigte sich mit der Zeit, dass sein gesamtes Leben auf Lügen aufgebaut ist. Ein Lügenwerk, das langsam implodiert.

Doch wie einfach – oder wie schwer – ist es, Lügen zu erkennen und aufzudecken? Ermittler in Kriminalfällen haben damit Probleme, wir im normalen Alltag ebenso. Ist es die Art des Sprechens, die den Lügner entlarvt? Die Mimik? Oder die Gestik? Wir haben nachgeschaut, was Psychologen dazu meinen.

• Was zeichnet gute Lügner aus?

Der Mainzer Sprachwissenschaftler Jörg Meibauer sagt: „Man muss geschickt sein, sich in andere hineinversetzen können. Sie müssen das Lügengebäude aufrechterhalten und vor allem konsistent lügen. Wenn man genauer hinschaut, sieht man, dass Lügen eine furchtbar komplizierte Sache ist: Lügner müssen beim Erzählen zurückschauen – was habe ich vorher gesagt – und gleichzeitig nach vorne schauen, um konsistent zu bleiben. Manche Leute mischen beim Lügen Wahres und Unwahres, weil es sie entlastet.“

• Sind wir alle Lügner?

Der Aschaffenburger Psychologe Christian Winkel glaubt tatsächlich, dass wir alle lügen: „Und das mehrmals am Tag. Manche lügen aus Not, andere aus Höflichkeit, wieder andere aufgrund des Konformitätsdrucks innerhalb von Gruppen.“

Das Institut Splendid Research untersuchte 2016 die Einstellung der Deutschen zum Thema Ehrlichkeit. Das Resultat: Die Deutschen lügen offenbar, ohne rot zu werden. Knapp drei Viertel der Lügen, so die Studie, würden von Angesicht zu Angesicht benutzt, jede fünfte Lüge telefonisch oder schriftlich übermittelt.

Am häufigsten wird der Untersuchung zufolge im Bekanntenkreis gelogen: Vier von zehn Befragten gaben demnach an, am Vortag gegenüber Bekannten unehrlich gewesen zu sein. Jeder Dritte hatte im gleichen Zeitraum seinen Partner oder seinen Arbeitskollegen belogen.

Schlechtes Gewissen? Kaum. Wer unehrlich ist, gibt dafür meist ehrenwerte Gründe an. So will laut der Studie mehr als die Hälfte der Befragten andere nicht verletzen oder durch Lügen sogar schützen. Knapp jeder Zweite findet die Wahrheit manchmal einfach unbequem oder möchte sich so Ärger ersparen, während jeder Vierte offenbar aus Kalkül lügt, um seine Ziele zu erreichen.

• Sind Lügner unbeliebt?

Der amerikanische Psychologe Robert Feldmann hat so seine Theorie: „Lügen sind der Schmierstoff der Kommunikation. Die Menschen wollen oftmals nicht die Wahrheit hören, sondern etwas, mit dem sie sich gut fühlen.“

Und: „Wer stets unverblümt die Wahrheit sagt, ist meist unbeliebt. Sozial geschickte Menschen lügen häufiger. Sie verstehen besser, was die soziale Situation erfordert. Weniger beliebte Menschen sind nicht so sensibel dafür, was ihre Gesprächspartner hören wollen, daher sind sie eher verletzend. Gute Lügner sind sympathischer.“