ARD-Krimi

Darum war der „Tatort“ nicht spannend – aber kultig retro

Moritz Eisner und Bibi Fellner klärten einen Mord in der Wiener Unterwelt auf. Überaus spannend war das nicht, dafür bester Retro-Kult.

Berlin.  Sie bestehlen eine Rotlichtgröße, um Geld zu haben für ein gemeinsames Leben in Griechenland: Der Wiener „Tatort: Her mit der Marie!“ war eine Krimi-Mischung aus Bonnie und Clyde sowie „Oceans 11“ – nur etwas derber mit „Inkasso Heinzi“ und Pico Bello als Liebespaar und 80er-Jahre-Ganoven mit Pomade im Haar.

Ein solider Fall zum Mitraten, der weniger wegen der spannenden Story, sondern eher wegen der Retro-Outfits in Erinnerung bleibt. Der Zuschauer fühlte sich in die Zeit der kultigen Ermittler wie Schimanski versetzt, als es noch keine durch Anabolika aufgepumpte Gangster-Rapper gab.

Vom besten Outfit bis zur skurrilsten Szene – so war der „Tatort“:

Lustigster Spruch:

Wie Cowboys im wilden Westen cruisen Pico Bello (Christopher Schärf) und Edin Gavric (Aleksandar Petrović) zu Beginn des ARD-Krimis durch die österreichische Landschaft. Die beiden Handlanger des „Dokta“ sind auf Monopolytour mit etwa 100.000 Euro im Wagen.

Während Pico Bello genüsslich an seiner Zigarette zieht, nimmt Gavric eine E-Zigarette in den Mund – was so gar nicht gangstermäßig ist. Das scheint auch Pico Bello zu denken und haut seinem Kollegen einen Spruch um die Ohren: „Was ist, bist du veganer oder was?“

Auch ein Krimineller achtet auf seine Gesundheit, versucht sich Gavric zu verteidigen. „Krepieren wirst du anders auch, nur schlimmer“, kommentiert Pico. Wie viel Recht er hat, zeigt sich bereits wenige Minuten später, als Gavric erschossen wird.

Apropos Monopolytour – was ist das überhaupt?

Die Gangster Pico Bello und Edin Gavric sind auf Monopolytour, das heißt, sie sammeln in den Puffs des Unterwelt-Bosses „Dokta“ das Schwarzgeld ein. Wie bei dem Spiel Monopoly wird pro Straße abkassiert. Und zwar die „Marie“.

Aber: Was faseln eigentlich alle von „Marie“?

„Marie“ heißt in Österreich umgangssprachlich Geld. Der „Tatort“-Titel „Her mit der Marie!“ bedeutet also „Geld her!“. Vermutlich leitet sich der Ausdruck vom Maria-Theresien-Taler ab, wie es im Geschichte-Wiki der Stadt Wien heißt. Der Taler war ab 1741 eine wichtige Währung im Kaiserreich Österreich und zeigte das Konterfei der Kaiserin Maria Theresia, der Erzherzogin von Österreich.

Bestes Retro-Outfit:

Es fällt schwer, sich zu entscheiden, wer nun im „Tatort“ das beste Outfit hat. Tatsächlich mus diese Auszeichnung an das gesamte Gangster-Team gehen. Der Höhepunkt ist das Grillfest von Boss „Dokta“.

Dort tummeln sich die Kleinganoven, Politikergrößen und Unternehmer. Der Stil der Gäste: „Die Schwarzwaldklinik“ trifft auf Tarantino-Knaller. Föhnfrisuren, Pomade im Haar, lange Koteletten, Schnäuzer, Lederjacken und schwere Goldketten um den Hals vervollständigen den 80er-Jahre-Prollo-Look.

Romantischster Moment:

Es ist der 19. gemeinsame Fall für Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und Moritz Leitner (Harald Krassnitzer). Streitereien und Rumgezicke gibt es immer noch, doch inzwischen sind die beiden nicht nur ein eingespieltes Team, sondern Freunde geworden. Leitner plaudert mit seiner Polizei-Partnerin über die Liebesdramen seiner Tochter Claudia und wird sogar ganz emotional.

„Ich bin froh, dass ich dich habe“, gesteht er ihr bei einer Einsatzfahrt. Während Fellner cool kontert: „Vergiss das halt bis morgen nicht.“ So viel Gefühlsregung ist man sonst nicht vom blonden Kommissar gewöhnt.

"Tatort": Das sind fünf spannende Fakten

Schönstes Wiedersehen:

Bibi Fellner trifft endlich wieder auf ihren „Inkasso Heinzi“ (Simon Schwarz ), den leicht verplanten Kleinkriminellen und Autoschrauber, den sie noch aus ihrer Zeit bei der Sitte kennt. Die beiden teilen sich direkt drei Leberkäse-Brötchen und später auch drei Bier.

Was für eine treue Seele Bibi Fellner ist, kann man an dieser Beziehung sehen. Sie vertraut „Inkasso Heinzi“, nimmt ihn sogar vor Kollege Eisner in Schutz und glaub an das Gute in dem Möchtegern-Ganoven.

Er sucht eigentlich nur das Glück und die Liebe und lässt sich bei seiner naiven Suche danach immer wieder in krumme Dinger verwickeln. So auch dieses Mal. Den Raubüberfall machte „Inkasso Heinzi“ nur, damit er sich mit seinem Liebhaber Pico Bello nach Griechenland absetzen kann.

Gibt es wirklich Medizin-Tourismus?

„Inkasso Heinzi“ tischt den Ermittlern ein Alibi für die Tat auf: Er war angeblich beim Zahnarzt im ungarischen Sopron als „Doktas“ Männer überfallen wurden.

Tatsächlich gibt es diese Art des Tourismus nahe der österreichisch-ungarischen Grenze, denn in Ungarn sind einige medizinische Angebote wie Kronen günstiger.

Nicht nur Zahnärzte bieten in dem 60.000-Einwohner-Städtchen den Ausländern ihre Dienste an, auch Friseure oder Schönheits-Chirurgen freuen sich über den Kundenansturm und haben Fettabsaugen, Nasenkorrekturen oder Brust-OPs im Angebot.

Skurrilste Szene:

Der „Dokta“ wird vom Frühstückstisch weg zum Verhör geordert. Klar, da hat man natürlich Hunger. Und so packt er im Polizeibüro Semmel, Wurstaufschnitt und ein gekochtes Ei aus, das er genüsslich vor den Augen der Kommissare erst pellt und dann verdrückt.

Welche Musik lief im „Tatort“?

Die „Tatort“-Titelmelodie, die zu Beginn aus dem Radio kommt und am Ende von „Inkasso Heinzi“ gesungen wird, stammt von den Austropoppern S.T.S. und heißt „Irgendwann bleib i dann dort ...“. Ein Lied von der Sehnsucht nach einem Leben in Griechenland, das auf vielen Volksfesten in Österreich gespielt wird.

Zum Mitschunkeln:

MOV_Tatort Titelsong