Fernsehkrimi

Dieser Clown-Krimi in der ARD ist einfach nur hanebüchen

Peter Lohmeyer jagt einen Kannibalen in „Carneval – Der Clown bringt den Tod“. Der TV-Krimi geizt nicht mit Unappetitlichkeiten.

Foto: ARD Degeto/Frank Dicks

Köln.  Das blutig geprügelte Gesicht einer Frau blickt uns in Großaufnahme an. Ergebnis einer exzessiven Schlägerei mit einem ehemaligen Boxer. Der zerrt die Polizistin schließlich an den Füßen über die Scherben eines zersplitterten Glastischs, dass es nur so knirscht: Hoppla, um viertel nach acht im Ersten? Vereinzelte mögen ausufernde Brutalität auch als Werbung für den Fernsehkrimi „Carneval – Der Clown bringt den Tod“ missverstehen und von Pro Sieben ausnahmsweise ins Öffentlich-Rechtliche rüberzappen.

Wer Krawall und Action sucht, dem dürfte in Nicolai Rohdes Film allerdings zu viel geredet werden. Mit Unappetitlichkeiten geizen Rohde und Drehbuchautor Nils-Morten Osburg in dieser Verfilmung des Romans von Craig Russell nicht, als gelte es wenigstens damit im Wust an TV-Krimis zu punkten. Der Titel-Clown jedenfalls schneidet seinen weiblichen Opfern an Weiberfastnacht ein Stück Fleisch aus dem Po, um es sich als Steak zu braten.

Text-Perlen aus dem Universum der Krimi-Phrasen

Jeder Jeck ist anders, sagt der Rheinländer, aber das geht selbst im toleranten Köln zu weit. Dass uns ein eitler Sternekoch (Stipe Erceg) mit Erektionsstörungen als Hauptverdächtiger aufdringlich serviert wird, muss man nicht originell finden. „Sollte das ein Serienkiller sein, haben die ein Problem in Köln“, schließen die Hamburger Mordexperten messerscharf, und der Satz gibt einen Vorgeschmack darauf, was den Zuschauer an Text-Perlen aus dem Universum der Krimi-Phrasen in den nächsten anderthalb Stunden erwartet.

Wie auch immer, der norddeutsche Serienkiller-Fachmann Jan Fabel (Peter Lohmeyer) beschließt, die Frohnaturen auf dem Kölner Revier um den launigen Kommissar (Christoph Franken) bei der Suche nach dem Kannibalen zu unterstützen. Was ihn wirklich hintreibt, ist die Suche nach Kollegin Maria (Lisa Maria Potthoff), die sich an einem Russen-Mafioso (Merab Ninidze) rächen will. Der – Hobby: töten – hatte ihr einst ein Messer in den Bauch gerammt. Fabel fasst es für die Vorschule zusammen: „Sie jagt ihn, weil er ihr das angetan hat.“

Karnevalsszenen sind von unfreiwilliger Komik

Die Musik (Johannes Kobilke) ächzt und wummert spannungsheischend, während die Regie nun die beiden parallel laufenden Handlungen glücklos montiert, ein paar rüde Beischlafszenen einstreut und die Geschichte mit einer hanebüchenen Auflösung zielsicher im Rhein versenkt. Da wirken nicht nur der Russenschläger (Murathan Muslu) und sein supergrimmiger Chef wie Karikaturen, auch die Frauen aus einer Selbsthilfegruppe geben sich so verhuscht, als hätte man ihnen „Opfer“ auf die Stirn tätowiert.

Und selbst die Karnevalsszenen sind von unfreiwilliger Komik: Die närrischen Statisten hüpfen herum, als wollten sie sich für einen Einsatz bei der Augsburger Puppenkiste bewerben. Bleibt Peter Lohmeyer, der das Treiben mit finsterer, unbewegter Miene quittiert. Er wirkt schwer gelangweilt. Man kann ihn verstehen.

Fazit: Rüder Krimi – miserable Inszenierung.

ARD, Samstag, 15. September, 20.15 Uhr

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