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„Spooning Cookie Dough“-Erfinder sacken Deal mit „Löwen“ ein

In Berlin hat „Spooning Cookie Dough“ viele Fans, doch das Start-up aus Prenzlauer Berg will mehr. Auf Vox bissen nun zwei „Löwen“ an.

TV: Mit diesen vier Regeln überlebt man die "Höhle der Löwen"

„Die Höhle der Löwen“: In der Vox-Show präsentieren Start-up-Unternehmer ihre Ideen. Mit diesen vier Regeln ist der Erfolg (fast) garantiert.

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Berlin.  In freier Wildbahn sind Löwen nicht gerade für ihren süßen Zahn bekannt. In der domestizierten Vox-Variante aber sind sie ausgewiesene Schleckermäuler. Wenn auch etwas zögerliche. Denn was die Berliner Diana Hildenbrand und Constantin Feistkorn den Investoren in der zweiten Folge von „Die Höhle der Löwen“ servieren, lässt alle Alarmglocken klingeln: roher Keksteig.

„Als ich die Schüsseln ausgeleckt hab, hat meine Mutter immer gesagt, du kriegst Bauchweh, wenn du da zu viel von isst“, wundert sich Ralf Dümmel schon, bevor die Gründer überhaupt vor ihm stehen. Doch das Problem haben die Erfinder des Start-ups „Spooning Cookie Dough“ längst gelöst – aus eigener Not heraus.

Als Schwangere war roher Keksteig absolut tabu

„Die Idee ist entstanden, als wir für Freunde Kuchen gebacken haben“, erzählt Hildenbrand. Die 36-Jährige nascht gerne mal vom Teig, doch diesmal gab es ein Problem: Sie war schwanger – und rohen Teig zu schlecken, damit absolut tabu. „Ich weiß nicht, ob die Hormone mit mir durchgegangen sind, ich war kurz vor den Tränen“, erinnert sie sich. Es musste eine Lösung her.

Über 100 Backversuche später ist Hildenbrand am Ziel: roher Keksteig ohne Ei, ohne Backpulver und garantiert ohne Bauchschmerz-Potenzial. Vorausgesetzt, der Verkoster kann sich mäßigen.

Die „Löwen“ haben am Dienstagabend damit so ihre Probleme – zu gut schmecken ihnen die sechs Sorten, die das Paar aus Prenzlauer Berg mitgebracht hat. Darunter etwa der Klassiker mit Schokochips oder Ausgefallenes wie die Sorte „Rocky Road“, ein Schokobrownieteig mit gerösteten Walnüssen und Marshmallowcreme. Aber schmecken ihnen auch die Konditionen?

„Löwen“ bekommen doch noch Bauchschmerzen

210.000 Euro für 18 Prozent Unternehmensanteile hätten Hildenbrand und Feistkorn gerne, um den rohen Keksteig nicht nur in ihrem Lokal in Prenzlauer Berg zu verkaufen, sondern ganz Deutschland auf den Geschmack zu bringen. Bei ein paar Details kriegen die „Löwen“ dann aber doch Bauchschmerzen.

Zwar begeistern sich bis auf Frank Thelen alle für das Produkt, Carsten Maschmeyer passt es aber nicht ins Konzept („Es muss gesünder sein“), Judith Williams bereiten die Kalorien Sorgen und Dagmar Wöhrl und Ralf Dümmel hadern mit dem Plan, den Teig als gekühlte Ware in den Handel zu bringen. Sie machen einen Gegenvorschlag.

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Dümmel und Wöhrl wollen mehr Prozente

„Wenn man das nicht gekühlt, sondern in Pulverform anbietet, dann kannst du es überall verkaufen“, sagt Dümmel. Weitere Idee: ein Shop-in-Shop-System in Franchise, auf viele deutsche Städte verteilt. „Was ihr geleistet habt, finde ich irre. Was ich noch mehr schätze, ist die Selbsterkenntnis. Ihr redet keine Dinge schön“, lobt Dümmel und macht zusammen mit Wöhrl ein Angebot: 210.000 Euro, aber für 38 Prozent.

Hildenbrand und Feistkorn sagen trotzdem zu und glauben: „Das ist der Anfang von etwas ganz Großem.“

Das kostet eine Kugel bei „Spooning Cookie Dough“: ca. 2 Euro.

Auch in der ersten Folge der neuen „Die Höhle der Löwen“-Staffel war ein Berliner Start-up erfolgreich. Fast wären die Gründer von „Volatiles“ aber noch über sich selbst gestolpert.

Zur zweiten Folge der fünften „Die Höhle der Löwen“-Staffel schalteten wieder viele Zuschauer ein. Mehr noch: Die Sendung legte bei den Einschaltquoten sogar zu. Wie Vox am Mittwoch bekanntgab, sahen insgesamt drei Millionen Menschen zu. Das entspreche einem Marktanteil von 20,8 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen und 16,5 Prozent bei den 14- bis 59-Jährigen.

So lief es für die anderen Gründer:

„Trinity“ von Kimberly Lang und Guillermo Neugebauer

Die Österreicher mussten die größte Schlappe einstecken. Für die hohe Bewertung ihres Kleidungssystems wurden sie regelrecht zerlegt. „Du willst uns jetzt verarschen“, ärgerte sich Thelen stellvertretend für alle. „Ich weiß nicht, ob du jemals eine Sendung von ‘Die Höhle der Löwen’ gesehen hast. Der nächste Gründer, der mir sagt, weil der Markt so groß ist, ist meine Firma so viel wert, den schmeiß ich raus!“

500.000 Euro hatte Lang für 10 Prozent Firmenanteile aufgerufen. Dabei ist „Trinity“ gerade einmal zwei Wochen alt, Verkaufszahlen nannte sie keine.

„Mich begeistert das Produkt nicht, mich entsetzt deine Bewertung. Noch mehr entsetzt mich, wie du deine Bewertung ableitest. Das ist einfach ganz schwach. Das ist einfach sechs, setzen. Ich bin raus“, so Thelen. Und der Rest tat es ihm gleich.

Das kostet „Trinity“-Kleidung: Oberteile ab 99 Euro, Unterteile ab 69 Euro.

„ruwi“ von Rudolf Wild

Deutlich besser lief es für den 79-jährigen Rudolf Wild aus dem bayrischen Baunach. Der pensionierte Tischlermeister und Hobbygärtner hat eine Multifunktionsharke erfunden, die nicht nur ihm die Gartenarbeit deutlich erleichtert. „Auf Gartenmessen ist die Begeisterung riesig“, sagte Wild. Und bei den „Löwen“ auch.

„Es ist so toll, Menschen kennenzulernen, die in Ihrem Alter Visionen haben, das Leben in Fülle leben, so lange es irgendwie geht. Da sind Sie für mich ein Rolemodel. Ganz fantastisch“, lobte Williams.

Den Deal machte Wild aber mit Dümmel. „Bitte nehmen Sie mich, Sie sind spitze!“, hatte der zuvor quasi darum gebettelt – und der 79-Jährige tat ihm für 80.000 Euro und 30 Prozent Firmenanteile gerne den Gefallen.

Das kostet die „ruwi“-Multiharke: 60 Euro.

„Daisygrip“ von Karl Hartmann und Konstantin Altrichter

Die 26-jährigen Rostocker sicherten sich ebenfalls einen Deal – wenn auch nur mit viel Wohlwollen. Ihre Erfindung – ein Venen-Stauschlauch aus Gummi, der die Keimübertragung im Krankenhaus verhindert – kam zwar bei allen gut an, so richtig fühlte sich aber niemand berufen, mit dem schwierigen Kunden Krankenhaus ins Geschäft zu kommen. Doch dann fasste sich Maschmeyer ein Herz.

„Weil das so viel zu tun ist, möchte ich eigentlich ‘Nein’ sagen. Andererseits haben Sie eine tolle Erfindung. Sie können wirklich ein Life-Changer sein“, so der Investor. „Ich könnt’s nicht übers Herz bringen, abzusagen. Ich gebe Ihnen die 100.000, plus Working Capital, möchte dafür aber 25 Prozent.“ Das ließ sich einrichten.

Das kostet der „Daisygrip“: aktuell 19,90 Euro, ab 1.10. wieder 24,96 Euro

„pazls“ von Thomas Poddey, Philip McRae und Julian Bäßler

Schraubst du noch oder pazlst du schon?, fragten die studierten Bauingenieure und stellten fest: Die „Löwen“ würden gerne pazlen, sprich: Möbel ohne lästiges Schrauben und Hämmern zusammenbauen. Ihr Möbelsystem mit patentierter Magnetverbindung wollten gleich zwei Investoren sponsoren. Am Ende fiel die Wahl auf Thelen und gegen Wöhrl, denn von ihm versprachen sie sich am meisten Hilfe beim E-Commerce.

Doch wie das Portal „Gründerszene“ berichtet, sei der Deal inzwischen wieder geplatzt. „Das Investment ist im Anschluss leider nicht zustande gekommen. Wir sind getrennte Wege gegangen“, sagte „pazls“-Geschäftsführer Thomas Poddey. Der Grund: Thelens Beteiligungsgesellschaft Freigeist Capital habe die Wettbewerbs- und Marktsituation anders eingeschätzt als die Gründer von „pazls“.

Das kostet ein Sideboard bei „pazls“: etwa 550 Euro.

„Furryfit“ von Micha und Jona Neubert

Viel Lob für den sympathischen Auftritt gab es für die zwei Brüder. Einen Deal holten sie mit ihrem Aktivitätstracker für Hunde allerdings nicht heraus. Zu unausgegoren erschien den „Löwen“ das Gesundheitstool mit passender App, das aus ihrer Sicht die wichtigste Funktion vermissen ließ: einen GPS-Tracker, mit dem man verschwundene Tiere orten kann.

Das kostet der „Furryfit“: 99 Euro.

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