ZDF-Krimi

Darum funktioniert „Wilsberg“ trotz großer Konkurrenz so gut

In seinem neuesten Fall deckt Wilsberg schmutzige Geschäfte der Müllmafia auf. Der Privatdetektiv hat mehr Zuschauer als je zuvor.

Wilsbergs (Leonard Lansink, rechts) Tarnung erfüllt Ekki (Oliver Korittke) einen Kindheitstraum: einmal als Müllmann arbeiten.

Wilsbergs (Leonard Lansink, rechts) Tarnung erfüllt Ekki (Oliver Korittke) einen Kindheitstraum: einmal als Müllmann arbeiten.

Foto: ZDF und Thomas Kost

Essen.  „Wilsberg“ ist ein Phänomen: Während rundherum seit Jahren die Quoten bröckeln, weil es immer mehr Sender und nun auch noch Streamingdienste gibt, haben die Krimis über den zerknautschten Privatdetektiv aus Münster mehr Zuschauer als je zuvor.

Das ist kein Zufall, wie auch Folge Nummer 60 mit dem schönen Titel „Die Nadel im Müllhaufen“ belegt. Der Film bietet wie alle der Reihe solide Ware. „Wilsberg“ ist nicht besonders packend, nicht schreiend komisch, aber die Zuschauer bekommen, was sie erwarten: ein fünfköpfiges Ensemble um Leonard Lansink, gut eingespielt, aber ohne Abnutzungserscheinungen, das sich witzige Schlagabtäusche liefert.

Dazu Geschichten, die ohne übertriebene Wendungen und vor allem ohne viel Blut auskommen. „Unser Publikum weiß zu schätzen, dass wir auf unnötige Gewaltdarstellungen verzichten“, sagt der zuständige ZDF-Redakteur Martin R. Neumann. Warum alle Wilsberg so lieben? „Ganz einfach, weil er eine coole Socke ist.“

Ex-Mann liegt tot im Müllcontainer

Bestes Beispiel für die amüsierte Grundhaltung der Krimis ist diesmal der Abspann mit der berühmten Titelmelodie aus Francis Ford Coppolas Mafia-Klassiker „Der Pate“; Kommissar Overbeck (Roland Jankowsky) war schließlich von Anfang an überzeugt, die Mafia habe ihre Finger im Spiel.

Zunächst aber bittet eine leicht verschrobene Frau namens Elena (Anne Kanis) Privatdetektiv Wilsberg, ihren Ex-Gatten zu suchen. Er arbeitete bei der Müllabfuhr und war auf eine „üble Schweinerei“ gestoßen, wie er ihr geschrieben hat. Kurz darauf wird er tot in einem Container gefunden. Musste er sterben, weil er tatsächlich den Machenschaften einer Müllmafia auf der schmutzigen Spur war? Die nämlich entsorgt offenbar privat, günstig und illegal Sondermüll.

Verklemmter Dauerflirt zwischen Wilsberg und Anna

Wilsberg und Kumpel Ekki (Oliver Korittke) scheuen sich nicht davor, im Dreck zu wühlen. Sie ziehen die orangefarbenen Overalls an und ermitteln undercover. In der Folge von Regisseur Martin Enlen gibt es zwar die üblichen Spannungsszenen, wenn Wilsberg wieder mal irgendwo rumschnüffelt und jeden Moment entdeckt werden kann, aber die Grundstimmung ist heiter: So nervt der gegen Ironie immune Overbeck seine Chefin Anna Springer (Rita Risseks) mit ständigen Hinweisen auf die Mafia.

Verlass ist auch auf den verklemmten Dauerflirt zwischen Wilsberg und Anna. Ein Date der beiden scheitert grandios. Keine Witzfigur ist dagegen die Frau, die alles ins Rollen bringt: Elena, die Ex-Gattin des toten Müllmanns, ist eine radikale Aussteigerin, die von weggeworfenen Lebensmitteln lebt und sämtlichen Repräsentanten der Staatsmacht mit tiefem Misstrauen begegnet.

Alle anderen sparen zwar nicht mit Seitenhieben auf diese Frau, aber der Film gibt sie nie der Lächerlichkeit preis: Anne Kanis versieht die von ihrer Familie verstoßene Elena zwar mit einer anrührenden Fragilität, verkörpert sie aber gleichzeitig würdevoll als Persönlichkeit mit konsumkritischen Prinzipien.

Fazit: Besticht weniger durch Spannung als durch sanften Witz und liebevolle Figurenzeichnung.

• ZDF, Samstag, 8. September, 20.15 Uhr

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