DHDL

Berliner Gründer scheitern vor „Löwen“ fast an sich selbst

Die fünfte „Höhle der Löwen“-Staffel ist mit vielen Deals gestartet. Jener des Berliner Start-ups „Volatiles“ hing am seidenen Faden.

TV: Mit diesen vier Regeln überlebt man die "Höhle der Löwen"

„Die Höhle der Löwen“: In der Vox-Show präsentieren Start-up-Unternehmer ihre Ideen. Mit diesen vier Regeln ist der Erfolg (fast) garantiert.

TV: Mit diesen vier Regeln überlebt man die "Höhle der Löwen"

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Berlin.  Man kann sich das Leben auch selber schwer machen. Eigentlich läuft es für Tiziana Kleine und Florian Nübling ganz hervorragend in der „Höhle der Löwen“ (DHDL). Teleshopping-Unternehmerin Judith Williams sitzt mit offenem Mund da, Investorin Dagmar Wöhrl findet das Produkt „wunderschön“ und Ralf Dümmel, Geschäftsführer von DS Produkte, hält es gar für „MEGA!“ – und schreibt das so auf die berührungssensitive Lichtwand.

Denn das ist die Erfindung der Berliner Gründer: eine programmierbare LED-Wand aus Glasmosaiken, genannt „Volatiles“. „Wir katapultieren antikes Baumaterial ins 21. Jahrhundert, indem wir Mosaik mit modernster LED-Technologie verheiraten“, sagt Nübling bei dem Auftritt in der ersten Folge der fünften DHDL-Staffel am Dienstagabend. Das Produkt sei weltweit einzigartig.

„Volatiles“-Gründer geraten ins Herumdrucksen

So weit, so gut. Doch dann wollen es die „Löwen“ genauer wissen – und fragen nach Zahlen. Denn Nübling und Kleine haben eine ordentliche Summe aufgerufen: 500.000 Euro für 10 Prozent Unternehmensanteile. Da kann man schon mal nachfragen, wie sie auf so eine Bewertung kommen.

„Als Hightech-Unternehmen haben wir einen großen Kapitalbedarf“, sagt Nübling. Schön und gut, entgegnet Investor Carsten Maschmeyer, das sei aber keine Größe für die Bewertung einer Firma. Was genau bedeutet es, wenn die Gründer Abnehmer für 150 Quadratmeter Mosaikfliesen haben? Es folgen diverse Zahlen, viel Herumdruckserei – aber nichts erklärt so richtig, was die „Löwen“ wissen wollen.

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„Löwen“ müssen Auftragsvolumen selbst berechnen

„Ich glaube, der will uns nicht verstehen“, sagt Start-up-Gründer Frank Thelen schließlich, bevor sich Williams erbarmt und es noch einmal erklärt: „Wir wollen wissen: Was ist das für ein Auftragsvolumen in Euro – 150 Quadratmeter?“

Am Ende muss Maschmeyer vorrechnen: „Ist doch ganz einfach. 150 mal 36 mal 99.“ Denn ein Quadratmeter besteht aus 36 Modulen, die jeweils 99 Euro kosten. Was die Gründer selbst nicht beantworten können, schafft der Taschenrechner: 540.000 Euro sind den Berlinern für 2018 fest zugesagt. Nicht genug, um 500.000 Euro für 10 Prozent zu rechtfertigen.

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Maschmeyer verlangt neues Angebot von Gründern

„Sie haben bisher drei Quadratmeter verkauft und hoffen auf eine Bewertung von 4,5 Millionen Euro. Besprechen Sie sich noch mal und schlagen Sie mir eine bessere Bewertung vor“, fordert Maschmeyer.

Am Ende einigen sich er und die Gründer auf 20 Prozent Anteile an „Volatiles“. Denn Maschmeyer sieht trotz des Stolperers in der Präsentation Potenzial: „Wir können Sie zusammen auf 45 Millionen bringen.“

Top-Quoten für „Die Höhle der Löwen“

Die erste von zwölf Folgen der fünften Staffel legte den stärksten Start seit Sendungsbeginn hin. Laut Vox sahen 2,81 Millionen Zuschauer am Dienstag den Auftakt von „Die Höhle der Löwen“, die dem Sender einen Marktanteil von 15 Prozent bei den 14- bis 59-Jährigen einbrachte. Bei den 14- bis 29-Jährigen lag der Anteil demnach sogar bei 21,1 Prozent.

So lief es für die anderen Bewerber:

• Frank Brormann (53), Friseurmeister aus Oelde, Erfindung: der „Calligraph“

Um ihn kämpften gleich vier „Löwen“ auf einmal. Sowohl Maschmeyer und Wöhrl als auch Williams und Thelen boten Brormann gemeinsam mehr als er ursprünglich für seine Alternative zur Friseur-Schere haben wollte. Statt der geforderten 500.000 Euro für 20 Prozent Unternehmensanteile gab es am Ende doppelt so viel für fünf Prozent mehr.

„Mir wird schlecht“, sagte der Erfinder, als die Investoren so hart um ihn feilschten. Brormann hatte nicht nur damit überzeugt, dass sein Produkt durch eine innovative Schneidetechnik Frisuren länger haltbar macht und ihnen mehr Volumen verleiht, er begeisterte auch durch sein Auftreten.

„Ich finde das echt richtig stark, du flashst mich hier gerade wirklich als Typ, als Unternehmer, finde es geil, was du präsentiert hast“, sagte Thelen – und erhielt im Team mit Williams den Zuschlag.

Das kostet Friseure der „Calligraph“: 299 Euro, zusätzlich 2,99 pro Klinge (für Clubmitglieder 1,60 Euro, Clubmitgliedschaft 300 Euro pro Jahr). Zusätzlich ist eine zweitägige Ausbildung für 590 Euro nötig.

• Julia Huthmann (33) aus Harsefeld, Erfindung: „Jacky F.“

Keinen Deal gab es hingegen für das Dosenfrucht-Start-up „Jacky F.“ Nicht weil Huthmann keine Interessenten fand, sondern weil ihr die Angebote nicht passten. 260.000 Euro waren ihr 10 Prozent Unternehmensanteile wert, Thelen und Georg Kofler, der sich in dieser Staffel den Platz mit Williams teilt, wollten hingegen mehr Anteile – 30 bis 35 Prozent.

Da stieg Huthmann schweren Herzens aus. Die Jackfruit, die sie einst in Sri Lanka kennengelernt hatte und die sich als Fleischersatz eignet, will sie lieber weiter selbst vertreiben. „Ich weiß, was ich geleistet habe. Da muss man auch ‘ne klare Linie habe und seinen Weg gehen wollen“, so die 33-Jährige.

Das kostet eine Dose „Jacky F.“: 3,69 Euro.

• Tobias Gerbracht (20) aus Wuppertal, Erfindung: „Catch Up“

Er brachte die Investoren allein schon mit seinem Alter zum Staunen. Trotz seiner gerade einmal 20 Jahre begeisterte Gerbracht die „Löwen“ mit seinem Staubsauger-Aufsatz „Catch Up“. Der Adapter fängt Kleinteile wie Schmuck und Legosteine auf, bevor sie auf Nimmerwiedersehen im Staubsaugerbeutel verschwinden.

Die 100.000 Euro für 35 Prozent Unternehmensanteile hätten sowohl Maschmeyer als auch Dümmel gerne gewährt. Am Ende entschied sich Gerbracht für Dümmel, der ihm vor lauter Dankbarkeit spontan um den Hals fiel.

Das kostet der „Catch Up“: aktuell 9,99 Euro.

• Lara und Silja Stahlbaum, Jonas Detlefsen (alle 23) und Marius Krüger (28) aus Hamburg, Erfindung: Cheerleader-Sportswear „Swedish Fall“

Die Studienfreunde zeigten in der Sendung zwar einen atemraubenden Stunt, zu einem Deal konnten sie aber keinen der Investoren bewegen. Vor allem weil es ihnen zu nischig erschien oder nicht ins Portfolio. Viel Lob gab es aber für Produktqualität und Präsentation. Immerhin.

Das kostet die Sportkleidung von „Swedish Fall“: Hosen 59,95 Euro, Oberteile 29,95 Euro, Crop-Tops 34,95 Euro.

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