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Hochauflösendes Fernsehen: Wo UHD schon jetzt die Norm ist

RTL wird mehr Programm im hochauflösenden TV-Standard UHD ausstrahlen. Online-Streaming-Dienste sind da schon längst viel weiter.

Von Kai-Hinrich Renner
Ein UHD-TV-Gerät von Grundig.

Ein UHD-TV-Gerät von Grundig.

Foto: Franziska Gabbert / dpa-tmn

Berlin.  Die Meldung kam am Donnerstag, um 10.01 Uhr: RTL wird 2019 sämtliche Länderspiele der deutschen Fußballnationalmannschaft, die der Sender zeigt, im neuen hochauflösenden Standard UHD übertragen, der über kurz oder lang den heutigen HD-Standard ablösen wird. Zudem will RTL einige Spiele der Europa League, die Rennen und das Qualifying der Formel 1 sowie die zweite Staffel der Serie „Sankt Maik“ in UHD ausstrahlen.

Der Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Meldung ist kein Zufall. Diesen Freitag öffnet die Internationale Funkausstellung in Berlin ihre Pforten. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass UHD eines der Topthemen der Leistungsschau wird. Denn mit RTL hat erstmals ein großer deutscher Sender auch quantitativ ein zumindest halbwegs vorzeigbares UHD-Programm. Die Konkurrenz ist bisher nur mit Testprogrammen unterwegs. Das Erste hat noch nicht einmal eine einzige Sekunde in UHD gesendet.

Netflix bietet schon viel Programm in UHD-Qualität

Nun soll alles anders werden, auch bei anderen Sendern. Die Entwicklung wird von HD+ vorangetrieben, einer Tochtergesellschaft des Satellitenbetreibers SES Astra. Die Kabelnetzbetreiber sind gerade dabei nachzuziehen.

Die Frage ist nur, ob das alles so fürchterlich relevant ist: So wie es aussieht, wird UHD der erste TV-Standard sein, dem nicht klassische Fernsehsender, Kabelnetz- oder Satellitenbetreiber zum Durchbruch verhelfen. Denn da, wo diese Player erst hinwollen, sind Online-Video-Plattformen wie Netflix schon lange: Der Streamingdienst aus dem kalifornischen Los Gatos bietet allein in Deutschland bereits mehr als 1700 Stunden Programm in UHD-Qualität.

Schon 7,5 Millionen UHD-fähige TV-Geräte in deutschen Wohnungen

Schon die erste Staffel der allerersten Netflix-Serie „House of Cards“ wurde in UHD produziert. Mit dem Start der Ausstrahlung der zweiten Staffel im Frühjahr 2014 begann die Plattform, Programme in dem neuen Standard ihren Zuschauern zugänglich zu machen.

UHD ist bereits heute ein etablierter Standard des Internet-Fernsehens. Und wenn sich das erst einmal herumgesprochen hat, wird es für Satelliten- und Kabelnetzbetreiber noch schwerer, diesen Vorsprung aufzuholen. In deutschen Wohnzimmern stehen bereits 7,5 Millionen UHD-fähige TV-Geräte.

Privatsender wollen klammheimlich ins Pay-TV einsteigen

Privatsender wie RTL oder Sat.1 können aufgrund dieser Entwicklung ins Hintertreffen geraten. Dabei wollten sie mit dem hochauflösenden Fernsehen klammheimlich ins Pay-TV einsteigen. Wer die Programme der Privaten in HD-Qualität sehen will, zahlt bei HD+ schon jetzt dafür 5,75 Euro im Monat. Die Erlöse teilt sich HD+ mit den Sendern.

Es ist kein Geheimnis, dass UHD noch teurer werden wird. Der Abstand zum Premium-Netflix-Abo, das inklusive UHD monatlich 13,99 Euro kostet, wird dann noch geringer sein als heute. Vor die Wahl gestellt, könnte sich künftig mancher Zuschauer für Netflix entscheiden.

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