WDR-Dokumentation

Wolfgang Niedeckens Reise zu seinem Idol Bob Dylan

Für die WDR-Doku „Auf Bob Dylans Spuren“ war BAP-Urgestein Wolfgang Niedecken in den USA unterwegs. Ein Roadmovie für echte Dylan-Fans.

Foto: WDR/Kobalt productions GmbH

Köln..  Für Wolfgang Niedecken gibt es keinen größeren amerikanischen Songwriter als Bob Dylan: „Keiner versteht es bis heute so gut, Sorgen und Hoffnungen der Amerikaner auszudrücken, keiner hat mir so tiefe Einblicke in die amerikanische Seele gegeben.“

Nun weiß man nicht erst seit gestern um die Dylan-Verehrung Niedeckens, der nach eigenem Bekunden ohne sein Idol nie Musiker geworden wäre und ohne Dylans (literarisches) Werk viele seiner eigenen Songs nie geschrieben hätte. Für die Koproduktion von WDR/Arte war das BAP-Urgestein zusammen mit Regisseur und Autor Hannes Rossacher „Auf Bob Dylans Spuren“ kreuz und quer durch die USA unterwegs.

Niedeckens emotionale Herangehensweise

Herausgekommen ist ein 45-minütiges Roadmovie mit viel Musik, gemacht von einem Fan für andere Fans. Das hat, dank Niedeckens emotionaler Herangehensweise und angesichts der Vielzahl der Eindrücke, seinen unbestreitbaren Reiz. Doch Neues über den großen Schweiger Robert Zimmerman alias Bob Dylan, der 2016 als erster Songwriter mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde, fördert auch Niedecken nicht zutage, und zu eigenständigen Erkenntnissen gelangt er auch nicht.

Er wolle herausfinden, sagt der BAP-Chef zu Beginn, was aus jenem Amerika geworden ist, das Dylan in den vergangenen 50 Jahren beschrieben hat. Wenn es um die preisgekrönten Texte und ihre Wirkung geht, bleibt eine Auseinandersetzung aus. Dabei böte Amerika, zumal im Trump-Zeitalter, hinreichend Material.

Ein glühender Verehrer trifft Gleichgesinnte

Nicht nur hinsichtlich des dichtenden Friedensaktivisten und Gerechtigkeitsfanatikers Dylan. Indes: Der Soziologieprofessor Todd Gitlin, einer der Wegbereiter der Protestbewegung der späten 60er-Jahre und Organisator der ersten Vietnam-Demo, ist der einzige Gesprächspartner, der eine Brücke in die politische Gegenwart schlägt.

Ansonsten gilt: Verehrer trifft Gleichgesinnte – ob in der Künstlerkolonie Woodstock, wo Dylan einst in einer mehrmonatigen Session mit The Band die „Basement Tapes“ aufnahm, auf dem historischen „Dylan Way“ in Duluth/Minnesota. Niedecken besucht ein zum Museum umgewandeltes Restaurant in Hibbing, wo der kleine Robert Zimmerman bei den Großeltern lebte, trifft schließlich in Los Angeles Dave Stewart (Eurythmics) zum gemeinsamen Musizieren.

Zitate aus der „Dylan-Bibel“

Wenn es nichts Neues über Dylan zu berichten gibt, dann auch deshalb, weil dieser seit einer kleinen Ewigkeit so gut wie nichts über sich preisgibt. Und so nutzt Niedecken als Reiseführer und Quelle für Zitate die „Dylan-Bibel“ schlechthin, die bereits 2004 erschienene Autobiographie „Chronicles“. Mit dem Resultat immerhin, dass so mancher Dylan-Kenner jetzt erstmals Orte und Stätten sieht, über die er bisher nur gelesen hat.

Fazit: Ein musikalisches Roadmovie über eine sehr persönliche Annäherung an den unnahbaren Bob Dylan. Leider mit wenig neuen Informationen.

WDR, Montag, 27. August, 22.40 Uhr