Krimireihe

„Tatort“-Check: Trinken Thüringer Kloßbrühe bei Erkältung?

Im neuen „Tatort“ aus Weimar drehte sich (fast) alles um Klöße. Was war echte Thüringer Kultur – und was nur ein Scherz der Autoren?

"Tatort": Das sind fünf spannende Fakten

Das sind 5 spannende "Tatort"-Fakten

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Berlin.  Was die „Tatort“-Kommissare Lessing (Christian Ulmen) und Dorn (Nora Tschirner) in „Die robuste Roswita“ bei ihren Ermittlungen erlebt haben, war – wie bei Fällen aus Weimar nicht anders zu erwarten – wieder reichlich skurril. Beim Humor der Autoren kommt man da mal schnell durcheinander: Gibt’s das wirklich oder war das nur ein Witz? Wir haben ein paar Fakten aus dem neuesten ARD-Krimi hinterfragt:

1.) Sind den Weimarern die Klöße wirklich so heilig?

Kein Zweifel: ja. Auf der Homepage der Stadt ist dem Kloß sogar ein eigener Artikel gewidmet. Man erfährt, dass das erste überlieferte Kloßrezept aus dem Jahre 1808 stammt und dass es heute noch in der Pfarrei von Effelder (Kreis Sonneberg) aufbewahrt wird. Natürlich bekommt man auch ein Rezept geboten und den Verweis auf die nahe gelegene „Thüringer Kloß-Welt“, in der es ein Kloßmuseum, das Café Klößchen und natürlich auch die „Kinder-Kloßwelt“ gibt.

Dieses Mekka des Kloß-Kults findet man knapp zehn Kilometer nördlich von Weimar – in Heichelheim, wo auch „Die robuste Roswita“ gedreht worden ist. Im laufenden Betrieb übrigens. Ein ungewohnter Drehort, allein schon wegen der hygienischen Bestimmungen. Regisseur Richard Huber: „Man gewöhnt sich aber schnell daran, dass ein ganzes Team in weißer Schutzkleidung und mit roten Kopfbedeckungen durch die Kartoffeln stolpert.“

Der gemeine Thüringer jedenfalls dürfte sich sehr über diesen Weimar-Krimi freuen. Schließlich gilt für ihn: „Ein Sonntag ohne Klöße verlöre viel von seiner Größe.“

2.) Kann man von jetzt auf gleich sein Gedächtnis verlieren – und genauso plötzlich wiedererlangen?

Traumata, insbesondere Kopfverletzungen, wie sie Roswita Hassenzahl im Krimi erlitten hat, können zu Gedächtnisverlust führen. Dass sich daraus ein derart dauerhafter Gedächtnisverlust entwickelt, der sich nur auf Erinnerungen vor dem Trauma begrenzt, ist ebenfalls möglich, aber sehr selten. Oft kehren die Erinnerungen nach wenigen Stunden oder Tagen wieder zurück.

Es gibt in der Forschung nur wenige beschriebene Fälle wie den von Roswita Hassenzahl. Einige Forscher gehen davon aus, dass die Erinnerungen in Fällen wie ihrem noch vorhanden, aber blockiert sind. Allerdings ist die Wissenschaft erst noch dabei zu verstehen, wie das Gedächtnis funktioniert. Amnesien wie die der Kloßkönigin kommen demnach im Film deutlich öfter vor als im richtigen Leben.

3.) Hilft Kloßbrühe wirklich bei Erkältung?

Theoretisch kann warme Brühe bei Husten und Schnupfen natürlich helfen. Und es gibt auch durchaus Rezepte für Kloßbrühe. Es war aber wohl eher weniger lieb gemeint, als Vorarbeiterin Cordula Remda-Teichel (Christina Große) dem unterkühlten Polizeichef Kurt Stich (Thorsten Merten) eine Tasse Kloßbrühe reichte. Als Delikatesse ist das Wasser, in dem Klöße gegart werden, zumindest nicht bekannt. Und selbst in Thüringen greift man bei Erkältung eher zur Hühnersuppe.

Und damit das hier nicht noch zu weiteren Missverständnissen führt: Die Redensart „Klar wie Kloßbrühe“ hat auch nichts mit Thüringer Kartoffelprodukten zu tun, sondern stammt wortgeschichtlich vom Begriff „Kloster“ ab und ist an die Fastensuppe der Mönche angelehnt. Wie klar diese war, kann man sich denken, wenn man an einen fastenden Asketen denkt.

4.) Gibt es das „Märchen vom tollkühnen Kloßkönig“ wirklich?

Wenn es geschrieben worden wäre, dann sicher in Thüringen – aber selbst dort ist es nicht passiert. Die Anspielung von Ermittlerin Dorn war einfach nur ein Wortwitz, wie er so oft und gerne in den Drehbüchern der Weimarer „Tatort“-Krimis steht.

Genauso wenig gibt es im Übrigen den „Soßkloß“ oder eine Kartoffelsorte namens „Robuste Roswita“. Und selbst in Thüringen ist es äußerst unwahrscheinlich jemanden sagen zu hören: „Wir haben zusammengepasst wie Soß und Kloß.“

5.) Wer denkt sich das alles überhaupt aus?

Die Weimarer „Tatort“-Krimis haben mit einer Ausnahme immer dieselben Autoren: Murmel Clausen und Andreas Pflüger. Nur für „Der kalte Fritte“, der im Februar 2018 erstmals ausgestrahlt worden war und mit fast zehn Millionen Zuschauern ein Quotenhit wurde, war Clausen allein verantwortlich.

Clausen sagte auch mal über das gemeinsame Schreiben mit Pflüger: „Wir lachen eigentlich ständig, das kostet unheimlich viel Zeit.“

Das erklärt einiges.