Moderatorin

Judith Rakers: „Ich bin eigentlich keine Krimi-Mimi“

„Tagesschau“-Sprecherin Judith Rakers moderiert nun montags den ARD-„Kriminalreport“. Eine Art Ratgeber zur Vorbeugung von Straftaten.

Will zur Kriminalaufklärung beitragen: Moderatorin Judith Rakers.

Will zur Kriminalaufklärung beitragen: Moderatorin Judith Rakers.

Foto: rbb/HR/SWR/Ben Knabe

„Tagesschau“-Sprecherin, Talk-Moderatorin – und nun das neue Gesicht einer Kriminalsendung im Ersten: Judith Rakers (42) will im „Kriminalreport“ (montags, 20.15 Uhr), in dem es um neue Fahndungsmethoden und Tipps zur Vorbeugung von Straftaten geht, eine Alternative zu „Aktenzeichen XY“ bieten.

Frau Rakers, worum geht es in der ersten Sendung?

Judith Rakers: Zum Beispiel um sogenannte Super-Recogniser, das sind Menschen, die sich Gesichter viel besser merken können als andere. Wenn Super-Recogniser Bilder von Überwachungskameras sehen, schaffen sie es in ganz kurzer Zeit, Menschen zu identifizieren. Die bayerische Polizei baut derzeit zum ersten Mal in Deutschland eine entsprechende Einheit auf.

Klingt nicht unbedingt nach klassischem Nachrichtenformat, eher ein wenig nach Boulevard.

Rakers: Nein, es ist ein Einblick in die Polizeiarbeit. Wir wollen den Zuschauern mit diesem und anderen Beiträgen zeigen, was sich im Bereich der Ermittlungsarbeit aktuell tut, welche neuen Methoden es gibt.

Was interessiert Sie an dem Thema besonders?

Rakers: Ich habe die gleiche Affinität zum Thema Verbrechen wie die meisten in diesem Land. Ich lebe ja auch hier und bin genauso betroffen oder nicht betroffen wie jeder andere. Vielleicht habe ich ein bisschen mehr Einblick als viele, weil ich ja zum Beispiel in der „Tagesschau“ über die Kriminalitätsstatistik berichte.

Sind Sie selber schon mal Opfer einer Straftat geworden?

Rakers: Allerdings, vor einigen Jahren wurde mein Auto gestohlen. Der Wagen war direkt vor meiner Wohnung in einem belebten Hamburger Stadtteil auf der Straße geparkt und wurde wahrscheinlich von einer auf Autodiebstähle spezialisierten Diebesbande geklaut. Die Polizei hat mir damals erklärt, dass diese organisierten Banden die Autos innerhalb weniger Sekunden mit ihrem Laptop knacken, indem sie das Auto per Funksignal öffnen.

Was war Ihr erster Gedanke, als das Auto weg war?

Rakers: Der erste Gedanke war, den Wagen habe ich woanders geparkt, der stand da gar nicht. Jeder Großstädter kennt das – man muss oft fünfmal um den Block fahren, bis man einen Parkplatz kriegt, da kommt man schon mal durcheinander. Der zweite Gedanke war, die Polizei hat das Auto vielleicht abgeschleppt. Leider stellte sich dann heraus, dass es geklaut war. Das Schlimme ist ja nicht nur, dass das Auto weg ist, sondern dass man auch viele persönliche Dinge im Wagen hat, die dann auch weg sind. Seitdem bewahre ich meinen Autoschlüssel in einer Metallbox auf, damit man ihn nicht mehr per Laptop auslesen und zum Öffnen des Wagens benutzen kann, wie das professionelle Diebe von der Straße aus machen.

Ist Ihr Wagen je wieder aufgetaucht?

Rakers: Nein, der blieb verschwunden.

Welche Verbrechen verabscheuen Sie am meisten?

Rakers: Verbrechen gegen Menschen natürlich, vor allem gegen Wehrlose, wie Kinder.

Gibt es auch Delikte, die sie für mehr oder weniger entschuldbar halten?

Rakers: Schwierige Frage, da gibt es ja ganze Bücher dazu. Da können Sie zum Beispiel den kompletten Ferdinand von Schirach rauf- und runterlesen. Also erst mal: Verbrechen bleibt Verbrechen, aber natürlich hat man mehr Verständnis für eine Frau, die den Vergewaltiger ihrer Tochter erschießt, als für einen Mann, der einen Säugling missbraucht. Aber: Verbrechen bleibt trotzdem Verbrechen.

Lesen Sie gerne Krimis?

Rakers: Ich bin eigentlich keine Krimi-Mimi, die jeden Abend vor dem Einschlafen in einem schmökert. Aber ab und zu lese ich schon einen Krimi, zum Beispiel, wenn wir in der Talkshow „3 nach 9“ einen Krimiautoren zu Gast haben und ich mich auf das Gespräch vorbereite.

Und was ist mit dem „Tatort“?

Rakers: Schau ich gerne, ich mag aber auch skandinavische Krimis. Beim „Tatort“ gucke ich besonders gerne die Filme aus Bremen mit Sabine Postel und Oliver Mommsen, und auch die lustigen Fälle mit Jan Josef Liefers und Axel Prahl aus Münster. Den aus Bayern finde ich auch schön.

Sie hatten ja auch selbst einmal einen Auftritt in einem „Tatort“.

Rakers: Vor zwei Jahren in einem „Tatort“ mit Til Schweiger als Kommissar, in dem ich im „Tagesschau“-Studio als Geisel genommen wurde. Ich halte mich grundsätzlich aber lieber an die Realität.