ZDF-Moderatorin

So war das erste „Aktuelle Sportstudio“ mit Dunja Hayali

Frauen wird es schwer gemacht, sobald es um den Profifußball geht. Doch Dunja Hayali führte souverän durch ihr erstes "Sportstudio".

Jetzt auch Gastgeberin im ZDF-„Sportstudio“: Dunja Hayali

Jetzt auch Gastgeberin im ZDF-„Sportstudio“: Dunja Hayali

Foto: Jana Kay / dpa

Über den Druck war sie sich bestens im Klaren, als Dunja Hayali am Sonnabend um 23 Uhr erstmals im ZDF zur Moderation des „Aktuellen Sportstudios“ antrat. Es ist ja nicht nur so, dass es sich hierbei um eines der zentralen Heiligtümer der öffentlich-rechtlichen Sportberichterstattung handelt: auf Sendung seit 1963, traditionell eingeläutet von Thomas Reichs bekannter Big-Band-Fanfare und ebenso traditionell beschlossen vom Schießen auf die Torwand.

Es ist vielmehr auch so, dass es Frauen hierzulande immer noch gern schwer gemacht wird, sobald es um den Profifußball geht. Zuletzt war das zu erfahren, als Hayalis ZDF-Kollegin Claudia Neumann für ihre Berichterstattung von der Weltmeisterschaft in den sozialen Netzwerken mit Beleidigungen geradezu überschüttet wurde. Dunja Hayali mag also nicht nur an ihre „Sportstudio“-Vorgängerin Carmen Thomas und ihren „Schalke 05“-Patzer von 1973 gedacht haben, als sie im Interview letztens sagte: „Ein Fehler – und die Nation dreht hohl“. Sie wusste: Das wird schwer.

Es hagelte Absagen

Und dann sagten auch noch die geladenen Granden des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ab. Bundestrainer Joachim Löw, Manager Oliver Bierhoff und Präsident Reinhard Grindel zogen es vor, nach der Sitzung des Präsidiums am Freitag in München mitsamt der Analyse des WM-Debakels erst einmal den kommenden Mittwoch abzuwarten, an dem Löw seine Ergebnisse öffentlich präsentieren will. Aber Dunja Hayali ließ sich davon nicht entmutigen und gab auch keine Verunsicherung ob der Diskussion zu erkennen, die zuletzt um ihre beruflichen Nebentätigkeiten geführt worden war: Sie führte kompetent und souverän durch eine gut durchkomponierte Sendung.

Ihr Studiogast, das Fußball-Urgestein Friedhelm Funkel, derzeit Trainer des Aufsteigers Fortuna Düsseldorf, bot ihr die Gelegenheit, nebenbei an ihre schon etwas länger zurückliegende Tätigkeit als Sportreporterin zu erinnern. Es habe damals nicht zu den leichtesten Aufgaben gehört, den damals gern auch mal schroffen Funkel nach sportlichen Niederlagen zu interviewen, erinnerte sie sich. Doch obwohl er auch am Samstagnachmittag den Platz nach dem Spiel gegen Augsburg als Verlierer verlassen musste, bewies der inzwischen 64-jährige Funkel eine sympathische Milde – nicht nur der eigenen Mannschaft, sondern auch den Schiedsrichtern gegenüber.

Der Videobeweis lieferte das Leitmotiv der Sendung

Denn diese – genauer: der von ihnen praktizierte Videobeweis – lieferten das Leitmotiv der Sendung. Schon am Freitag hatte eine Elfmeter-Entscheidung zugunsten des FC Bayern München im Spiel gegen Hoffenheim die Gemüter erhitzt und den Beweis erbracht, dass Fehlentscheidungen auch durch das Betrachten von Aufzeichnungen nicht aus der Welt zu schaffen sind. Funkel nannte den Elfmeter folgerichtig auch einen „Witz“ – forderte aber, wie übrigens die meisten der in der Sendung befragten Bundesligatrainer – auch Geduld im Umgang mit dem Videobeweis, der sich ja während der Weltmeisterschaft eigentlich gut bewährt hat.

Hayali ließ mit ihm seine lange Karriere nostalgisch Revue passieren und spielte eine Grußbotschaft der „Toten Hosen“ ein, verließ aber auch hin und wieder die Komfortzone. Dass beim ersten Heimspiel in der Bundesliga nach dem Aufstieg 12.000 Plätze im Stadion frei blieben, kann einen Trainer ja nicht gerade freuen. Funkel reagierte erst mit einem Anflug von Verschnupftheit („Diese Frage habe ich heute schon öfter beantwortet“), dann mit einer routinierten Mischung aus Demut und guten Hoffnungen für die Zukunft. Am Schluss traf er die Torwand dreimal – zweimal unten, einmal oben.

Das Sportstudio funktioniert seit vielen Jahrzehnten durch seine kurzweilige Mischung aus Spielberichten und vertiefende Gespräche mit dem Studiogast – so war es auch dieses Mal. Das war interessant anzusehen, auch wenn Dunja Hayalis Qualitäten als kritisch nachfragende Journalistin durch ihren sympathisch ausgeglichenen, zuversichtlichen Gast kaum herausgefordert wurden. Aber vielleicht trauen sich ja die Herren Löw, Grindel oder Bierhoff ja demnächst mal ins „aktuelle sportstudio“. Dann könnte es etwas härter zur Sache gehen.

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