ZDF-Film

„Für meine Tochter“: So hat man Dietmar Bär selten gesehen

Im Kriegsfilm „Für meine Tochter“ sucht ein verzweifelter Dietmar Bär sein Kind in Syrien. Ergreifendes Drama über Migration in Europa.

Von Arnold Hohmann
Benno Winkler (Dietmar Bär) und sein Fahrer Ilkay (Adam Bay) sind in dem zerstörten Dorf angekommen, in dem Bennos Tochter zuletzt lebend gesehen worden ist.

Benno Winkler (Dietmar Bär) und sein Fahrer Ilkay (Adam Bay) sind in dem zerstörten Dorf angekommen, in dem Bennos Tochter zuletzt lebend gesehen worden ist.

Foto: Mohammed Kamal/ZDF / ZDF und Mohammed Kamal

Essen.  Eigentlich hat der Apotheker Benno Winkler (Dietmar Bär) noch genug damit zu tun, den Tod seiner Frau zu verarbeiten. Doch ausgerechnet jetzt, wo er daheim still in die Kleidung der Verstorbenen weint, trifft ihn bereits ein neuer Schlag. Seine Tochter Emma (Anna Hermann) hat sich anscheinend wider alle Vernunft in das syrische Bürgerkriegsgebiet begeben, um einer Familie dort zur Flucht zu verhelfen.

Der erste Ärger über sein politisch heftig engagiertes Kind weicht bei Benno schnell der Angst. Denn es gibt kein Lebenszeichen mehr von dem Mädchen. Benno tut das, was ein Vater vielleicht tut, wenn ihm auch noch das Letzte genommen werden soll: Er fährt hinterher.

Wer meint, den Schauspieler Dietmar Bär gut zu kennen, weil man regelmäßig den Kölner „Tatort“ schaut, der wird sich bei Stephan Lacants Film „Für meine Tochter“ sehr wundern. Die Gemütlichkeit, die Bär sonst meist ausstrahlt, weicht hier dem Porträt eines verzweifelten Menschen, der alles hinter sich lässt – und einem Leid begegnet, das er so nie erwartet hätte.

Überlebenskampf in der Wüste

Es beginnt noch sehr bürokratisch in der deutschen Botschaft in der Türkei. Die ist Winkler jedoch keine Hilfe, weil es sich bei seiner Tochter bisher um keinen Entführungsfall handelt. Also versucht es der Vater auf eigene Faust, was ihn bei seiner Naivität fast das Leben kostet.

Die zwielichtigen Gestalten, die ihn nach Syrien bringen wollen, nehmen sein Geld, seine Papiere und Schuhe, schlagen ihn nieder und lassen ihn bei sengender Sonne in einer Geröllwüste liegen. Es beginnt ein Überlebensdrama, das Dietmar Bär zum Höhepunkt des ganzen Films macht. Für seine blutenden Füße fertigt er sich Behelfsschuhe an, aus seinen Taschentüchern saugt er sich den Schweiß. Und das alles nur, um schließlich von IS-Kriegern aufgelesen zu werden, die ihn töten wollen.

Flüchtlinge aus Syrien haben den Tod immer im Nacken

Natürlich wollen die Drehbuchautoren Sarah Schnier und Michael Helfrich vorrangig eine spannende Geschichte erzählen. Aber sie wollen dem Zuschauer auch vermitteln, aus welchem Grauen die in Europa anlandenden Mi­granten flüchten. Einmal zeigt Winkler einem im Getto lebenden Mann ein Bild seiner verschwundenen Tochter. Der Mann, der ihn zum Tee eingeladen hat, holt daraufhin Bilder von seiner Frau und zwei seiner Töchter, alle erschossen. Winkler bleibt daraufhin sprachlos. Man merkt allein an dieser Situation, dass die Flüchtlinge aus Syrien den Tod immer im Nacken haben.

Warten trotz Familiennachzug
Warten trotz Familiennachzug

Es hätte der Glaubwürdigkeit des Films sicher gutgetan, wenn da nicht immer in den heikelsten Momenten der türkische Taxifahrer Ilkay (Adam Bay) als rettender ­Engel auftauchen würde, um Winkler ganz ohne Gegenleistung zu helfen. Doch die Suche nach Tochter Anna wird trotzdem immer verzweifelter. Und es wird klar: Sollte Winkler diese Reise überstehen, wird er niemals wieder als derjenige zurückkehren, der er mal war.

Fazit: Ergreifendes Drama, bei dem man Dietmar Bär von einer neuen Seite kennenlernt.

ZDF, Mittwoch, 8. August, 20.15 Uhr