Doku

Arte spürt der „Hysterie ums Netz“ nach – mit viel Skepsis

Die Doku „Hysterie ums Netz“ zeigt Gefahren und Chancen des Online-Zeitalters. Sie beleuchtet die Branche kritisch, aber realistisch.

Laptop, Smartphone, Tablet: Aus deutschen Familien sind diese Geräte kaum noch wegzudenken. Doch hinter dem praktischen Nutzen verbergen sich auch Risiken.

Laptop, Smartphone, Tablet: Aus deutschen Familien sind diese Geräte kaum noch wegzudenken. Doch hinter dem praktischen Nutzen verbergen sich auch Risiken.

Foto: Wavebreakmedia/ ISTOCK / Getty Images/iStockphoto

Es ermöglicht Einkäufe, Reisebuchungen oder Behördengänge vom Schreibtisch aus, es vernetzt Haushaltsgeräte und stellt dank riesiger Suchmaschinen das Wissen der Welt in Sekundenschnelle zur Verfügung und sorgt für eine lückenlose Kommunikation an jedem Ort zu jeder Zeit: Das Internet ist für den modernen Menschen fast unverzichtbar geworden.

Auf der anderen Seite ist es aber auch ein Fluch, denn es erleichtert Kriminellen oder Terroristen ihr verhängnisvolles Tun, öffnet der wirtschaftlichen Ausspähung und staatlichen Überwachung Tür und Tor.

Fluch oder Segen? Das ist also die Frage, die auch die Dokumentation „Hysterie ums Netz“ bei Arte stellt – oder wie es zu Beginn des sehenswerten Beitrags heißt: „Sind wir gefangen in einem Netz von künstlicher Intelligenz, die uns beherrscht, oder hat uns Hysterie gepackt?“

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Eine vierköpfige Familie lebt im komplett vernetzten Haushalt

Im Mittelpunkt der Dokumentation steht eine ganz normale vierköpfige Familie, die dank des technikbegeisterten Vaters moderne Digitaltechnik ausgiebig nutzt. Im Haushalt ist von der Heizung über den Staubsauger bis zum Rasenmäher alles digital steuerbar, die Dachfenster öffnen sich bei Frischluftbedarf automatisch, die Temperatur des Kühlschranks kann mittels Smartphone reguliert werden.

Das alles ist schön und gut, aber ist es auch sicher? Ein Computerexperte schaut sich den vernetzten Haushalt in der Doku genau an und ermittelt Lücken im System, die von böswilligen Hackern und Kriminellen genutzt werden könnten.

Natürlich kann auch diese TV-Reise durch die digitale Welt nicht alle Fragen abschließend beantworten. Doch sie liefert dem Zuschauer zumindest ohne erhobenen Zeigefinger jede Menge wissenswerte Informationen und verzichtet dabei auch noch weitgehend auf Fachchinesisch. Die Experten, die zu Wort kommen, bemühen sich allesamt um verständliche Auskünfte und geben auch einmal zu, wenn sie etwas nicht wissen oder voraussehen können.

Politische Manipulation im Netz

„Wir können noch nicht langfristig abschätzen, was mit diesen Daten angestellt werden kann“, sagt in dem Beitrag etwa der Netzexperte Markus Beckedahl mit Bezug auf die vielen Daten, die jeder Mensch zwangsläufig von sich preisgibt, wenn er das Internet nutzt.

Die Dokumentation beleuchtet auch politische Manipulation im Netz und wirft einen Blick zurück auf die Anfänge des Internets in Kalifornien – die Gründer träumten damals von frei zugänglichen Informationen für alle und konnten nicht ahnen, dass sie gleichzeitig den Grundstein für mächtige Milliardenfirmen im Silicon Valley legten.

Fazit: Der Film beleuchtet die Branche mit viel Skepsis – und Realismus. Vor allem die US-Riesen werden kritisiert. Die Macher zeigen aber klar auf: Die Digitalisierung hat das Leben schon verändert, jetzt müssen wir lernen, damit umzugehen.

Arte, Dienstag, 3. Juli, 23.20 Uhr