TV-Magazin

RTL verpasst dem Magazin „Spiegel TV“ neuen Anstrich

Das Magazin „Spiegel TV“ wandert bei RTL von Sonntag auf den Montag. Bei dem Sender sind kürzlich viele Plätze neu vergeben worden.

Foto: RTL/Spiegel TV

Berlin.  Auf Sendeplätze für unabhängige Produzenten würden die Chefs privater TV-Kanäle gern verzichten. Den Machern ginge es dabei nicht um Quote oder Qualität, sondern nur darum, „sich diese Pfründe möglichst langfristig zu erhalten“, schimpfte der frühere Geschäftsführer von Sat.1, Roger Schawinski, einst in seinem Buch „Die TV-Falle“.

In Deutschland schreibt der Gesetzgeber vor, dass Sender, die einen Marktanteil von mindestens zehn Prozent haben oder aber zu einer Sendergruppe gehören, die eine Quote von wenigstens 20 Prozent erzielt, aus Gründen der Meinungsvielfalt Sendeplätze für unabhängige Dritte zur Verfügung stellen müssen. Bei RTL sind kürzlich die Plätze neu vergeben worden. Jetzt treten die Änderungen in Kraft.

Kulturmagazin „10 vor 11“ galt als Quotengift

Die für die Lizenzierung unabhängiger Dritter bei RTL zuständige Niedersächsische Landesmedienanstalt hat dabei kaum einen Stein auf dem anderen gelassen. Hauptleidtragender ist die Produktionsfirma DCTP. Seit Einführung der Drittsendezeiten 1988 war das Unternehmen stets mit Sendeplätzen bedacht worden. Zum DCTP-Portfolio bei RTL gehörten zuletzt „Spiegel TV Magazin“, die erste halbe Stunde von „Stern TV“ sowie das Kulturmagazin „10 vor 11“.

Die höchst ambitionierte Kultursendung, die in Senderkreisen als Quotengift gilt, entfällt ab 1. Juli komplett. Ebenfalls nicht mehr im DCTP-Angebot ist „Stern TV“. Allerdings wird der Fernsehableger der gleichnamigen Illustrierten nach wie vor bei RTL zu sehen sein – eigenständig produziert.

Neue Sendungen am Sonntag und am Montag

Änderungen gibt es auch beim „Spiegel TV Magazin“, das bislang am Sonntagabend um 23.15 Uhr lief. Künftig heißt die Sendung nur noch „Spiegel TV“ und wird von Montag an um 23.25 Uhr gezeigt. Statt 45 Minuten gibt es künftig eine 35-minütige Ausgabe. Moderatorin bleibt Maria Gresz (51), die seit Beginn dabei ist.

Schon vor der Vergabe der neuen Sendezeiten hatte Claus Grewenig, der Medienpolitik-Chef von RTL, erklärt, man wolle am Sonntagabend „mehr Flexibilität“ haben. Konkret ging es dem Sender darum, den Quotenabriss zwischen dem sonntäglichen Spielfilm und „Spiegel TV Magazin“ zu beenden.

Neue Formaten wie „Life – Menschen, Momente, Geschichten“

Dafür musste RTL am Samstag zwischen 19.05 Uhr und 20.15 Uhr einen Sendeplatz für unabhängige Dritte schaffen – so die Auflage. Dort läuft nun „Life – Menschen, Momente, Geschichten“. Zu ganz später Stunde, Montagnacht ab 1.15 Uhr, geht künftig bei RTL „Ohne Filter – So sieht mein Leben aus!“ auf Sendung.

Und schließlich darf sich auch Roger Schawinski über einen Sendeplatz freuen. Der einstige Kritiker der Drittsendezeiten ist inzwischen an der Produktionsgesellschaft Solis TV beteiligt, die auf RTL montags ab 0.30 Uhr die Reportagereihe „Die Alltagskämpfer – ÜberLeben in Deutschland“ zeigt.