Krimireihe

Im Rostocker „Polizeiruf“ erinnert das Opfer an Frauke Petry

| Lesedauer: 3 Minuten
Arnold Hohmann
Ermittlungen im rechten Milieu: Kommissar Bukow (Charly Hübner, links) will, dass der Zeuge Erik Meissner (Patrick von Blume) endlich auspackt.

Ermittlungen im rechten Milieu: Kommissar Bukow (Charly Hübner, links) will, dass der Zeuge Erik Meissner (Patrick von Blume) endlich auspackt.

Foto: NDR

Rostocks „Polizeiruf“-Duo sucht im Sonntags-Krimi den Mörder einer rechtspopulistischen Politikerin. Die Geschichte wirkt überfrachtet.

Essen.  Die Ermittler in den Sonntags-Krimis der ARD, sei es nun der „Tatort“ oder der „Polizeiruf“, sie stapfen derzeit verdächtig oft durch den Morast rechtsradikaler Themen. Ob es nun die braunen Bauern im Schwarzwald mit ihrer Blut-und-Boden-Ideologie waren („Sonnenwende“) oder, vor einer Woche erst, die „Freiländer“ in Bayern, die sich abschirmen wollen von dem „Unrechtsstaat“ Bundesrepublik („Freies Land“). Jetzt aber kommt mit dem „Polizeiruf 110 – In Flammen“ so etwas wie der rechte Overkill auf den Bildschirm.

Hier, in der fiktiven rechtspopulistischen Partei PFS sind sie alle vereint, die völkischen Bio-Bauern mit ihrem Hang zur heimischen Scholle. Hinzu kommt noch eine rechtsradikale Untergrundzelle, die gegen Ende überraschend aktiv wirkt.

Bei lebendigem Leib verbrannt

Zusammengestellt hat das Ganze Drehbuchautor Florian Oeller, der den Regisseur Lars-Gunnar Lotz damit vor die nicht leichte Aufgabe gestellt hat, in diesem vielen Hin und Her den roten Faden zu behalten.

Es beginnt mit der flammenden Wahlkampfrede der PFS-Vorsitzenden Schulte (Katrin Bühring, stark auf Frauke Petry getrimmt), die als Oberbürgermeisterin für Rostock kandidiert. Nur wenig später sieht man, wie Schulte auf freiem Feld mit Benzin übergossen und bei lebendigem Leib verbrannt wird. Eine Tat, so brutal ausgeführt, dass die Polizistin Katrin König (Anneke Kim Sarnau) nur an Hass und Vernichtungsdrang denken kann. Kollege Alexander Bukow (Charly Hübner) will sich noch nicht festlegen.

Der Fraktionsvorsitzende Herlau wirkt farblos

Es folgen die vielen Befragungen, die es braucht, um sich im Umfeld der Toten zurechtzufinden. Regisseur Lotz macht daraus kleine Höhepunkte an Verhörtechnik.

Da ist zunächst der so furchtbar farblos wirkende Fraktionsvorsitzende Herlau, aus dem Michael Wittenborn ein derartiges Bild des Jammers formt, dass der Zuschauer fast Erbarmen hat. Aber da ist vor allem Karim Jandali, der syrische Referent des Opfers. Bei ihm stellt sich die Frage, warum einer wie er für eine Partei arbeitet, die für Migranten rein gar nichts übrig hat. Bukow jedenfalls beißt sich mit seinen Psycho-Methoden an ihm die Zähne aus.

Ehefrau ist mit dem völkischen Bodensatz nicht zufrieden

Schnell baut sich ein Fächer aus Personen auf, um die sich die Handlung rankt und die für Regisseur Lotz der Ansatzpunkt für einen Blick auf die braunen Seiten Mecklenburg-Vorpommerns sind. Oder sollte es doch eine Beziehungstat gewesen sein, käme vor allem Schultes Ex-Mann (Patrick von Blume) infrage, den König und Bukow irgendwo auf dem Land aufstöbern, wo er mit Gesinnungsgenossen eine Art „braunes Bullerbü“ betreibt.

Der Film erlangt seine besten Momente immer dann, wenn die Schauspieler ihre Qualität ausspielen dürfen. Dazu gehört auf jeden Fall auch Lisa Hagmeister, Schultes neue Ehefrau. Sie will ihren Mann schützen, zeigt aber auch, dass sie mit dem völkischen Bodensatz nicht ganz einverstanden ist.

Die Geschichte ist ein wenig überfrachtet. Es sind die Schauspieler, die dieses Mal besonders überzeugen.

• Sonntag, 10. Juni, 20.15 Uhr, Das Erste: „Polizeiruf 110: In Flammen“