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„Sing meinen Song“: Drogenszene machte „Alphaville“ berühmt

Bei „Sing meinen Song“ erzählt Alphaville-Frontmann Marian Gold vom kometenhaften Aufstieg – und ist am Ende selber hin und weg.

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Berlin.  Da sitzt er also, der „erste Weltstar auf der ‚Sing meinen Song‘-Bühne“ (Mark Forster). Ein Mann, der in den 70er-Jahren die Enge der westdeutschen Provinz hinter sich ließ. Und dann im eingemauerten West-Berlin seine Bestimmung fand: die Musik.

Marian Gold ist heute 63 Jahre alt. Seine Band Alphaville hat mit Hits wie „Big in Japan“ und „Forever Young“ Musikgeschichte geschrieben. Kein Wunder also, dass die anderen Stars beim vierten „Tauschkonzert“, das am Dienstagabend auf Vox lief, andächtig an seinen Lippen hängen. Mit dem pausbäckigen Gesicht und der leicht fülligen Statur erinnert Gold auf der Couch in Südafrika an einen knuffigen Teddy – und das passt so gar nicht zu den Texten, die die Band weltberühmt machten.

„Big in Japan“: Ein Song über das Drogenelend

„Big in Japan“ etwa ist ein Song über Heroin. Über zwei Junkies, die davon träumen, clean zu werden. Es geht um Berlin, Prostitution und die Drogenszene, die den Bahnhof Zoo in den 70er- und 80er-Jahren prägte. Das Elend rund um den Charlottenburger Bahnhof machte die Band – quasi über Nacht – weltberühmt.

An einen solchen Erfolg war nicht zu denken, als Marian Gold mit befreundeten Musikern im Biotop West-Berlin die Band Alphaville gründete – der Name leitet sich aus einem Science-Fiction-Film ab. „Wir hatten von Tuten und Blasen keine Ahnung“, erzählte er. In muffigen Schlafzimmern nahmen sie die ersten Songs auf. Zu diesem Zeitpunkt arbeitete Gold als Küchenhilfe. Als sein Chef zum dritten Mal einen Song der Band im Radio hörte, schmiss er ihn raus. „Du gehörst hier nicht hin“, habe er gesagt.

"Sing meinen Song": Der Moment, als die Stars (fast) weinen mussten
"Sing meinen Song": Der Moment, als die Stars (fast) weinen mussten

Mary Roos war „total verknallt“ in Marian Gold

„Die 80er-Jahre waren die beste Zeit, um berühmt zu werden“, sagte Mark Forster. Und weil Alphaville so viele Evergreens gelangen, wollten die anderen Stars bei „Sing meinen Song“ den Band-Frontmann gebührend ehren. Rea Garvey etwa performte eine rockige Version von „Big in Japan“. „Das Lied hat meinen Musikgeschmack geprägt“, sagte er. Und Mary Roos, die zugab „total verknallt“ in den Sänger gewesen zu sein, lieferte eine soulige Interpretation von „I die for you today“.

Marian Gold erzählte davon, wie er in besetzten Häusern in West-Berlin lebte, wie er im Winter mit der U-Bahn hin und her fuhr, um vor der Kälte zu fliehen. Von Kneipen, die 24 Stunden geöffnet hatten. Die Musik wurde da auf der Couch zur Nebensache.

„Forever Young“ auf einem neuen Level

Doch dann – natürlich – musste auch noch „Forever Young“ kommen – einer der meistgecoverten Songs aller Zeiten, wie Mark Forster anerkennend anmerkte. Der 1984 veröffentlichte Hit erzählt die Geschichte von Menschen, die in einer Art Atombunker den Krieg überleben – und dann wieder das Licht sehen. „Ich habe dazu in der Kinderdisko getanzt“, sagte Revolverheld-Frontmann Johannes Strate. Seine Cover-Version hatte damit nichts mehr zu tun. Er machte aus dem Song eine poppige Gute-Laune-Version – und plötzlich stand die ganze Couch und wippte mit.

„Er geht aufs Ganze, der fürchtet sich vor gar nichts“, lobte Marian Gold. „Geil, super geil! Du hast den Song auf ein neues Level gehoben“. Doch das galt eigentlich für alle Künstler, die an diesem Abend auftraten. Sie haben gezeigt, was noch immer in den Hits von Alphaville steckt. Und wie man diesem „ersten Weltstar auf der ‚Sing meinen Song‘-Bühne“ eine große Freude bereiten kann.