Tauschkonzert

„Sing meinen Song“: Rea Garvey steht auf Judith Holofernes

Beim Tauschkonzert standen Wir sind Helden auf dem Plan. Judith Holofernes verriet, wie sie über Nacht zum Festival-Headliner wurden.

"Sing meinen Song": Der Moment, als die Stars (fast) weinen mussten

"Sing meinen Song": So emotional ging es tatsächlich bei den Dreharbeiten zu. Reporterin Johanna Rüdiger hat mit Mark Forster, Judith Holofernes und Johannes Strate gesprochen.

"Sing meinen Song": Der Moment, als die Stars (fast) weinen mussten

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Berlin.  Der steile Aufstieg ihrer Band Wir sind Helden kam für Frontfrau Judith Holofernes doch ein bisschen schnell: „Ich hatte gerade erst gelernt, wie ich meine Gitarre richtig ‘rum halte, so ungefähr“, erzählte die 41-Jährige in der jüngsten „Sing meinen Song“ -Ausgabe am Dienstagabend.

Weil die Metal-Band Limp Bizkit abgesagt hatte, wurden die „Helden“ über Nacht zu „Rock am Ring“-Headlinern. Vor dem Auftritt habe sie wirklich Angst gehabt, gestand Holofernes den Musiker-Kollegen am Lagerfeuer, aber vor der Bühne standen tatsächlich „Typen in Metal-Kutten, die dann Aurelie mitgegrölt haben“.

Schönes Bild. Gegrölt hat bei diesem Tauschkonzert niemand. Aber interpretiert. Auch wenn Wir sind Helden schon seit 2012 pausieren und Judith Holofernes seither fleißig ihre Solomusik veröffentlicht, sangen die Künstler alte „Helden“-Stücke.

Leslie Clio liefert den kreativsten Auftritt des Abends

Die Neu-Interpretationen bei „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ sind nicht immer ein Gewinn. Aber die Soul-Pop-Sängerin Leslie Clio machte am Dienstagabend eine sehr gute Figur bei ihrem Auftritt. Sie packte ihren Casio VL-1-Synthesizer aus, ein Musik-Artefakt aus den 1980ern, dessen schrabbelig-technischer Klang vor allem aus dem Neue-Deutsche-Welle-Hit „Da Da Da“ von Trio bekannt ist. Der Synthesizer speichert bis zu 100 vorprogrammierte Einzeltöne, die nacheinander abgespielt werden.

„Sehr industriell-elektronisch, bisschen eckiger gedacht“, kündigte sie an – und sang den Wir-sind-Helden-Hit „Müssen nur wollen“. Dabei wirkte sie fast roboterhaft kühl und erinnerte mit ihren Posen, hochgekrempelten Armen und ihrem Jeans-Outfit ein wenig an das „We Can Do It!“-Plakat, das eine Arbeiterin im Blaumann abbildet.

In dieser wunderbar ironischen Unterstreichung des Song-Mottos „ich weiß aber, dass alle etwas wollen sollen“ spielte sie all ihre Coolness aus – und konnte trotzdem nicht den Tagessieg in der Show erringen.

Rea Garvey singt „Güten Tag, güten Tag“

Die Konfetti-Kanone und damit den Tagessieg überreichte Judith Holofernes Rea Garvey. Der outete sich: „Ich bin ein Wir-sind-Helden-Fan gewesen.“ Die Band sei zu ihrer Zeit ein absoluter Trendsetter gewesen. Ähnlich erzählte es Revolverheld-Sänger Johannes Strate, der sich bei Wir sind Helden bedankte. Die Band habe „mit so ein paar Songs da total die Tür aufgestoßen, die Leute hatten auf einmal wieder total Bock, deutsche Musik zu hören“. Das sei auch Revolverheld zugute gekommen. Vorher hätten alle Popmusiker auf Englisch gesungen, weil im Radio nur Reamonn lief, scherzte Strate.

Mit deutlich mehr E-Gitarren-Geschrammel als im Original stand Rea Garvey auf der kleinen „Sing meinen Song“-Bühne und sang aus voller Kehle: „Güten Tag, güten Tag, ich will mein Leben zürück!“ Der irischste Ire der deutschen Poplandschaft, das ist spätestens seit der zweiten Folge „Sing mein Song“ klar, hatte sich entschieden, auf Deutsch zu singen. Und dazu suchte er sich das Stück aus Holofernes’ Oeuvre aus, das den längsten und komplexesten Text des Abends hatte.

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Mary Roos hatte sich den flotten Hit „Nur ein Wort“ ausgesucht und lieferte eine jazzig-beswingte Version des Popsongs mit kurzem Pianosolo. Mark Forster dagegen interpretierte das melancholische Solostück „Oder an die Freude“ von Holofernes als Pophit. „Große Bläser, ‘nen fetten Beat und ‘ne dicke Hook“ sollten seine Version zum Ohrwurm machen, erklärte der Sänger.

Dazu streute er noch eine Prise „Empire State Of Mind“ ein und fertig war der Forstersche Hitcocktail. Judith Holofernes haute die Mischung um – für sie war der Song „der absolute Ober-Mega-Wahnsinn“.

„Ihr habt mich alle auf ganz unterschiedliche Art und Weise niedergebügelt“, sagte Judith Holofernes am Ende der Sendung. Sie überreichte Rea Garvey die Konfetti-Kanone und hatte noch einen Wunsch. Ein letztes mal noch sollte er „aber euer Leben zwickt und drückt nur dann nicht, wenn man sich bückt“ sagen. Diesen Wunsch bekam sie natürlich erfüllt.

Was Mark Forsters besonders an Leslie Clio mag

Im Gegensatz zu Garvey, der immer noch ein bisschen aufgedrehter ist und noch eine Spur mehr in Superlative versinkt, geht Leslie Clio in der Sendung durch ihre kompromisslose Coolness ein wenig unter. Garvey erklärte beeindruckt, er habe „Todesangst vor ihr gehabt“. Aber selbst wenn sie in glaubwürdiger Verzweiflung Songzeilen wie „wir können alles, was zu eng ist, mit dem Schlagbohrer weiten“ haucht, bleibt sie damit doch zu wenig ausgefallen für das Format.

Dabei lässt sie ihre eisige Maske auch immer wieder fallen. „Meine Lieblings-30-Sekunden sind immer, bevor Leslie anfängt zu singen“, kommentierte Gastgeber Mark Forster denn auch, als Clio ihr Lampenfieber im wörtlichen Sinne in gymnastischen Übungen abschüttelte. Danach war sie vollkommen in ihrer Rolle und sparte sich auch die One-Two-Three-Four-Taktansage. Sie schaute bloß kurz die Background-Sängerinnen der Showband Grosch’s Eleven an, nickte und wünschte ihrem Publikum eisig: „Viel Spaß.“

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