ProSieben-Gameshow

„Schlag den Henssler“ – die Show, die kein Mensch braucht

Bei „Schlag den Henssler“ errang Steffen Henssler den vierten Sieg. War aber egal. Denn bis dahin waren eh schon alle eingenickt.

Vier Fakten über TV-Koch Steffen Henssler
Beschreibung anzeigen

Berlin.  „Schlag den Henssler“ ist bereits zweieinhalb Stunden alt, da spricht Kommentator Elmar Paulke aus, was alle längst denken: „Ich kann euch eins sagen: Das wird hier richtig zäh“.

Was man für einen seltenen Moment der Selbsterkenntnis halten könnte, war in Wahrheit aber als das genaue Gegenteil gemeint: „zäh“ im Sinne von „hart umkämpft“. Und damit: spannend. Doch die fünfte Ausgabe von „Schlag den Henssler“ war exakt so nervenaufreibend wie die Suche nach der richtigen Gewinnspiel-Antwort. Ging es um 250.000 Euro oder doch um eine Schüssel Fleischsalat? Hm, knifflig.

Steffen Henssler hatte etwas gut zu machen

Doch woran liegt’s, dass die Show mit dem Fernsehkoch nicht so recht Appetit auf mehr macht? Nicht allein am Raab-Nachfolger jedenfalls. Denn der wollte sich nach dem desolaten Auftritt vom letzten Mal nicht schon wieder so leichtfertig die Butter vom Brot nehmen lassen.

Wie um zu beweisen, dass er diesmal von Anfang an mit vollem Ehrgeiz dabei ist, schnaufte Henssler beim Holzhobeln in Spiel 1 in bester Raab-Manier. Und auch sonst erinnerte er mit seinen Ausreden („Das Flutlicht blendet!“) und Wutausbrüchen (Englisch-Golf) an den Meister der Verbissenheit.

Schon wieder nur männliche Kandidaten

Doch es braucht schon ein paar mehr Zutaten, um eine Samstagabend-Show gebacken zu bekommen. Nicht ganz unwichtig ist etwa die Auslese des potenziellen Henssler-Schlägers. Dass ProSieben auch im fünften Anlauf wieder nur männliche Kandidaten ins Rennen schickte? Das Ergebnis eines harten Auswahlprozesses, sagte der Sender dem Medienmagazin DWDL schon vor der Show – und bat via Twitter demonstrativ um weibliche Bewerbungen.

Vielleicht haben Frauen samstagabends aber auch einfach Besseres zu tun. Und so bekommt man eben Kandidaten wie Jost, 36, aus dem westfälischen Tecklenburg und nach eigenen Angaben Kinderarzt, wo er doch genauso gut hätte Anästhesist sein können, der die Patienten in die Narkose langweilt.

Immerhin: Auch Jost hängte sich rein – und das gleich zu Beginn. Denn erstmals wurde Hensslers Gegner nach dem Manipulationsverdacht beim Voting in der letzten Show per Qualifikationsspiel ermittelt. Aufgabe: länger als die zwei Kontrahenten am Trapez baumeln. Jost ließ sich am längsten hängen. Und war auch in den Spielen gegen Henssler ein ebenbürtiger Gegner. Erst in Spiel 14 von 16 und nach mehr als fünf Stunden besiegte ihn der TV-Koch beim Schätzen.

ProSieben will es einfach nicht lernen

Doch auch wenn einige Spiele zeitweise so etwas wie Unterhaltung boten (Blamieren oder Kassieren, Klackerball) – all das nützt nichts, solange ProSieben weiter an seiner Devise festhält, möglichst sinnfrei Werbung zu schalten. Warum Produkte platzieren, während die Kandidaten den langen Weg vom Fußballplatz zurück ins Studio wandern, wenn man es auch mitten in den Spielen machen kann? Jeden Hauch von Spannung verwandelte ProSieben wie immer zuverlässig in Geschnetzeltes.

Da lobt man sich doch fast schon die neue pfiffige Art des Senders, Werbung einzubauen. Nichts anderes nämlich war Spiel 8, in dem die Kandidaten anhand von Fotos Marke und Modell verschiedener Autos aufsagen sollten. Blöd nur, dass weder Henssler noch Jost ausgerechnet jenes Gefährt erkannten, das an diesem Abend drölfzigmal als Teil des Gewinnspiels angepriesen wurde. So richtig einzuschlagen scheint die ganze schöne Werbung offenbar gar nicht.

„Schlag den Henssler“ ist die beste Einschlafhilfe

Vorschlag daher: nächstes Mal im großen Stil reduzieren. Oder zumindest zu sinnvolleren Zeiten senden. Denn wenn die Spannung fehlt wie das Salz in der Suppe braucht „Schlag den Henssler“ kein Mensch. Außer Leute mit Einschlafproblemen natürlich.