Moderation

Warum sich Dunja Hayali auf das „Aktuelle Sportstudio“ freut

Dunja Hayali moderiert ab August das „Aktuelle Sportstudio“ im ZDF. Für die 43-jährige Journalistin geht damit ein Traum in Erfüllung.

Journalistin Dunja Hayali.

Journalistin Dunja Hayali.

Foto: Marcus Höhn / ZDF und Marcus Höhn

Berlin.  Dunja Hayali ist mit dem „Aktuellen Sportstudio“ aufgewachsen, so wie Millionen andere Deutsche auch. Aber anders als die anderen bekommt die Journalistin jetzt die Chance, die Institution gewordene Sendung mitzugestalten. Ab August, zu Beginn der 56. Bundesligasaison, gehört sie zum Team der „Sportstudio“-Moderatoren , neben Katrin Müller-Hohenstein, Jochen Breyer und Sven Voss. „Da wird ein Traum wahr“, sagt Hayali denn auch. Das „Aktuelle Sportstudio“ sei für sie seit Jahrzehnten „DIE Sportsendung im deutschen Fernsehen“.

Die erste Ausgabe lief am 24. August 1963 im ZDF, Anlass des Zeitpunkts war der Auftakt der neu eingeführten Fußball-Bundesliga. Die steht beim „Sportstudio“ bis heute im Mittelpunkt. Als Hayali Vorschulkind in ihrer Heimatstadt Datteln war, moderierte noch Harry Valérien die Sendung. Aber um die erste Frau im deutschen Sportfernsehen zu erleben, ist Hayali mit 43 Jahren zu jung: Carmen Thomas war von 1973 bis 1974 dabei.

ZDF-Sportchef lobt ihre Fähigkeiten als Interviewerin

„Wer will schon mit Messi, Ronaldo, Neymar oder Bale sprechen, wenn er mit Neuer, Kroos, Reus, Stindl, Werner, Hector, 2x Müller, Popp, Šašićdh oder Marozsán auf die Torwand pöhlen darf“, schrieb die frischgebackene „Sportstudio“-Moderatorin am Mittwoch fröhlich auf ihrer Facebook-Seite.

ZDF-Sportchef Thomas Fuhrrmann lobt: „Dunja Hayali ist eine herausragende Interviewerin und Gastgeberin. Sie verstärkt mit ihrer professionellen und charmanten Art das ‚Aktuelle Sportstudio‘ und hat einen neuen, frischen Blick auf das sportliche Geschehen in der Bundesliga.“

Für die Fernsehzuschauer ist Hayali bislang vor allem mit dem „ZDF-Morgenmagazin“ verbunden, das sie seit 2007 moderiert und auch weiter moderieren wird. Aber, so viel sollte jeder wissen: Sie ist vom Fach. Nach einer sportlich geprägten Kindheit, in der sie etwa Fußball und Tennis spielte, studierte sie an der Deutschen Sporthochschule in Köln, Schwerpunkt Medien- und Kommunikationswissenschaften. Und das Gelernte hat sie längst schon praktiziert: Bevor sie zum ZDF kam, war sie neun Jahre Sportmoderatorin bei Deutsche Welle Radio. Warum ist es so wichtig, ihre fachliche Kompetenz zu betonen?

Goldene Kamera für „Beste Information“

Zum einen, weil Hayali eine Frau ist und es Männer gibt, die Carmen Thomas’ folgenreichen „Schalke 05“-Aussetzer bis heute allen Frauen im Sportjournalismus als genetisch bedingtes Kollektivversagen anlasten. Weil Hayali zudem im Internet der Hass derjenigen entgegenschlägt, die finden, sie sei keine richtige Deutsche. Und zu links. Zu lesbisch. Oder sie folge zu sehr dem „Mainstream“ des „Staatsfernsehens“, womit der öffentlich-rechtliche Rundfunk diffamierend gemeint ist.

Die Tochter irakischer Christen aus Mossul, Ex-Messdienerin und bekennender Gladbach-Fan, kämpft gegen den Hass. 2016 bekam sie die Goldene Kamera („Beste Information“) und nutzte ihre Rede, um sich für Meinungsvielfalt, aber gegen Rassismus zu positionieren.

Nach Bekanntwerden ihres neuen Jobs tobten sich die Hassenden reflexartig im Netz aus. „Noch ein Grund, das ‚Sportstudio‘ nicht mehr zu sehen“, war da noch ein harmloser Kommentar. Aber für die neue „Sportstudio“-Moderatorin gab es bei Twitter und Facebook auch viele Glückwünsche – und den einen oder anderen Rat: „Nie ‚Schalke 05‘ sagen“ zum Beispiel. Der Fehler wurde vor 45 Jahren gemacht. Aber als Witz gegenüber Frauen in dem Job ist er nicht totzukriegen.

Update: Vorfall im „Morgenmagazin“: Zuschauerin bedrängt Hayali