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Wie US-Präsident Trump von eigenen Skandalen ablenkt

Zügellos oder eiskalt kalkulierend? „Hart aber fair“ arbeitet sich mal wieder an Donald Trump ab. Ein paar kluge Gedanken sind dabei.

Skandale und Gäste-Rankings: Diese fünf Dinge muss man über Polit-Talkshows wissen

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Do, 29.03.2018, 14.20 Uhr

Skandale und Gäste-Rankings: Diese fünf Dinge muss man über Polit-Talkshows wissen

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Berlin.  Thomas Roth weiß, wie Amerika tickt. Als Journalist hat er lange aus den USA berichtet. Und das, was er am Montagabend bei "hart aber fair" über den Zustand des Landes sagte, ist bedenklich. Die Gewaltenteilung sei bedroht, der Präsident verachte den Rechtsstaat , die konservative Partei habe sich Donald Trump widerstandslos hingegeben.

Es klingt wie eine Beschreibung über den Zustand der Türkei. Und doch sind die USA gemeint, eine der ältesten Demokratien weltweit. "Mit dem Finger am Abzug: Wie zügellos ist Trump?" lautete das Thema einer Sendung, die sich mal wieder am Phänomen Donald Trump abzuarbeiten versuchte. Der Republikaner ist eine schillernde Persönlichkeit: Aller Skandale zum Trotz sind 41 Prozent der Amerikaner mit seiner Präsidentschaft zufrieden.

Frank Plasberg stellte die falsche Frage

Ein Widerspruch? Ja – zumindest aus deutscher Sicht. Frank Plasbergs Redaktion stellte trotzdem die falsche Frage. Denn die Antwort ist bekannt: Trump ist so unberechenbar wie kaum je ein US-Präsident, mit dem westliche Länder in der Vergangenheit zusammenarbeiteten. Mit seinem Charakter und Weltbild haben sich schon unzählige Polit-Talkshows beschäftigt. Auch unter Frank Plasbergs Gästen herrschte darüber Einigkeit.

Doch es reicht eben nicht, sich gegenseitig zu bestätigen, wie schrecklich dieser Präsident doch ist. "Damit kommen wir nicht weiter", sagte der Historiker Michael Wolffsohn, als die Debatte bei "hart aber fair" am gleichen Punkt angelangt war. Auch er finde Trumps Verhalten "vulgär und widerlich".

Aber: "Er hat Erfolg". Trump sei ein knallharter Geschäftsmann und so betreibe er auch Politik. "Das ist Wilder Westen der schlimmsten Art", so Wolffsohn. Als Kandidat des Anti-Establishments sei es seine Methode, Konventionen zu brechen. Der Skandal als Mittel der Politik – auch kein ganz neues Phänomen.

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Warum Trump Russland attackiert

Dass er ausgerechnet jetzt gegenüber Russland in Syrien so breitbeinig auftrete, erklärte die US-Journalistin Melinda Crane mit innenpolitischem Kalkül. Trumps Anwalt sei selber im Visier der Justiz, die Ermittlungen über dubiose Kontakte nach Russland drängen den Präsidenten in die Ecke. "Es ist ein übliches Muster, dass er selber Attacken fährt, wenn er sich angegriffen fühlt", sagte sie. Je enger sich die Schlinge um ihn ziehe, desto heftiger teile er aus. Mit außenpolitischer Härte versuche er von den Problemen und Skandalen zu Hause abzulenken.

Für den ehemaligen Tagesthemen-Moderator Thomas Roth zeigt sich in Trumps Verhalten – etwa in seinen Tiraden gegen die Justiz – vor allem seine Verachtung für den Rechtsstaat. Anhaltenden Widerstand leiste nur die Presse. "Die Kollegen stehen sehr gut", sagte Roth. Doch was wäre, wenn Trump mit seiner Politik am Ende genau das bekommt, was er will? Der Historiker Wolffsohn analysierte die Erfolge, die dieser Präsident für Amerika erzielt habe. In den Atom-Konflikt mit Nordkorea sei wieder Bewegung gekommen und in der Handelspolitik zwinge Trump die Europäer zu Kompromissen. "Dieser Mann ist schrecklich, aber er weiß, was er will".

Skandale und Skandälchen des Donald Trump

Und um zu zeigen, wie unstetig, wie unberechenbar dieser Präsident ist, spulte Frank Plasberg zum Ende der Sendung noch all die Skandale und Skandälchen – etwa die Sex-Affäre mit einer Porno-Darstellerin – ab. Das sollte wohl unterstreichen, was für ein schlimmer Finger dieser Präsident ist. Mit den außenpolitischen Risiken jedenfalls, die er bewusst in Kauf nimmt, hatte der Schnelldurchlauf nichts mehr zu tun. Und so entfernte sich die Runde auch immer weiter von der Ausgangsfrage.

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Immerhin lieferte die Gäste bei "hart aber fair" in den 75 Minuten auch so einige kluge Gedanken über die Art und Weise, wie Donald Trump Politik versteht – auch wenn davon wenig neu war.

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