ARD-Krimireihe

Der neue Frankfurter „Tatort“ leidet an Vorhersehbarkeit

Die Frankfurter „Tatort“-Ermittler bekommen es mit einem tyrannischen Vater-Sohn-Gespann zu tun. Doch der Krimi ist zu vorhersehbar.

Essen.  In der Heizungsanlage des hessischen Sportleistungszen­trums wird die Leiche eines vermissten Elfjährigen entdeckt. Alles deutet auf Mord hin. Die Frankfurter Hauptkommissare Anne Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch) finden bald heraus, dass der Hausmeister engen Kontakt zu dem Jungen hatte.

Der verhaltensauffällige Mann war erst Kursteilnehmer, dann Gehilfe in einem neue Therapiewege gehenden „Verein für soziale Neuorientierung“. Der von Ehrgeiz zerfressene Vorsitzende des Sportleistungszentrums, Joachim Voss (Golo Euler), wiederum sieht durch die Mordermittlungen seine Berufung in den Deutschen Olympischen Sportbund gefährdet. Auch privat ist Voss ein ausgesprochenes Ekelpaket, das seine Frau Meike (Lina Beckmann) nach Strich und Faden erniedrigt und schikaniert – zusammen mit dem zwölfjährigen Stiefsohn Felix (Juri Winkler), einem wahrhaften Satansbraten.

Janneke und Brix ermitteln mit minimalistischen Mitteln

Wie Autor Volker Einrauch und Regisseurin Hermine Huntgeburth, die schon in dem hochgelobten Tatort „Die Geschichte des bösen Friedrich“ zusammengearbeitet haben, die scheinbar so losen Stränge zusammenführen, ohne zu einer klassischen Auflösung zu gelangen, das ist durchaus spannend.

Doch gleichzeitig geht dieser „Tatort“, in dem Janneke/Brix ihrer Arbeit mit gewohnt minimalistischen Mitteln nachgehen, zunehmend mehr auf als an die Nerven. „Unter Kriegern“ leidet an einem Zuviel an allem, insbesondere an Deutlichkeit, und der Preis ist ein Verlust an Glaubwürdigkeit.

Ein eiskalter Zwölfjähriger, der gleich zu Beginn erst seinen rhetorisch hoffnungslos unterlegenen Mathe-Lehrer zu einer besseren Note erpresst, danach auf dem Heimweg die verhasste Klassenbeste überfällt und im Anschluss eine gestürzte alte Frau hilflos zurücklässt – klarer kann eine Charakterisierung kaum sein.

Offensichtliches wird noch atmosphärisch betont

Auch bei Felix‘ Sadisten-Stiefvater gibt es keine Nuancen zwischen Schwarz und Weiß. Im Gegenteil. Offensichtliches wird noch atmosphärisch betont. Wenn Voss vor Ärger über die seine Karriere gefährdenden Ermittlungen die Schnappatmung befällt, dann läuft nicht er blau an, sondern das Filmbild.

Ist er wütend auf seine Frau, die Lina Beckmann über weite Strecken als Inbegriff des aschenputteligen Heimchens am Herd spielen muss, färbt sich die Mattscheibe gelb. Die Aufklärung der Morde (es bleibt nicht bei einem) wird immer vorhersehbarer; die letztlich fehlende Auflösung, das offene Ende ist kaum mehr als bedeutungsschwangere Behauptung.

Fazit: Ein Frankfurt-„Tatort“, der diesmal an einem Übermaß an Deutlichkeit und Vorhersehbarkeit leidet.

ARD, Sonntag, 8. April, um 20.15 Uhr