Krimi

Der neue ARD-„Alpenkrimi“ setzt auf plumpe Klischees

In „Steirerkind“ wird ein Skilehrer tot aufgefunden. Der zweite ARD-„Alpenkrimi“ lebt aber vor allem von seinem grummeligen Ermittler.

Lagebesprechung: Die Ermittler Sandra Mohr (Miriam Stein) und Sascha Bergmann (Hary Prinz, rechts) und Lokalpolizist Herbert Völk (Johannes Zeiler).

Lagebesprechung: Die Ermittler Sandra Mohr (Miriam Stein) und Sascha Bergmann (Hary Prinz, rechts) und Lokalpolizist Herbert Völk (Johannes Zeiler).

Foto: ARD Degeto/Allegro Film

Essen.  Spitzensportler sind korrupt, auf Skihütten trinkt man literweise Schnaps, und Großstädter stapfen gern mal wie Außerirdische durchs österreichische Bergland. Das ist der Dreisatz, mit dem sich der ARD-Krimi „Steirerkind“ inmitten blitzblanker Schneelandschaften und pittoresker Spitzdächer abmüht. Wolfgang Murnbergers Verfilmung des gleichnamigen Romans von Claudia Rossbacher kämpft sichtlich mit einer Handlung, in dem die Klischees schneller aufgewärmt werden als die Skirennfahrer bei ihrem Grog.

Ein Anruf von ganz oben verschlägt die junge Grazer Kommissarin Sandra Mohr (Miriam Stein) gemeinsam mit ihrem Kollegen Sascha Bergmann (Hary Prinz) dabei in die Steiermark, genauer gesagt in die Gemeinde Schladming, Austragungsort des jährlichen „Nightrace“, des internationalen Nacht-Skislaloms.

Ein Toter auf der Piste

Mitten in die Sphäre dieses Sportereignisses geraten dann auch die beiden Polizeibeamten. Denn ausgerechnet vor dem entscheidenden Abfahrtsrennen liegt plötzlich der Trainer der österreichischen Herren-Ski-Nationalmannschaft tot auf der Piste. Und die einzigen Tatverdächtigen scheinen auch noch seine beiden Söhne zu sein, dummerweise die Stars des Kaders – ein schlimmer Fall für die Sportlerriege.

Bei ihren Ermittlungen tauchen Mohr und Bergmann so zwangsläufig in den Kosmos „Spitzensport“ ein und decken dabei nicht nur Ränkeleien und Feindseligkeiten, sondern auch die korrupte Skrupellosigkeit all derjenigen auf, die an den entscheidenden Hebeln sitzen.

Spannung kann nur schwer gehalten werden

Doch trotz der Bemühungen, seinen Teil zur kritischen Auseinandersetzung mit dem System Leistungssport beizutragen, verhält „Steirerkind“, der zweite Film der „Alpenkrimi“-Reihe, sich alles andere als clever. Leider wartet der Krimi nur mit einer Reihe von Figuren auf, die so platt konzipiert sind, dass von Anfang an klar ist, wer zu den Guten gehört und wer zu den verkommenen Kapitalisten. So schafft man es nur schwer, die Spannung zu halten.

Und das trotz des Potenzials: Gedreht wurde ein Teil des Krimis nämlich live während des Slaloms im Januar 2017, und entsprechend beeindruckend sind die Bilder, mit denen Regisseur Murnberger seinen Showdown unterlegt: eine hell erleuchtete Piste vor pechschwarz aufragender Bergsilhouette, tobende Massen, Neonlichter zwischen den Zuschauerrängen – und mittendrin ein potenzieller Mörder. Doch angesichts der vorhersehbaren Story bleibt die Kulisse ungenutzt.

Zum Highlight dagegen werden einzig die Frotzeleien zwischen den beiden Hauptdarstellern: Der gebürtige Wiener Hary Prinz gibt als Ermittler einen herrlich unsympathischen Grummler ab und rettet „Steirerkind“ so vor der Langeweile.

Fazit: Plumpes Gut-Böse-Schema, aber köstliche Dialoge.

ARD, Samstag, 7. April, um 20.15 Uhr

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