ZDF-Talk

Antisemitismus an Schulen: „Illner“-Gäste suchen nach Lösung

Maybrit Illner diskutierte über Gewalt und Antisemitismus an Schulen. Ein Psychologe mit palästinensischen Wurzeln sprach Klartext.

Von Fabian Hartmann
Skandale und Gäste-Rankings: Diese fünf Dinge muss man über Polit-Talkshows wissen

Skandale und Gäste-Rankings: Diese fünf Dinge muss man über Polit-Talkshows wissen

Ob "Anne Will", "Hart aber Fair", “Maybrit Illner“ oder “Maischberger“: Polit-Talkshows prägen unsere politischen Debatten. Fünf Dinge, die man über dieseTalkshows wissen muss.

Beschreibung anzeigen

Berlin.  Wenn sie einen Juden sehen, werden sie ihn töten. Es sind Worte wie Faustschläge, die dem 15-jährigen Schüler in Berlin um die Ohren fliegen. Doch seine muslimischen Klassenkameraden meinen es scheinbar Ernst. Das Thema Nahost-Konflikt, der Streit um Land, ist für sie ein Ventil, um Hass abzulassen.

„Mein Sohn hat danach die Schule gemieden“, erzählte Billy Rückert, die Mutter des jüdischen Schülers, am Donnerstagabend bei Maybrit Illner. Die ZDF-Moderatorin diskutierte mit ihren Gästen über „Armut, Gewalt, Ausgrenzung – ist Schule längst machtlos dagegen?“.

Und die Runde war sich schnell einig: Das, was der Junge erlebte, ist kein Einzelfall. Es brodelt an Deutschlands Schulen. Besonders in den Vierteln, in denen Armut und Migration aufeinandertreffen.

Zwei Experten, die offen reden

Die Redaktion von Maybrit Illner hatte ein glückliches Händchen bei der Wahl der Gäste. Mit der pensionierten Haupt- und Realschullehrerin Ingrid Freimuth und dem Psychologen Ahmad Mansour hatte Illner zwei Experten eingeladen, die erfrischend offen ihre Sicht der Dinge darstellten.

Freimuth verglich Lehrer mit Schiedsrichtern, denen aber die Mittel zur Sanktionierung fehlen. „Bevor wir über Bildung reden, müssen wir über Zustände sprechen, in denen überhaupt gelernt werden kann“.

Und Mansour, der sich in Projekten gegen Radikalisierung und Antisemitismus in der islamischen Gemeinschaft engagiert, pochte auf klare Regeln. „Wir dürfen nicht akzeptieren, dass Schüler aus patriarchalischen Strukturen ihre Werte bei uns weiter leben“, sagte er.

Mansour hat palästinensische Wurzeln, auch in seiner Familie habe die Ablehnung von Juden und dem Staat Israel zum Selbstverständnis gehört. „Bis ich selber losgegangen bin, Kontakt mit den Menschen gesucht und die Vorurteile überprüft habe“, sagte er. „Ich habe mich von dem befreit, was meine Eltern und Großeltern mir vorgelebt haben“, so der Psychologe.

Ministerin will alle Kinder fördern

Auch Franziska Giffey, die ehemalige Bezirksbürgermeisterin von Berlin-Neukölln und heutige Bundesfamilienministerin, kennt die Probleme, mit denen Lehrer und Schulen tagtäglich zu kämpfen haben. Sie sagte: „Die Konflikte dieser Welt spielen sich auf deutschen Schulhöfen ab“.

Doch anders als der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) wollte sie die Debatte um Schule nicht in einen Zusammenhang mit Zuwanderung stellen. „Wir brauchen starke staatliche Institutionen, gute Betreuung und Ganztagsangebote – für alle Kinder“, sagte die SPD-Politikerin.

Trotz der Versuche der Bildungsministerin, das Thema weiter zu fassen, kreiste die Debatte schnell wieder um den muslimischen Antisemitismus. Dabei merkte auch Maybrit Illner an, dass ein Großteil der antisemitischen Straftaten – zumindest der offiziell gemeldeten – einen rechtsradikalen Hintergrund hat. Doch was ist die Antwort darauf? Zumindest für das Klassenzimmer hatten Illners Gäste Antworten parat.

Wie geht man gegen Antisemitismus vor?

Bayerns Innenminister Herrmann fabulierte davon, dass es keine falsch verstandene Toleranz geben dürfe. Wenn Schwimmunterricht anstünde, gelte das für alle Schüler, auch die muslimischen. Franziska Giffey wünschte sich einen Mix aus Prävention und konsequenter Reaktion.

Die ergiebigste Antwort gab Ahmad Mansour. Der Autor und Psychologe sprach sich dafür aus, Lehrer stärker zu befähigen, differenziert über den Nahostkonflikt zu sprechen, Verschwörungstheorien zu bekämpfen und den Moschee-Vereinen klar zu machen, dass das Existenzrecht Israels nicht verhandelbar ist. „Wer dann immer noch David-Sterne auf der Straße verbrennt, muss mit aller Härte rechnen – und das kann dann auch Abschiebung sein“, sagte er.

Eben jene Härte hätte sich auch Billy Rückert, die Mutter des 15-jährigen Schülers, gewünscht. Doch die Schule, so erzählte sie, habe sich vor den Problemen weggeduckt. Den Wunsch zum Klassenwechsel hätten die Lehrer abgelehnt. Man dürfe vor den Problemen nicht weglaufen, habe man ihr gesagt.

Ihr Sohn, und das ist Traurige, denkt nun selber über seinen Abgang nach – nach Israel.