RTL-Tanzshow

Zu lang, zu wenig los – „Let’s Dance“ wird zu „Let’s Gähn“

Spannung? Welche Spannung? Staffel 11 von „Let’s Dance“ startete mit einem Kennenlernen. Dumm nur: Sonst ging es um (fast) nichts.

Von Fabian Hartmann

Berlin/Köln.  Ein Jubiläum will gefeiert werden. Und 100 Sendungen sind eine Marke, die andere TV-Formate erstmal erreichen müssen. Bei „Let’s Dance“, der beliebten RTL-Tanzshow, war es am Freitagabend soweit – pünktlich zum Start von Staffel elf.

„Morgen wache ich auf und kneife mich“, sagte Kandidatin Judith Williams, die in der „Kennenlernenshow“ mit 21 Punkten die beste Bewertung der Jury erhielt. „Das bedeutet mir so viel – ausgerechnet in der 100. Sendung“, so die Jurorin der VOX-Sendung „Die Höhe der Löwen“.

Es zog sich wie Kaugummi

Das war doch etwas zu viel Pathos. Denn abseits der zugegebenermaßen netten Tanzeinlagen zog sich diese Auftaktsendung wie ein Kaugummi. Das ist schade – und unnötig. Denn RTL hat eigentlich vieles richtig gemacht.

Die 14 Kandidaten, die diesmal dabei sind, machen Lust auf mehr. Die Auswahl reicht vom ehemaligen „Wochenshow“-Moderator Ingolf Lück über Sido-Ehefrau Charlotte Würdig bis hin zu GNTM-Siegerin Barbara Meier.

Eine bunte Truppe, die das Potential hat, für gute Laune zu sorgen. Und der man gerne beim Tanzen zuguckt. Comedian Ingolf Lück etwa legte den Walzer zum Queen-Hit „We Are The Champions“ mit einer solchen Leidenschaft hin, dass selbst Juror Jorge Gonzalez ganz baff war: „Endlich habe ich jemanden gefunden, der mehr Mimik macht als ich“.

Kaum Dramaturgie für drei Stunden Sendezeit

All das sind keine schlechte Voraussetzungen für diese elfte Staffel von „Let’s Dance“. Umso ärgerlicher, dass RTL den Auftakt komplett versemmelte – mit drei Stunden Sendezeit, in denen es um (fast) nichts ging. Die Promis erhielten ihren Tanzlehrer und das Publikum durfte entscheiden, an wen das „Direkt-Ticket“ – also eine Garantie, in der nächsten Sendung nicht auszuscheiden – geht. Das war’s dann aber auch schon mit der Dramaturgie.

Und weil RTL wohl auch klar war, dass das nicht reicht, zog man eben alles in die Länge: Unnötig viele Sendeminuten wurden mit der Zuteilung der Tanzlehrer verplempert, zwischendurch durfte Vorjahressieger Gil Ofarim mit seiner Partnerin Ekaterina Leonova kurz auftreten und den Teilnehmern – Achtung, Spoiler – verraten, wie man „Let’s Dance“ gewinnt: „Hört gut zu, macht euch bereit, genießt die Zeit. Es ist Tanzen, nicht Kämpfen“.

Neue Moderatorin verpatzt Einstand

Einen unglücklichen Abend erlebte Victoria Swarovski, die nach dem Ausscheiden von Sylvie Meis neben Daniel Hartwich ins Moderatorenteam gerückt war. Die Österreicherin verhaspelte sich ständig, verschluckte Silben und vergaß einmal sogar, die entsprechenden Telefonnummern für die Kandidaten anzusagen – der Spott in sozialen Netzwerken wie Twitter war ihr sicher.

Schließlich trennte sich RTL nach sieben Jahren – angeblich wegen Sprachproblemen – von Vorgängerin Meis. Die meldete sich noch kurz vor Sendebeginn via Instagram zu Wort und wünschte ihrer Nachfolgerin viel Erfolg.

„Direkt-Ticket“ für Judith Williams geht unter

Bei so viel Nebengeräuschen ist das „Direkt-Ticket“, das sich Judith Williams sicherte, nicht mehr als eine Fußnote. Zumindest aber hat diese erste Show – bei aller Langatmigkeit – auch gezeigt, dass Potential in Staffel elf steckt. Oder, um es mit Juror Joachim Llambi zu sagen: „Wir haben ja noch ein paar Wochen Zeit“. Es kann also nur besser werden.