Ludwigshafen-Krimi

Mit „Waldlust“ geht das nächste „Tatort“-Experiment daneben

Der „Tatort“ sollte nicht mehr so viel Platz für Experimente liefern. Doch direkt zu Jahresbeginn bricht die ARD dieses Versprechen.

Von Aaron Clamann

Berlin.  Ziemlich genau ein Jahr nach dem höchst umstrittenen Mundart-„Tatort“ „Babbeldasch“ war am Sonntagabend Kommissarin Lena Odenthal aus Ludwigshafen wieder im Einsatz. Und Fans der Krimi-Reihe konnten auf ein Highlight hoffen, hatte die ARD nach „Babbeldasch“ doch angekündigt, nur noch zwei experimentelle „Tatorte“ zu liefern. Doch dann das: ein derart wirrer Krimi, dass selbst hartgesottene Kriminal-Fans vor mehreren Rätseln standen.

Dabei hatte der „Tatort: Waldlust“ gute Voraussetzungen für einen Erfolg: spektakuläre Landschaftsaufnahmen aus dem verschneiten Schwarzwald, einen Mordfall, der die Protagonisten 27 Jahre in die Vergangenheit führte und gute Schauspieler. Doch ausgerechnet die Hauptdarstellerin Ulrike Folkerts spricht es in der Rolle als Lena Odenthal aus: „So viel Blödsinn auf einmal habe ich in meinem Leben wirklich noch nicht erlebt.“ Ein Satz, der wohl vielen Zuschauern auch auf der Zunge lag.

Den „Blödsinn“ hat die ARD verzapft

Den „Blödsinn“ haben aber nicht so sehr der Regisseur oder die Schauspielern verzapft. Axel Ranisch hat mit seinen Regie-Arbeiten einige Überraschungsfolge geliefert, so zum Beispiel mit „Dicke Mädchen“. Ob allerdings seine Ideen zum klassischen „Tatort“-Image passen, darüber lässt sich streiten.

In seinen Filmen setzte er immer wieder auf das Schauspieler-Trio Heiko Pinkowski, Peter Trabner und Ruth Bickelhaupt, die alle auch in „Waldlust“ zu sehen sind. Pinkowski brilliert in der Rolle des gleichzeitig einfühlsamen wie auch aufbrausenden Gasthof-Betreibers. Ulrike Folkerts gibt den meist improvisierten Dialogen den nötigen Halt. Und so liegt die Schuld am „Blödsinn“ viel mehr bei der ARD.

Munition an Experimenten ist aufgebraucht

Die Rundfunkanstalt wusste, worauf sie sich einließ – vor allem beim Ansatz des Regisseurs, auf Improvisation zu setzen. Doch genau dieses Konzept war bei den „Tatort“-Zuschauern schon bei „Babbeldasch“ durchgefallen – auch ein Film von Axel Ranisch. Die ARD-Verantwortlichen müssen sich nun fragen, wie das restliche „Tatort“-Jahr aussehen soll. Denn Platz für Experimente hat der Sender nicht mehr übrig.

Der ARD-Koordinator Fernsehfilme, Jörg Schönenborn, teilte Ende Oktober 2017 der Deutschen Presse-Agentur mit, es solle künftig nur noch „zweimal im Jahr auch ,experimentelle’ Krimis“ geben. Mit dem Berliner „Tatort – Meta“ und „Waldlust“ sind schon zwei experimentelle Krimis gelaufen. Wenn es nach Regisseur Axel Ranisch geht, dürften diese beiden Krimis aber nicht die letzten Experimente gewesen sein. „Wenn wir nichts mehr wagen und uns in vorauseilendem Gehorsam selbst beschneiden, nur um nicht anzuecken, dann können wir das Filmemachen auch sein lassen“, sagte er der Nachrichtenagentur dpa.