ARD-Talk

„Hart aber fair“ feiert das große Comeback der Kanzlerin

Pseudo-Erneuerung oder echter Aufbruch: Bei „Hart aber fair“ wurden am Montag die neuen CDU-Minister von Angela Merkel diskutiert.

CDU-Parteitag: Reporterin Johanna Rüdiger war auf dem Parteitag unterwegs und hat mit der CDU-Basis den großen Minister-Check gemacht.

Beschreibung anzeigen

Berlin.  Angela Merkel hat es wieder einmal geschafft. Sah es nach dem Jamaika-Aus kurzzeitig noch schlecht für sie aus, ist sie spätestens seit dem CDU-Parteitag am Montag erstarkt. Die Kritiker besänftigt, die Zustimmung zur großen Koalition und zur neuen Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer war riesig : Der Kanzlerin ist eine fulminante Trendwende geglückt.

Bei „Hart aber fair“ ging es am Montagabend vor diesem Hintergrund etwas verspätet um Merkels Vorschläge für die CDU-Ministerposten . „Merkels neue Mannschaft – sieht so Erneuerung aus?“, fragte Frank Plasberg seine Gäste.

Kommt es auf das Alter an?

Die Erneuerung der Volksparteien ist in den vergangenen Wochen wenig unter inhaltlichen und dafür umso mehr unter personellen Gesichtspunkten diskutiert worden. In dieser Hinsicht hat Merkel geliefert: Ihre Minister sind im Durchschnitt 50, die Kanzlerin hat zudem viele Frauen und überraschende Kandidaten berufen. „Ich finde das richtig gut was da passiert ist“, zeigte sich dementsprechend der Chef der Jungen Union, Paul Ziemiak, zufrieden. „Wir brauchen eine gute Mischung, das war ein Zeichen heute.“

Annegret Kramp-Karrenbauer: Darum kann "AKK" auch Attacke

Doch könnte es sich nicht auch um eine Pseudo-Erneuerung handeln? So argumentierte Nicola Beer: „Das Geburtsdatum alleine steht nicht für neues Denken“, sagte die FDP-Generalsekretärin völlig zu Recht. Im Koalitionsvertrag stehe nämlich viel „Weiter so“. Statt Deutschland auf die Digitalisierung vorzubereiten, werde etwa ein Heimatministerium geschaffen.

Der Faktor Jens Spahn

Für große Genugtuung hat unter den konservativen Merkel-Kritikern in der CDU die Berufung von Jens Spahn zum Gesundheitsminister gesorgt. „Das war machttaktisch ein genialer Schachzug“, sagte der Spiegel-Journalist Markus Feldenkirchen. Schließlich habe Merkel zugleich dafür gesorgt, dass ihr Widersacher sich nun an harten Sachthemen und nicht mehr an ihr abarbeiten müsse. „Das Amt ist mit der Rolle des Merkel-Kritikers kaum vereinbar.“

Ziemiak, der sich über die Personalie Spahn besonders gefreut hatte, sah das natürlich anders. „Jetzt kommt es darauf an, dass Jens Spahn sich beweist.“ Auch werde Spahn sich weiter zur Bundespolitik äußern. Das Merkel ihren Widersacher ausgewählt hat, wollte der JU-Chef nicht als Machtkalkül verstanden wissen. „Der wahre Grund für seine Berufung ist, dass er sich in dem Bereich auskennt. Es war logisch.“

Und die SPD?

Mit ihren unkonventionellen Vorschlägen setzt Merkel indirekt die SPD unter Druck. Schließlich würde es nun umso seltsamer wirken, wenn die Sozialdemokraten im Falle einer Zustimmung ihrer Basis zur großen Koalition erneut die alte Garde, etwa Sigmar Gabriel oder Thomas Oppermann, als Minister benennen würden.

Nur zu verständlich, dass sich der so betroffene Oppermann lieber nicht an Spekulationen beteiligen wollte. „Es gibt noch keine Personalentscheidungen zu treffen, erstmal muss geklärt werden, ob es überhaupt eine Regierung gibt“, sagte der SPD-Politiker. Kritisiert wurde das vom Musikmanager Thomas Stein: „So kann man nicht mit den Wählern umgehen, die müssen doch wissen, was auf sie zukommt.“

Der Satz des Abends

Kam vom Gastgeber. Als sich die Runde wieder einmal mit der Schuldfrage beim Jamaika-Aus beschäftigen wollte, sagte Plasberg: „Ich hab jetzt Balkonbilder im Kopf, da wird mir immer schlecht.“

Das Fazit

Man könnte meinen, dass diese Ausgabe von „Hart aber fair“ zu spät kam. Immerhin hatte Merkel ihre Ministerkandidaten bereits am Sonntag benannt. In Kombination mit dem Parteitag und einer strukturierten Gesprächsführung wurde es dennoch ein guter Talk.

Eine Einschränkung hatte am Ende aber mit der Dauer der Sendung zu tun. Mit 90 Minuten gehört „Hart aber fair“ zu den langen Talkshowformaten im deutschen Fernsehen. Dieses Mal merkte man diese Länge besonders: Spätestens nach 60 Minuten war alles Wichtige gesagt.