Flüchtlingsdrama

ARD warnte Zuschauer vor Twitter-Attacken rechter Aktivisten

Die ARD zeigte einen brisanten Film zu Flüchtlingen. Der Sender warnte: Eine rechte „Trollfabrik“ plane eine Propaganda-Offensive.

Eine deutsche Familie, die vor einer Diktatur in der Heimat nach Afrika flieht. Der ARD-Film „Aufbruch ins Ungewisse“ sorgt für reichlich Konfliktstoff.

Eine deutsche Familie, die vor einer Diktatur in der Heimat nach Afrika flieht. Der ARD-Film „Aufbruch ins Ungewisse“ sorgt für reichlich Konfliktstoff.

Foto: Anika Molnár / dpa

Berlin.  Das hatte es so noch nicht gegeben: Die ARD warnte, rechtsextreme Aktivisten könnten einen Spielfilm im Ersten nutzen, um fremdenfeindliche Parolen unter die Leute zu bringen – in dem sie die Diskussion um den Film in den sozialen Netzwerken steuern. Dahinter stecke eine Gruppe mit dem Namen „Reconquista Germanica“.

Es geht um den Film „Aufbruch ins Ungewisse“, der am Mittwochabend um 20.15 Uhr, also zu bester Sendezeit, im Ersten ausgestrahlt wurde und bei dem laut ARD etwas mehr als drei Millionen Menschen einschalteten. Der Film entwirft das Szenario eines Europa, das von rechtsextremen Diktaturen beherrscht wird. Menschen flüchten mit Hilfe von Schleusern übers Mittelmeer nach Afrika – und sind dort nicht eben willkommen. Gewissermaßen eine Umkehr der aktuellen Flüchtlingssituation.

ARD warnt vor „Reconquista Germanica“

Die Ankündigung dieses Thema reichte den Rechten anscheinend, um Stimmung zu machen gegen „Aufbruch ins Ungewisse“ (hier in der ARD-Mediathek). Bei der ARD heißt es jedenfalls, „Reconquista Germanica“ habe dazu aufgerufen, „die Diskussion über den Film in den sozialen Netzwerken massenhaft und gezielt zu beeinflussen“.

Via Twitter wandte sich ARD deshalb schon am Mittwoch an die Zuschauer und wies auf die offenbar bevorstehende Meinungsmache der Rechten hin. Und: „Wir bitten um eine sachliche Diskussion.“

„Mit militärischer Sprache und Präzision“

Damit nicht genug. Auf ihrer Homepage veröffentlichte das Erste die Ergebnisse ihrer Recherchen rund um die rechten Trolle – denn es sei nicht das erste Mal gewesen, dass die Gruppierung einen „Infokrieg mit allen Mitteln“ anzetteln wolle.

„Reconquista Germanica“ sei eine virtuelle Trollfabrik, die bereits im Wahlkampf die AfD unterstützt habe. Die Gruppe selbst bezeichne sich selbst als satirisches Projekt von Gamern. Aber, so die ARD-Recherchen weiter: „Tatsächlich koordinieren Rechtsradikale hier gezielte Online-Attacken.“ Diese organisierten sie „mit militärischer Sprache und Präzision“.

Merkel, Medien und Flüchtlinge als Ziele

Zu dem Vorgehen der Rechten heißt es weiter: In einem „Nachrichtenzentrum“ sammelten sie Presseberichte. Zudem produzierten sie „täglich Dutzende von sogenannten Memes; manipulierte Fotos oder kurze Bildsequenzen, die über die sozialen Netzwerke ausgespielt werden, um Stimmung zu machen“. Zumeist, so der Sender, richten sich die Memes „gegen Angela Merkel, Flüchtlinge oder etablierte Medien“. Auch der Moderator Jan Böhmermann sei schon einmal Ziel der Trolle geworden.

Tatsächlich löste der „Aufbruch ins Ungewisse“, vor allem aber der Hinweis der ARD eine aufgeregte Debatte im Netz aus. Rechte und Populisten warfen der ARD ihrerseits vor, Propaganda in der Flüchtlingspolitik zu betreiben. Einer der noch gemäßigten Kommentare klang so:

Andere dagegen warnten vor wachsendem rechten Einfluss in der deutschen Politik:

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