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Wann kommt eigentlich der englischsprachige „Spiegel“?

„Spiegel“-Chefredakteur Brinkbäumer denkt über eine internationale Ausgabe nach. Und: Die aktuelle TV-Quotenpanne ist ein Image-GAU.

Schon dem ehemaligen Chefredakteur des „Spiegel“, Stefan Aust, lag das Projekt um eine englischsprachige Ausgabe sehr am Herzen.

Schon dem ehemaligen Chefredakteur des „Spiegel“, Stefan Aust, lag das Projekt um eine englischsprachige Ausgabe sehr am Herzen.

Foto: S. Steinach / imago/Steinach

Berlin.  Es war eines der Projekte, das Stefan Aust in seiner Zeit als „Spiegel“-Chefredakteur sehr am Herzen lag. Ein englischsprachiger „Spiegel“ könne „international sehr erfolgreich“ sein, fand der Journalist noch 2007. Allein die „Spiegel“-Gesellschafter sahen das anders. Doch auch Austs Nachfolger haben immer mal wieder über eine englischsprachige „Spiegel“-Ausgabe nachgedacht.

Derzeit macht sich „Spiegel“-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer Gedanken über ein solches Projekt. Die Gründe, die einst die Anteilseigner des Nachrichtenmagazins davor zurückschrecken ließen, eine internationale Ausgabe auf den Markt zu bringen, haben sich zum Teil inzwischen erledigt.

Kosten für Druck und Vertrieb fielen bei E-Paper weg

Käme das Blatt, wie von Brinkbäumer geplant, ausschließlich als digitales E-Paper heraus, fielen die bei einem solchen Projekt immens hohen Kosten für Druck und Vertrieb weg. Zudem will der „Spiegel“-Chef auch nicht die komplette Ausgabe des Nachrichtenmagazins übersetzen lassen, sondern nur solche Artikel, die international relevant sind.

Der bisher einzige deutsche Titel mit einer englischsprachigen Ausgabe ist das „Handelsblatt“ mit seiner seit Herbst 2014 erscheinenden „Global Edition“. Auch sie gibt es ausschließlich als E-Paper. Zielgruppe sind vor allem Mitarbeiter von Auslandstöchtern großer deutscher Konzerne, die wissen möchten, was sich im Heimatmarkt ihres Arbeitgebers so tut.

Brinkbäumer gilt als jemand, der auch mal etwas riskiert

Vergangenes Jahr wurden kurz hintereinander Chefredaktion und Geschäftsführung der internationalen „Handelsblatt“-Ausgabe ausgewechselt. Das Projekt laufe nicht so gut wie erhofft, heißt es hinter vorgehaltener Hand in Verlagskreisen.

Das dürfte Brinkbäumer aber nicht schrecken. Er gilt als Chefredakteur, der auch mal etwas riskiert. So testete er 2017 ein Blatt namens „Spiegel Classic“, das sich an Über-50-Jährige richtete, ebenso wie die Programmzeitschrift „Spiegel Fernsehen“. Beide Projekte floppten.

Test mit NRW-Regionalseiten gestoppt

Zuvor hatte Brinkbäumer bereits einen Test mit speziellen Regionalseiten des „Spiegels“ in Nordrhein-Westfalen gestoppt. Auch die Abonnements der digitalen Abendzeitung „Spiegel Daily“ liegen offenbar unter Plan. Offizielle Zahlen gibt es nicht. Dieses Projekt ist aber wohl nicht gefährdet, da es kaum Kosten verursacht und integraler Bestandteil der Bezahl-Offensive des digitalen „Spiegel“ ist.

Erst wenn diese Offensive abgeschlossen ist, wird es für die geplante englischsprachige Ausgabe des „Spiegels“ ernst. Einstweilen ist das Projekt noch nicht entscheidungsreif.

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Zeit für Quoten-Panne besonders schlecht

Diesen Freitag könnte die größte Panne der deutschen TV-Quotenmessung der vergangenen 20 Jahre endlich behoben sein. Ganz genau war das bei Redaktionsschluss allerdings noch nicht klar. So oder so: Mindestens eine Woche lang mussten Sender und Werbetreibende auf aktuelle Quoten verzichten. Gemessen werden sie von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK).

Da die dunklen und kalten Wochen zu Beginn des Jahres laut Klaus-Peter Schulz, Geschäftsführer der Organisation der Mediaagenturen (OMG), zur fernsehintensivsten Phase überhaupt zählen, ist die Panne besonders misslich. Werbetreibende mussten in dieser wichtigen Zeit darauf verzichten, die Platzierung ihrer TV-Werbung zu optimieren. Nicht eingetreten ist der absolute Quoten-GAU: Die Reichweiten der vergangenen Woche wurden am Donnerstagnachmittag wieder ausgespielt. Sie sind nicht verloren gegangen.

Imageverlust für GfK ist immens

Gravierend ist aber der Imageverlust der GfK. Schon bisher wurde kritisiert, ihre täglichen TV-Quoten berücksichtigten nicht die Nutzung von Online-Mediatheken oder Diensten wie Zattoo und Magine, die das TV-Programm streamen. Mobile Daten wurden bis vor Kurzem gar nicht erhoben – auch nicht in Sonderausweisungen. Generell stellt die Digitalität die Quotenmessung vor riesige Probleme. Bislang sprach für die GfK die Zuverlässigkeit ihrer Technik. Diesen Nimbus hat sie verloren.