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Wampe oder Waschbrett – „Hart aber fair“ mit Frustpotenzial

Schlank, sexy, gesund: Bei „Hart aber fair“ drehte sich alles um den Traumkörper. Besonders zum Jahresanfang eine frustrierende Sache.

„Wampe oder Waschbrettbauch – gibt es gutes Leben ohne schlechtes Gewissen?“, fragte Frank Plasberg zum Jahresbeginn bei „Hart aber fair“.

„Wampe oder Waschbrettbauch – gibt es gutes Leben ohne schlechtes Gewissen?“, fragte Frank Plasberg zum Jahresbeginn bei „Hart aber fair“.

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Na, haben Sie sich auch wieder tolle Sachen vorgenommen, um 2018 Ihren Traumkörper zu erreichen? Seien Sie nicht traurig, wenn es nicht klappt. Zwar geben die Deutschen in Umfragen regelmäßig an, im neuen Jahr mehr für den eigenen Körper tun zu wollen. Unrepräsentativen Erhebungen im Freundeskreis zufolge scheitert aber das Gros – immer und immer wieder.

Fitter, schlanker, gesünder: Das Thema beschäftigte am Montagabend auch „Hart aber fair“. „Wampe oder Waschbrettbauch – gibt es gutes Leben ohne schlechtes Gewissen?“, fragte Gastgeber Frank Plasberg in eine ungewöhnliche Runde.

• Das Curvy Model

„Ich habe noch nie eine Diät gemacht“, sagte dazu Angelina Kirsch, die als sogenanntes „Curvy Model“ erfolgreich ist. Zwar habe sie als Jugendliche durchaus Druck verspürt, doch habe sie ihre Mutter stets gestärkt. Das Ergebnis ist Selbstbewusstsein: „Ich liebe mich so, wie ich bin. Da gehört auch meine Cellulite dazu.“

Den Schlankheitswahn spürt allerdings auch Kirsch. „Ich werde vor allem von dünnen Frauen angefeindet“, berichtete das Model von ihren Facebook-Erfahrungen. „Warum geh‘ ich eigentlich ins Fitnessstudio, wenn du dicke Kuh es auch so schaffst?“, habe eine der fieseren Nachrichten gelautet.

• Die Ernährungsexpertin

Doch was kann man tun, wenn man sich in der eigenen Haut nicht wohlfühlt? „Man muss nicht unbedingt abnehmen, um gesünder zu werden“, sagte die Ernährungswissenschaftlerin Margareta Büning-Fesel. Diäten würden unglücklich und wegen des Jojo-Effekts letztlich oft auch dicker machen. Grund sei, dass sich der Körper auf den Mangel einstelle. Sobald wieder mehr Essen verfügbar sei, würde er dann erst recht ansetzen.

Statt hektischer Crash-Diäten und Modeerscheinungen wie der Paläo-Diät empfahl Büning-Fesel deshalb ein langsames Abnehmen. „Dann sollte das neue Gewicht erstmal längere Zeit gehalten werden.“

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• Der Fitness-Guru

Als problematisch wurde in der Runde empfunden, dass von der Gesellschaft und Werbung jung, schlank und sexy als erstrebenswertes Ideal stilisiert wird. Eigentlich eine Binsenweisheit, die aber Auswirkungen auf die Diskussion hatte. So musste sich der frühere Dance-Star Detlef Soost einige Kritik anhören – schließlich wirbt er mit dem Spruch „I Make You Sexy“ für sein Fitnessprogramm.

„Das regt zum Nachdenken an“, verteidigte Soost die Formulierung. Viele Menschen fühlten sich in ihrem Körper nicht wohl. Daher müsse es um eine grundsätzliche Lebensumstellung gehen. Diese hat Soost selbst durchlaufen, insgesamt nahm er 32 Kilo ab. „Ich finde mich schon sexy, klingt jetzt arrogant, ist aber so“, gab Soost zu Protokoll.

• Der Schauspieler

„Die Formulierung bringt mich und andere in Rage“, sagte der Schauspieler Moritz Sachs zu Soosts Werbespruch. Schließlich gehe es vielen Übergewichtigen gar nicht darum, sexy zu sein – sondern um die Gesundheit. „Es gibt Tage da, ramme ich mir die Türklinke in den Bauch und denke: Man, warum bin ich so dick geworden“, räumte Sachs ein. Entscheidend für seine Unzufriedenheit mit dem eigenen Gewicht seien aber die gesundheitlichen Folgen.

• Der Mann von der Krankenkasse

Vielleicht machte Sachs hier den wichtigsten Punkt der Sendung, der von Jens Baas noch präziser gefasst wurde. Mit Nachdruck warb der Chef der Techniker Krankenkasse darum, zwischen einem ästhetisch geprägten Schlankheitswahn und tatsächlich ungesundem Übergewicht zu unterscheiden. Das eine sei ein gesellschaftliches Problem, das andere ein medizinisches. „Man muss ein Selbstbewusstsein bei den jungen Menschen erzeugen, dass es normal ist, nicht superschlank zu sein“, fordert Baas.

• Das Fazit

Konkrete Tipps, unterschiedliche Ansätze und eine allgemeine Einordnung: Diese Ausgabe von „Hart aber fair“ bot viele Perspektiven zur plakativen Frage „Wampe oder Waschbrettbauch?“. Gut so, auch wenn ein solches Thema im Januar etwas frustrieren kann. Doch auch das ist eine Erkenntnis: Einfach mal locker bleiben. „Essen macht nicht sexy, aber glücklich“, befand dazu Moritz Sachs.

Sehen Sie die komplette Sendung hier in der ARD-Mediathek