ZDF-Krimi

Darum ist die Urlaubsfolge von „Wilsberg“ besonders gelungen

Der Privatdetektiv Wilsberg macht Urlaub. Doch auch auf Norderney schlägt im ZDF-Krimi zwischen Dünen und Sekt das Verbrechen zu.

Kommissar Jan Brockhorst (Felix Vörtler, l.) aus Ostfriesland macht seiner Münsteraner Kollegin Anna Springer (Rita Russek) Avancen. Wilsberg (Leonard Lansink, M.) ist nicht so begeistert.

Kommissar Jan Brockhorst (Felix Vörtler, l.) aus Ostfriesland macht seiner Münsteraner Kollegin Anna Springer (Rita Russek) Avancen. Wilsberg (Leonard Lansink, M.) ist nicht so begeistert.

Foto: Thomas Kost / ZDF und Thomas Kost

Und dann liegt er plötzlich dekorativ zwischen den schnieken Strandkörben auf Norderney, der erste Tote, mit dem Wilsberg (Leonard Lansink) und Anna (Rita Russek) sich während ihrer gemeinsamen Ferien rumschlagen müssen. Denn obwohl die beiden zwischen Dünen, Sekt und Nordseeklima eigentlich mal so richtig entspannen wollten, lässt das Verbrechen nicht lange auf sich warten.

„Morderney“ heißt die Urlaubsfolge der ZDF -Kultserie rund um Privatdetektiv Georg Wilsberg – ein etwas müdes Wortspiel, das mit seiner sperrigen Komik den Sound des Krimis aber gut zusammenfasst: Denn der funktioniert weniger über die kriminologische Raffinesse des zu lösenden Mordfalls als über seine komischen Zwischenmenschlichkeitsprobleme. So wird das dauerironische Gefrotzel zwischen Anna und Wilsberg, das die Hassliebe zwischen dem Vielleicht-irgendwann-mal-Paar schon in früheren Folgen so liebenswert machte, nun zum zentralen Stilmittel.

Geschlechterklischees und Herabwürdigungen

Vor der Kulisse der Norderneyer Sanddünen rückt die Dauerromanze plötzlich ins Zentrum des Geschehens – nicht zuletzt, da quasi aus dem Nichts der charmante Kommissar Jan Brockhorst (Felix Vörtler) auftaucht und sich mehr als ins Zeug legt, um an Anna heranzukommen. Mit Schreck stellt Wilsberg fest, dass er im Angesicht des Nebenbuhlers über seinen Schatten springen muss, um nicht zu verlieren.

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Überhaupt spielen Regisseur Dominic Müller und Autor Stefan Rogall das humoristische Wer-mit-Wem clever aus und diskutieren dabei hinter dem netten Augenzwinker-Gestus ernstere Themen.

Denn während an der Oberfläche fröhlich gebaggert und geflirtet wird, stellt „Mordeney“ darunter subtil verschiedene Frauenrollen in einer männerdominierten Gesellschaft vor. Zum einen versucht die robuste Inselpolizistin Grit (Nadine Wrietz) seit Jahren, sich gegen die korrupten Anzugmänner Norderneys durchzusetzen – und stößt dabei immer wieder auf Geschlechterklischees und Herabwürdigungen. Auch Saskia Tiedemann (Rike Schmid), Ehefrau des Inselbösewichts und ehemalige Miss, muss lange auf ihren Emanzipationsmoment warten.

Figuren kämpfen hartnäckig um gleichberechtigten Status

Erst lässt sie sich auf der Suche nach materieller Sicherheit von ihrem Gatten aushalten, doch dann gelingt ihr mithilfe ihrer Mitstreiterinnen der Absprung. Ein Umfeld wie geschaffen für Kommissar Overbeck (Roland Jankowsky), der sich hier wieder voll in die Nesseln setzt. Der hoffnungsvolle Grundton, mit den weiblichen Figuren dann letztlich Triumphe zugeschrieben werden, zieht sich durch: Auffällig auch Annas Nichte Merle (Janina Fautz).

Die mischt sich mit einer Selbstverständlichkeit in die Ermittlungen ein, dass sie das Selbstbild der emanzipierten Frau noch einen Schritt weiter treibt: Während die übrigen Figuren hartnäckig um ihren gleichberechtigten Status kämpfen müssen, ist er der nächsten Generation schon fast in Fleisch und Blut übergegangen.

Fazit: Wie gewohnt geht es weniger um Mord, sondern um Verwicklungen und Beziehungskisten – dieses Mal besonders gelungen.

ZDF, Samstag, 6. Januar, 20.15 Uhr

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