ARD-Krimi

„Tatort“ hatte 2017 schlechteste Quoten seit sechs Jahren

2017 wagte die ARD gleich mehrere „Tatort“-Experimente. Das wirkte sich dann auch auf die Quoten aus – aber nicht immer positiv.

Berlin.  Das Jahr 2017 war für die Krimi-Reihe „Tatort“ gleich in mehrfacher Hinsicht eine Enttäuschung. Die Qualität mehrerer Folgen der ARD-Serie ließ in den Augen der Kritiker zu wünschen übrig. Und auch bei den Zuschauern kamen die Krimis nur mittelmäßig an: Der Quotendurchschnitt 2017 war der schlechteste der vergangenen sechs Jahre.

Die durchschnittliche Zuschauerzahl bei den 35 Krimis 2017 lag bei 8,91 Millionen Zuschauern. Tiefpunkt war der Weimarer Weihnachts-„Tatort“ mit lediglich 5,92 Millionen gemessenen Zuschauern – der laut ARD-Medienforschung schlechtesten Quote seit siebeneinhalb Jahren.

ARD will nach 2017 nur noch wenige Experimente wagen

Auch der umstrittene Mundart-Krimi „Babbeldasch“ brachte eine eher enttäuschende Quote. Der Krimi aus Ludwigshafen von Ende Februar sahen 6,4 Millionen Zuschauer. Den Film drehte Regisseur Axel Ranisch mit Ulrike Folkerts und Laien. Das Experiment wurde unter Fans heiß diskutiert und nötigte die ARD dazu, für die Zukunft eine Quote für solche experimentelle Filme festzulegen.

Der ARD-Koordinator Fernsehfilme, Jörg Schönenborn, teilte Ende Oktober der Deutschen Presse-Agentur mit, es solle künftig nur noch „zweimal im Jahr auch ‘experimentelle’ Krimis “ geben.

Der „Tatort“ zwischen Porno und Horror

Dabei gab es nicht nur den Mundart-Krimi, sondern auch einen Porno-„Tatort“ aus München und einen Frankfurter Horror-Krimi , die für Diskussionen sorgten. Die bayerischen Ermittler führte ein Mord unfreiwillig in die Erotik-Branche und ein angeblich verfluchtes Haus machte den hessischen Ermittlern zu schaffen. Beides gefiel nicht allen Fans.

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So vielfältig die Themen auch waren. Eine Gemeinsamkeit hatten Kritiker ausgemacht: der „Tatort“ 2017 sei angeblich zu nackt gewesen. Festgemacht wurde dies am Porno-„Tatort“, einem Nacktauftritt des Bremer Ermittlers Stedefreund – also Oliver Mommsen – und gleich mehreren Nackten im Stuttgarter RAF-„Tatort“ . Doch ob im Jahr 2017 im „Tatort“ insgesamt mehr nackte Haut zu sehen war, bezweifelte François Werner, Betreiber des Portals Tatort-Fundus.de. Er glaube eher, dass die Aufmerksamkeit beim Publikum gestiegen sei.

Die erfolgreichsten Krimis kommen vom WDR

Trotz aller Kritik gab es 2017 aber auch wieder qualitativ wie quantitativ erfolgreiche Ausgaben der Reihe. Die mit Abstand beste Einschaltquote hatten wieder die WDR-Fälle aus Münster. Für den Film „Fangschuss“ mit Axel Prahl und Jan Josef Liefers wurden am 2. April etwa 14,6 Millionen Zuschauer gemessen. Das war die höchste Zuschauerzahl seit 25 Jahren für einen „Tatort“. Für den anderen Münster-Fall „Gott ist auch nur ein Mensch“ im Herbst wurden dann immerhin noch etwa 13 Millionen gemessen.

Mehr als zehn Millionen Zuschauer holten außerdem zwei Folgen des Klöner „Tatorts“ sowie Maria Furtwängler als Ermittlerin Charlotte Lindholm, deren Krimi „Der Fall Holdt“ rund um die Entführung der Frau eines Bankiers in einer Kleinstadt Anleihen beim echten, sieben Jahre alten Heidenheimer Fall Bögerl machte. Ansonsten war auffällig, dass die Quoten ziemlich schwankten. (dpa/ac)