Fernsehen

Andrea Sawatzki: „Viele Paare leiden unter Langeweile“

Andrea Sawatzki zeigt im ZDF-Film „Tief durchatmen, die Familie kommt“, wie das Weihnachtsfest eine Ehe auf die Probe stellen kann.

Von Cornelia Wystrichowski
Die Schauspielerin und Buchautorin Andrea Sawatzki.

Die Schauspielerin und Buchautorin Andrea Sawatzki.

Foto: dpa Picture-Alliance / Tobias Hase / picture alliance / dpa

Berlin.  Sie ist nicht nur als Schauspielerin, sondern auch als Schriftstellerin erfolgreich: Mit ihren Büchern hat Andrea Sawatzki mehrmals die Bestsellerlisten gestürmt. In der Verfilmung ihres Erfolgsromans „Tief durchatmen, die Familie kommt“ (ZDF, 20.15 Uhr) spielt Sawatzki eine gestresste Hausfrau, die ein Weihnachtsfest für die ganze Familie ausrichtet.

Doch dabei geht alles schief. Sawatzki (54), die als überspannte Kommissarin Charlotte Sänger im „Tatort“ neben Jörg Schüttauf bekannt wurde, ist mit dem Schauspieler Christian Berkel („Der Kriminalist“) verheiratet. Das Paar hat zwei Söhne, lebt in Berlin und hat im Gegensatz zu ihrer Filmfigur kein Problem mit Weihnachten.

Privat haben Sie also keine Weihnachtsphobie?

Andrea Sawatzki: Nein, im Gegenteil. Ich bin ein großer Fan von Weihnachten. Allerdings feiern wir immer in sehr kleinem Kreis, so ein großes Familienfest wie in diesem Film habe ich noch nie erlebt.

Ihr Film-Gatte ist Axel Milberg. Wieso nicht Ihr echter Ehemann Christian Berkel?

Sawatzki: Der Ehemann in dem Buch ist so ganz anders als Christian, er ist Schlagerfan und muss auch etwas Gemütliches haben, da passt Axel Milberg schon besser. Es wäre mir in dieser Konstellation auch zu nah an meinem Privatleben.

Der Roman sollte ja ursprünglich keine Weihnachtskomödie werden, sondern war in erster Linie als Ehegeschichte gedacht.

Sawatzki: Es ging mir darum, ein Ehepaar zu zeichnen, das schon viele Jahre zusammenlebt und nur noch aus Bequemlichkeit zusammenbleibt. Das sich nicht mehr viel zu sagen hat, das sich nicht mehr überrascht, sondern sich durch manche unliebsamen Hobbys auf die Nerven geht.

Was hatte Sie dazu angeregt?

Sawatzki: Das hatte mit Freunden zu tun, die sich gerade getrennt hatten. Da steht man daneben und denkt: „Wieso trennen die sich, die passen doch ganz gut zusammen?“ Ich erlebe das oft bei Leuten um die fünfzig, dass die sich aus heiterem Himmel trennen. Ich finde dieses Alter sehr gefährlich für langjährige Beziehungen, da schleicht sich bei vielen Langeweile ein, und es gibt auch so eine Art Torschlusspanik.

Was tun Sie und Ihr Mann Christian Berkel gegen diese Gefahr?

Sawatzki: Ich glaube, wir passen einfach ganz gut zusammen, da gibt es kein Geheimrezept.

Was ist in einer Beziehung wichtig?

Sawatzki: Nicht immer perfekt sein zu wollen. Sich auch mal eine Auszeit nehmen und sagen: Ihr könnt euch euer Mittagessen heute selber kochen, ich gehe ins Kino oder treffe mich mit Freundinnen. Ich denke, dass Frauen viel zu oft versuchen, es allen recht zu machen, das beschneidet sie natürlich.

Wie gehen Sie mit dem Älterwerden um?

Sawatzki: Ich liebe ältere Gesichter. Für mich ist jeder ältere Mensch schön, der ein lebendiges Gesicht hat, aus dem ein ganzes Leben zu mir spricht. Die Falten zeigen ja die Freuden, die Schmerzen eines Lebens. Als vergleichsweise jüngerer Mensch denke ich mir dann immer: Das Leben ist nicht zu Ende, weil ich ein paar Falten bekomme, im Gegenteil, da passiert noch viel Spannendes und Schönes. Und bei mir als Schauspielerin wäre es sowieso ein Fehler, die Falten wegzuspritzen, weil sie ja eine Art Handwerkszeug sind. Das Aussehen muss ein Spiegel der Seele sein.

Sie sind als Schauspielerin gut ausgelastet. Warum schreiben Sie nebenbei noch?

Sawatzki: Mir macht das Schreiben einfach total Spaß. Als Schauspielerin interessiere ich mich sehr für Menschen und ihre Geschichten.

Fehlt es vielleicht auch an reizvollen Rollenangeboten?

Sawatzki: Die Rollen, die mir angeboten werden, sind schön. Aber ich kann beim Spielen oft nicht so in die Tiefe gehen, wie ich das möchte, und das wird mir durch das Schreiben ermöglicht. Ich versuche außerdem, mich durchs Schreiben zu bereichern. Ich will in Bewegung bleiben, noch vieles ausprobieren. Ich will noch möglichst vieles testen, wo ich mich bis jetzt nie richtig rangetraut habe.

• ZDF, Montag, 18. Dezember, 20.15 Uhr, „Tief durchatmen, die Familie kommt“