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„The Voice“: Diese Coaches buzzerten für Weltstar Rita Ora

Bei „The Voice of Germany“ gibt Rita Ora den Überraschungsgast. Die Kandidaten sollen von ihr lernen. Dabei erscheint das nicht nötig.

Fakten zu "The Voice of Germany"

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Berlin.  Mit 26 Jahren alt auszusehen, ist gar nicht einfach. Rita Ora wäre es um ein Haar trotzdem geglückt. Am Donnerstagabend sollte der Weltstar nämlich für die große Überraschung des Abends sorgen, quasi als Krönung der letzten Blind Auditions dieser Staffel von „The Voice“ als vermeintliche Kandidatin vor der Jury auftreten.

Gesagt, getan, gesungen – ganz fein gemacht –, aber: Da hätte auch der eine oder andere Bewerber mit auf der Bühne stehen können, ohne sich hinter ihrem roten Fransen-Fummel zu verstecken. Denn, alle Achtung, bei diesem Mini-Finale präsentierten sich Talente, die es ohne Flachs bis auf die ganz großen Bühnen schaffen können. Miss Ora, Ohren angelegt, hier kommt Ihre künftige Konkurrenz!

Die Fantas sichern sich riesiges Talent

Gestatten, Benjamin Hartmann aus Singapur. Der 21-Jährige präsentiert mit seiner Darbietung von „You’ve Got A Friend in Me“ einen der außergewöhnlichsten Auftritte des Abends, vielleicht den besten. Mit einer leicht kratzigen Stimme, die bei Mitmenschen als beginnender Hustenreiz diagnostiziert werden würde, nimmt der Wahl-Berliner das Publikum für sich ein. Und das so schlagartig, wie er vier Jahre zuvor seine Heimat verlassen muss (Armeeverweigerung).

Höchst verzückt zeigt sich die Jury angesichts der Haltung des jungen Musikers. „Diese Lockerheit – kann man die irgendwo in Dosen zu sich nehmen?“, will Smudo wissen, nur um kurz darauf mit drei Hopsern der Heiterkeit auf Hartmann zuzustürmen. Der lässt nämlich nach einer von den Coaches eingeforderten Darbietung eines selbst komponierten Songs verlauten, dass „ich mich nach meinem Bauchgefühl eigentlich für die Fantas entscheide, aber…“ Und genau diese Einschränkung überhören Michi Beck und Kollege einfach mal. Ihre Entscheidung steht: Der Junge gehört zu ihnen!

Auf das fantastische Team-Konto geht ebenfalls Krankenschwester-in-spe Christine Holtz (20) aus Luxemburg, die mit ihrer launigen Version von „Don’t Kill My Vibe“ ihren „Seelenverwandten“ aka Freund zum Weinen bringt. Herrlich.

Neue Deutsch-Stars

Eine ganze Fangemeinde hatte Pishtar Dakaj, gelernter Kaufmann aus Bissigen bei Stuttgart, mitgebracht: seine Großfamilie. „Ich singe für sie“, lässt der 32-Jährige sogleich verlauten, wobei es sich als Glück für seine Stimmbänder herausstellt, dass er nicht für jedes einzelne Mitglied performt, sonst stünde er noch heute auf der Bühne. Die Frage des Songs, den er gewählt hat, nämlich „Ist Da Jemand“ von Adel Tawil, braucht er sich privat nicht zu stellen, was doch fantastisch ist in einem Land, in dem wir unser Erbe selbst verprassen müssen.

Wer drückt? Team Fanta (Smudo: „Du weißt ja, wie der Schwabe ist: Wenn ich nix sag, ist das Lob genug“) und Mark Forster, der Pishtars Vorhaben, auf Deutsch singen zu wollen, gerne unterstützt: „Männlich deutsche Singer-Songwriter – da gibt es ja gerade ein paar: Adel Tawil, Andreas Bourani, Mark Forster…“ Korrekt. Und vielleicht bald Pishtar Dakaj, der sich für Team Mark Forster entscheidet. Oder natürlich Miguel Fialho (16) aus Gemünden, der Ed Sheerans „Shape Of You“ in eine rockigere Version verpackt und ebenfalls den weiteren Weg mit Mark gehen will.

Mark Forster auf Talente-Fang

Die Rolle des frisch Verlobten Gerald im Format „Bauer sucht Frau“ könnte der Südtiroler Jonas Oberstaller (20) bei „The Voice“ übernehmen: gerade noch ein Unbekannter, schon der erklärte Frauenschwarm der Show. Mit Nasenpiercing und Lockenkopf geht der optisch entfernte Verwandte des Schauspielers Jonathan Rhys-Myers mit einer exzellenten Performance von „Ride“ ins Rennen, die ihn schnurstracks ins Team von Mark Forster manövriert.

Nachdem der Coach anfangs so seine Schwierigkeiten hatte, Kandidaten für sich zu gewinnen, läuft es nun einwandfrei: Auch Marie-Claude Rubin, halb Französin, halb Amerikanerin, Vollblut Kosmopolitin, entscheidet sich nach ihrem Auftritt zum Titel „Big Yellow Taxi“ von Joni Mitchell für Forster. Aber wundert uns das bei dem Kompliment, das Mark der 27-Jährigen förmlich entgegen haucht? „Du bist wie eine Sängerin, die ich nie mehr in meinem Leben vergesse.“ Von den Funken, die zwischen bei den beiden fliegen, könnte das Show-Studio die nächsten Wochen seinen Strom beziehen.

Mark Forster: So schlimm ist der Streit mit Yvonne Catterfeld wirklich

Yvonne Catterfeld gibt sich zögerlich

Während Forster zu raschen Entscheidungen neigt, hat sich Yvonne Catterfeld bei den letzten Blind Auditions der Zögerlichkeit verschrieben: Bei ihren neuen Team-Mitgliedern drückt sie auf die letzte geschmetterte Silbe. Sei’s drum: Kunstfreund Jimmy Reisch (19) aus Luxemburg, der ein Faible für surrealistische Traumbilder pflegt, aber seltsamerweise „Colorblind“ von Counting Crows singt (das aber sehr ergreifend), darf sich ebenso auf die Battles freuen wie Linda Helterhoff (25) aus Cottbus.

Die studierte Gesangspädagogin und angehende BFF von Frau Catterfeld gibt Joy Denalanes Titel „Alles Leuchtet“ mit einer solchen Stimmgewalt wider, das die Jury glaubt, die deutsche Soul-Sängerin stünde selbst auf der Bühne. „Einfach stark!“ Schade nur, dass die arme Linda am Schluss etwas deplatziert wirkt, als Samu Haber seine Liebe zu deutschen Liedern mit einer Darbietung eines bekannten Bratwurst-Songs zum Ausdruck bringen muss. Dabei hatte die Cottbusserin zu diesem Zeitpunkt noch nicht mal ihre Coach-Wahl treffen können.

Samu Haber räumt richtig ab

Fehlt Team Samu, der noch mal richtig abräumt. Mit seinem Damen-Trio steht dem Einzug ins „The Voice“-Finale theoretisch nichts im Weg. Faktisch jedenfalls beweist Nanette Foh (24) aus Dachau bei München nicht nur das beste Gespür fürs Outfit (Sie trägt – Danke! – ein Petticoat-Kleid statt der ewig zerfetzten Jeans), sondern auch für die Wahl ihres Songs. Mit ihrer rauchigen Stimme zu „Mr. Sandman“ schickt sie Jury und Publikum auf eine temporäre Traumreise, die sich als willkommene Abwechslung zum oft gleichen Pop-Singsang erweist.

„Nicht alle Stars zeigen diese Entertainment-Moment“, erklärte Samu seine Entscheidung, von der wenig später auch die Schweizer Rock-Röhre Petra Wydler (28) profitiert. Das Pendant zu Jonas Oberstaller dürfte Jungenschwarm Janina Beyerlein (16) sein, die nach ihrem Auftritt zu „Starving“ nicht nur Standing Ovation von den Fantas, Yvonne und Mark einheimst, sondern – siehe da – auch Kritik. Und zwar von niemand Geringerem als ihrem künftigen Coach. Samu: „Das ist nicht die beste Performance dieser Show, aber deine Aura ist wie die eines Superstars“. Yes, Yes, Yes.

Womit wir wieder bei Rita Ora wären. Für die Britin lief es – zum Glück! – bestens. Alle Coaches drückten für sie auf den Buzzer. Allerdings hält Yvonne Catterfeld die Musikerin nach dem ersten Schreck zunächst für ein Double. Papperlapp, grinst die Sängerin, „ich bin es wirklich!“ Als Gast-Coach berät die Britin fortan Mark Forster und sein Team. Hauptsache, Ora sieht neben den Kandidaten nicht alt aus. Möglich ist’s.