TV-Krimi

Auf "Wilsberg" wartet eine Hetzjagd in den sozialen Medien

In Münster verschwinden zwei Mädchen. „Wilsberg“ ermittelt in sozialen Medien. Doch die Spannung leidet unter konstruiertem Humor.

Wilsberg (Leonard Lansink) und seine Nichte Alex (Ina Paule Klink), die als Scheidungsanwältin bei den Eltern der Vermissten beschäftigt ist.

Wilsberg (Leonard Lansink) und seine Nichte Alex (Ina Paule Klink), die als Scheidungsanwältin bei den Eltern der Vermissten beschäftigt ist.

Foto: Bernd Spauke / ZDF und Bernd Spauke

Essen.  Zwei junge Frauen sind in den letzten zwei Jahren nach dem Besuch einer Disco entführt und ermordet worden. Jetzt wird die Abiturientin Emelie Boll (Annika Schrumpf) vermisst; auch sie war bis weit nach Mitternacht im Club.

Zuletzt gesehen wurde auch sie an der sogenannten Straße der Tränen, so auch der Titel der neuen Folge. Doch während die beiden alten Fälle nie aufgeklärt werden konnten, fällt nun der Verdacht auf Georg Wilsbergs besten Kumpel Ekki Talkötter (Oliver Korittke). Immerhin wurde beobachtet, wie Emelie vor dem Club in Ekkis Wagen einstieg.

Für Privatdetektiv Wilsberg (Leonard Lansink) ist klar: Talkötter hat nichts mit dem Verschwinden der Schülerin zu tun. Seine Nichte Alex Holtkamp (Ina Paule Klink), die als Rechtsanwältin ausgerechnet die Scheidung zwischen Emelies Eltern (Philipp Moog, Regula Grauwiller) abwickeln soll, hat ebenso wenig Zweifel an der Unschuld des Freundes wie Kommissarin Springer (Rita Russek).

Gleichzeitig läuft die verzweifelte Suche nach Emelie zunehmend unter Zeitdruck ab, denn die ersten beiden Mädchen wurden zwei Tage nach ihrer Entführung getötet. Die Psychologin Hiltrud Appeldorn (Nina Petri) soll helfen.

Wilsberg-Erfinder nimmt sich Smartphone-Video-Hype vor

Zu diesem Zeitpunkt ist der von Dominic Müller inszenierte Münster-Krimi schon mehrfach über die eigenen Ansprüche gestolpert. Wilsberg-Erfinder Jürgen Kehrer, der mit Sandra Lüpkes das Drehbuch geschrieben hat, nimmt sich den Smartphone-Video-Hype und die sogenannten sozialen Medien vor.

Denn die so gar nicht sozialen Spekulationen, Hasstiraden, Diffamierungen und Aufrufe zur Selbstjustiz werden von Beginn an unter dem Twitter-ähnlichen Hashtag "woistemelie" verbreitet.

Da bewegt sich die Story noch auf durchaus realistischem Boden. Doch allzu oft ist die "Straße der Tränen" von Ungereimtheiten und sachlichen Fehlern, von Klischees und Überzeichnung gesäumt. Dass etwa Emelie übers Handy nur anhand des Kfz-Kennzeichens im Nu sämtliche persönlichen Daten Talkötters abruft – geschenkt, wie auch die müden Wortgefechte zwischen "Nerds" und "Normalos".

Ermittler als nervende Karikatur

Am schlimmsten trifft es Ermittler Overbeck (Roland Jakowsky). Er verkommt zu einer wohl amüsant gemeinten, aber nur nervenden Karikatur. Ein Kriminalbeamter, der Tweets für bare Münze nimmt und deshalb eigene Ermittlungen einstellt? Dann verschafft er auch noch einem wildfremden Hacker Zugang zum Computernetzwerk der Polizei.

Und doch erntet er von seiner Chefin nur einen rüffelnden Blick statt einer Disziplinarmaßnahme. Ein Krimi muss nicht Realismus sein. Dieser hier jedoch ist lebensfremd.

Fazit: Das bewährte Ermittlerteam leidet unter konstruiertem Humor.

K ZDF, Samstag 11. November, 20.15 Uhr

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