Serie

„Babylon Berlin“-Produzenten planen schon weitere Staffeln

„Babylon Berlin“ ist eine der teuersten deutschen Produktionen. Die Chefin der ARD-Tochter Degeto über neue Finanzierungsmodelle.

ARD-Degeto-Geschäftsführerin Christine Strobl.

ARD-Degeto-Geschäftsführerin Christine Strobl.

Foto: ARD Degeto/Laurence Chaperon

Berlin.  Diesen Donnerstag feiert „Babylon Berlin“ Premiere. Die deftige Serie um einen Kommissar, der für das Sittenderzernat im Berlin der 20er-Jahre ermittelt, war nicht eben billig. Ab 13. Oktober läuft sie im Pay-TV-Sender Sky. An der Produktion war auch die ARD-Tochter Degeto beteiligt. Deren Chefin Christine Strobl erklärt, warum das richtig war, obwohl das Erste „Babylon Berlin“ erst in einem Jahr zeigt.

Frau Strobl, warum müssen die Gebührenzahler, mit deren Geld „Babylon Berlin“ auch gedreht wurde, sich noch ein Jahr gedulden, bis sie die Serie zu Gesicht bekommen?

Seit Jahren warten wir doch alle auf eine deutsche Serie, die internationales Niveau hat. Die Produktion einer solchen Serie ist aber nur möglich, wenn man bereit ist, neue Wege zu gehen. Das haben wir getan. Uns ist es gelungen, internationale Partner wie Sky und Beta Film zu finden, die bereit waren, über die Hälfte des Etats zu finanzieren. Für uns ist das ein großer Erfolg. Ich sehe darin ein Zukunftsmodell.

Warum?

Wir kaufen nicht mit dem Geld des Gebührenzahlers ausländische Serien ein, sondern holen Geld aus dem Ausland an den Produktionsstandort Deutschland, wo wir mit deutschen Schauspielern und deutschen Kreativen einen Mehrwert für den Gebührenzahler schaffen, den es bisher so nicht gegeben hat. Eine opulent inszenierte Krimiserie mit sehr gutem Drehbuch und kreativen Talenten – ein Serienevent, das eine schicksalhafte Epoche auferstehen lässt.

"Babylon Berlin" - Der Trailer zur neuen Tom-Tykwer-Serie

Und was hat die ARD-Tochter Degeto der Spaß gekostet?

Eine Sendeminute von „Babylon Berlin“ kostet uns ungefähr so viel wie die Sendeminute einer „Tatort“-Folge …

… die ausweislich der neuen Transparenzseite von ARD.de bei 15.500 Euro brutto liegt. In Branchenkreisen heißt es, dass durch den internationalen Lizenzverkauf etwa 48 Prozent der Kosten eingespielt werden. Auf Sky entfallen demnach 16 und auf die ARD 36 Prozent des Budgets.

Ich kann Ihnen nur sagen, dass der Löwenanteil der Kosten durch Verkäufe ins Ausland gedeckt wird und dass wir mehr als Sky bezahlt haben.

Warum eigentlich? Bei Sky ist die Serie doch viel früher als in der ARD zu sehen.

Zum Beispiel, weil wir deutlich mehr Zuschauer als Sky haben. In der aktuellen Marktbetrachtung ist das deutsche Free-TV-Recht mindestens fünfmal so viel wert wie das Pay-TV-Recht. Wenn wir auch künftig Produktionen auf internationalem Niveau haben wollen, wird es ohne Partner nicht gehen – heißen sie nun Amazon, Netflix oder Sky.

Wir müssen lernen, zu akzeptieren, dass wir dann nicht mehr alle Rechte an einer Serie halten können. Zur Finanzierung einer solchen Produktion brauchen wir das Pay-TV ebenso wie den internationalen Vertrieb. Nur so können wir uns eine international konkurrenzfähige Qualitätsserie mit einem solchen Riesenbudget und mit kreativen Talenten wie Tom Tykwer leisten.

Die beiden ersten Staffeln sollen zusammen 40 Millionen Euro gekostet haben.

Wir sind knapp unter 40 Millionen Euro geblieben. Und was uns besonders freut, ist, dass die Finanzierung für die dritte und vierte Staffel prinzipiell steht.

Das klingt ja fast so, als gebe es für die ersten beiden Staffeln kein Quotenziel, das erreicht werden muss, damit Sie Staffel drei und vier in Auftrag geben.

Natürlich haben wir eine bestimmte Erwartung an diese Serie und würden sie nicht fortsetzen, wenn sie dem Zuschauer partout nicht gefällt. Aber wir glauben an „Babylon Berlin“. Wir wollen der Serie Zeit geben, sich zu entwickeln. Deshalb starten wir mit zwei Staffeln.

Was macht Sie schon jetzt so sicher, dass „Babylon Berlin“ fortgesetzt wird?

Unsere internationalen Partner sind schon heute bereit, Geld in eine dritte und vierte Staffel zu stecken, weil sie sich refinanzieren konnten. Die Serie wurde in alle wichtigen TV-Märkte verkauft. „Babylon Berlin“ ist die heißeste Serie, die derzeit im Markt ist.

Rein finanziell gesehen, besteht also schon vor der Erstausstrahlung die Möglichkeit, sie fortzusetzen. Das ist ein Riesenerfolg, den ich mir nicht hätte träumen lassen. Übrigens haben wir bereits den ersten Preis gewonnen. „Babylon Berlin“ wurde in Cannes im Frühjahr bereits als beste Serie „in progress“ ausgezeichnet. Mehr als einen Trailer konnten wir damals noch nicht vorzeigen.

Haben Sie mit den Vorbereitungen für die dritte und vierte Staffel schon begonnen?

Ja, das haben wir. Wir steigen jetzt in die Drehbuchentwicklung ein und werden in den kommenden Tagen den Drehbuchentwicklungsvertrag unterschreiben. Auch das zeigt, wie sehr wir an diese Serie glauben.