Karriere

Comedian Michael Kessler: „Ich wurde in Schubladen gesteckt“

Michael Kessler ist einer der bekanntesten Comedians Deutschlands. Er wird immer noch auf die Rolle in „Manta, Manta“ angesprochen.

Von Cornelia Wystrichowski
Gefragter Comedian: Michael Kessler, der mehrfach den deutschen Comedypreis erhalten hat. Mittlerweile moderiert er mehrere TV-Formate.

Gefragter Comedian: Michael Kessler, der mehrfach den deutschen Comedypreis erhalten hat. Mittlerweile moderiert er mehrere TV-Formate.

Foto: imago stock / imago/APress

Köln.  Michael Kessler ist Deutschlands vielleicht wandlungsfähigster Komiker. In den neuen Folgen seiner Personality-Reihe „Kessler ist …“ (freitags ZDF, 23.15 Uhr), in der er auch dank aufwendiger Masken in die Rolle prominenter Schauspieler und Politiker schlüpft, ist er mal Dieter Hallervorden, mal Uwe Ochsenknecht, mal Conchita Wurst und mal Wolfgang Bosbach. Cornelia Wystrichowski sprach mit Michael Kessler (50) über Komik und Karriere.

Gehört Hallervorden für Sie als Comedian zu den Vorbildern?

Michael Kessler: Bei uns daheim lief zwar in den Siebzigern auch seine Sendung „Nonstop Nonsens“, aber ich habe mich damals mehr für Loriot und Gerhard Polt interessiert, das war eher mein Humor. Ich bin eigentlich mehr ein Fan des ernsthaften Hallervorden. Seine Rolle in „Honig im Kopf“ hat mich zutiefst beeindruckt.

Viele Komiker möchten lieber als ernsthafte Künstler wahrgenommen werden und hadern damit, dass sie in der Comedyschublade stecken.

Kessler: Das zieht sich bei vielen Komikern durch. Auch bei Hallervorden. Einer, der jahrelang Nonsens machte, aber der Welt unbedingt zeigen wollte: „Ich kann auch ernsthaft.“ Ich kann das verstehen. Ich habe dieses Problem zwar nicht, denn es ist ja kein Geheimnis, dass ich mehr kann als nur Quatsch machen. Aber ich wurde auch immer in Schubladen gesteckt und werde das noch heute.

In welche Schubladen?

Kessler: Manche Menschen verbinden mit mir immer noch den Blödkopf Klausi aus dem Film „Manta, Manta“ und denken, dass ich auch in Wirklichkeit so bin und nichts im Kopf habe.

Dann ist das mehr als nur ein Running Gag in der Sitcom „Pastewka“, in der Sie sich selber verkörpern? Da werden Sie dauernd auf die Szene angesprochen, in der Klausi in seine Stiefel uriniert.

Kessler: Es ist auch in der Realität so, dass mich Menschen bis heute auf diesen Film ansprechen. Ich finde das im Grunde fantastisch, denn es ist doch toll, wenn ein Film so nachhaltig wirkt. Und ich habe zum Glück großen Humor und nehme mich gern selber auf die Schippe. In „Pastewka“ nimmt Bastian mich ja ständig hoch, auch wegen meiner Nase. Ich lache sofort mit, da stehe ich weit drüber.

Werden Sie in den neuen „Pastewka“-Folgen, die für den Streamingdienst Amazon entstehen, zu sehen sein?

Kessler: Der Pastewka hat das neulich öffentlich ausgeschlossen. Ich glaube, der hat sie nicht mehr alle (lacht). Ohne mich wird das doch nix. Außerdem ist er bei mir zu Gast in „Sitzheizung gibt’s nicht!“.

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Um was geht es in dieser neuen Reihe?

Kessler: Ich verabrede mich mit Prominenten, hole sie mit dem Auto ab, und dann fahren wir durch die Gegend. Der Prominente weiß nicht, was ihn erwartet. Mit dem Steakesser Guido Cantz bin ich in ein veganes Restaurant gegangen, mit Jorge Gonzalez war ich Bowlen. Annette Frier hole ich mit einem silbernen VW Käfer ab, weil das ihr allererstes Auto war, und Cordula Stratmann hole ich mit einem riesigen, prolligen Luden-Jeep ab, da wollte sie erstmal gar nicht einsteigen. Es ist ein reines Unterhaltungsformat, während „Kessler ist …“ ein psychologisch tief reichendes Experiment ist – keine Comedy.

Sie sind ja nun selber prominent. Tut es Ihnen heute eigentlich leid, wie Sie Prominente früher in der Satireshow „Switch“ parodiert haben?

Kessler: Das tut mir nicht leid. Wir haben damals Fernsehen und Prominenz auf die Schippe genommen – solche Formate brauchen wir, da habe ich kein schlechtes Gewissen. Ich bin mir aber sicher, dass das nicht jeder Betroffene toll fand. Ob mir heute noch jemand böse ist, weiß ich nicht, sowas sagen einem die Prominenten ja nicht ins Gesicht.