Sommerzeit

Was ist eigentlich aus dem Ferienprogramm geworden?

Früher gab es für Kinder in den Sommerferien das ZDF-„Ferienprogramm“. Heute bleiben den jungen Zuschauern nur Wiederholungen.

Von Wolfgang Platzeck
Wen kümmerte da Regenwetter? Birgit Lechtermann, Moderator Benny Schnier, Anke Engelke (v.l.) 1986 im ZDF-„Ferienprogramm“.

Wen kümmerte da Regenwetter? Birgit Lechtermann, Moderator Benny Schnier, Anke Engelke (v.l.) 1986 im ZDF-„Ferienprogramm“.

Foto: Getty Images / PB Archive/Getty Images

Essen.  Die Generation 35 plus erinnert sich mit einem nostalgischen Seufzen. Mochte der beste Kumpel mit seiner Familie in Spanien urlauben und es draußen schütten – man hatte ja das „Ferienprogramm“. Von 1979 bis 1989 versüßte das ZDF einem damit die Sommerferien: „Alle machen blau, von Flensburg bis Oberammergau“, wie es im Titellied hieß.

Montags bis freitags von 15 bis 17 Uhr gab es mehr als Berieselung, nämlich echte Information. Eine kecke Moderatorin namens Anke Engelke, 1979 gerade 13 Jahre alt, präsentierte Kinder- und Jugendserien, spannende Reportagen aus dem Berufsleben, gab Tipps zur aktiven Freizeitgestaltung und interviewte den „Stargast der Woche“. Es ging um Verkehrserziehung und das Aufmotzen von Fahrrädern; die Bastelanleitungen von „Frau Scheele“ waren ein Renner.

Dann wurde das populäre Format als Lückenfüller vom ZDF nicht länger benötigt. Denn angesichts der privaten Konkurrenz starteten die Öffentlich-Rechtlichen ihr Programm nicht mehr erst am Nachmittag.

ARD und ZDF servieren Konserven

Und heute? Wer die Programmzeitschriften auf sinnvolle Kinder- und Jugendformate zur Ferienzeit absucht, kann verzweifeln. Gibt es wirklich nicht mehr als all die Cartoonserien, die in den Spartenkanälen das Jahr über flimmern? Bleiben für Heranwachsende nur Netflix-Serien für Erwachsene? Eine Zielgruppe sind Kinder bei ARD und ZDF in diesem Sommer nicht.

Vieles scheint wenig durchdacht. Immerhin kommen ARD und ZDF in der Sommerzeit am Samstag und Sonntag von 5.30 bis 10 Uhr Eltern entgegen, die ausschlafen wollen und ihren früh wirbelnden Nachwuchs ruhigstellen müssen. Dann zeigt die ARD sein lieblos zusammengeworfenes „Kinderprogramm“, das ZDF das ähnlich gestrickte „Tivi – Kinder-TV“. Beide servieren Konserven zum Frühstück, etwa von der Serie „Tiere bis unters Dach“ (ARD, Samstag, 8.25 Uhr). Neue Folgen laufen erst ab September.

Die Ferienzeit, die in den Bundesländern unterschiedlich beginnt, sei insgesamt zu lang und uneinheitlich, als dass sie in der Jahresprogrammplanung besonders berücksichtigt werden könne, erklärt der zuständige Redakteur der ARD, Bernhard Möllmann. Außerdem setze man mehr auf Familienformate als auf spezielle Kindersendungen.

Animierte Einhörner und Drachen bei KiKa

Ein ausgewiesenes Kinderferienprogramm verstecken ARD und ZDF in ihrem Spartenkanal KiKa. Dort spult der Sender bis 8. September täglich ab 9.50 Uhr Animationsserien ab und ruft „Abenteuerwochen“ (bis 28. Juli, etwa mit „Wicki und die starken Männer“) oder „Freundschaftswochen“ (28. August bis 8. September) aus.

Jeder Tag hat ein Motto; der Dienstag steht im Zeichen von „Einhörnern, Drachen und Rittern“, Mittwoch haben „Heldinnen“ das Sagen und Donnerstag „smarte Jungs“. Hochwertiges läuft allenfalls samstags ab 14 Uhr, wenn Kinderkinofilme gezeigt werden, diese Woche etwa „Die wilden Hühner und die Liebe“.

Wer auf der ARD-Homepage nach anderen Kinderprogrammen sucht, wird auf die Mediathek verwiesen, wo der MDR in dieser Woche tief in die Kiste der Märchenverfilmungen aus DDR-Zeiten greift. Oder eben auf das Wochenendprogramm ab 5.30 Uhr. Gute Nacht!