Cyber-Kriminalität

Kieler "Tatort"-Team erforscht die Abgründe des Internets

Der neue Kieler „Tatort“ spielt im Milieu der Cyber-Kriminalität. Die Kommissare Brandt und Borowski suchen den Mörder im Darknet.

Auftragsmord an einem LKA-Beamten: Klaus Borowski (Axel Milberg) und Sarah Brandt (Sibel Kekilli) erfahren, dass der Killer online angeheuert wurde.

Auftragsmord an einem LKA-Beamten: Klaus Borowski (Axel Milberg) und Sarah Brandt (Sibel Kekilli) erfahren, dass der Killer online angeheuert wurde.

Foto: NDR/Christine Schroeder

Ein Vermummter stürmt in ein Kieler Sportstudio, schießt um sich und tötet zwei Menschen. Einer von ihnen ist Jürgen Sternow, Leiter der Spezialabteilung Cyber-Crime des Landeskriminalamtes. Für die Kommissare Borowski (Axel Milberg) und Sarah Brandt (Sibel Kekilli) suchen also den Täter im Bereich der rasant wachsenden Internetkriminalität.

Bei den Ermittlungen tauchen die beiden in die Welt der Hacker und in die Tiefen des sogenannten Darknets ein, dem weitgehend unkontrollierten virtuellen Raum. Der Tatort "Borowski und das dunkle Netz" aus Kiel fordert das Kommissar-Duo an einer Front, die auch in der realen Polizeiarbeit immer größere Bedeutung gewinnt.

Gute Polizeiarbeit

Während Technik-Muffel Borowski schon mit seinem Navigationsgerät kämpft, ist Sarah Brandt als ehemalige Hackerin in ihrem Element. Bezeichnend die Szene, in der ein stolzer Kriminalrat den beiden Ermittlern ein Promo-Video über die brandneue Polizei-Software "Schakal" zeigt: Die soll Kinderpornografie oder Nazi-Netzwerken auf die Spur kommen.

Aber die neue Cybercrime-Spezialabteilung entpuppt sich als riesige Halle, in der nur zwei (!) junge Nerds Softwares identifizieren, zig Festplatten und Handydaten auswerten. Brandt gelingt es dennoch, die Spur des Mörders im Darknet zu finden – auf einer "Service"-Seite für Auftragskiller. Letztlich ist es aber nicht die Cybercrime-Brigade, sondern Borowskis gute alte Polizeiarbeit, die den Fall löst.

Düsteres Thema, leicht erzählt

Regisseur David Wnendt, mit dem Axel Milberg schon für die Charlotte-Roche-Verfilmung "Feuchtgebiete" zusammengearbeitet hat, gibt mit diesem "Tatort" sein TV-Debüt. Das Darknet habe ihn fasziniert, sagt Wnendt. Er habe sich zur Recherche auch selbst den Tor-Browser heruntergeladen, der den Zugang zum Dark-net eröffnet. Wnendt wollte aber "keinen bierernsten Sozialproblem-'Tatort'" machen, sondern den Fall "mit einer gewissen Leichtigkeit und mit Humor erzählen. Das Darknet soll nicht als magische Horror-Blackbox beschrieben werden", sagt er.

"Ebenso wichtig war mir, die veränderten Bedingungen für die Polizeiarbeit zu beleuchten." Da die meisten Zuschauer mit dem Darknet nicht vertraut sein dürften, muss der "Tatort" diesmal einige Aufklärungsarbeit leisten. Das geschieht zum Glück in unterhaltsamer Form. Mal sind Chats zu beobachten, mal taucht Borowski als Computerspielfigur in ein Browsernetzwerk.

Widersprüchliche Aura

Wnendt wollte sich dem Erklärungsbedarf "mit bunten erzählerischen Mitteln stellen" und nicht mit infolastigen Dialogen. Da darf Borowski auch mal genervt seine Navi-Assistentin entsorgen – von fern winkt der Computer "Hal" aus Kubricks "2001: Odyssee im Weltraum".

Eine Entdeckung ist Maximilian Brauer, der dem Attentäter eine widersprüchliche Aura verleiht. Im Film umgarnt ihn eine Hotelangestellte derart gekonnt, dass man für Minuten an ein süßes Happy End glauben könnte. Wird aber nichts draus. Die Fußangeln des Darknets sind mächtiger.

Fazit: Ungewöhnliches Terrain, fiebrige Spannung.

• Sonntag, 19. März, ARD, 20.15 Uhr

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