Todesfall

„Tatort“-Schauspieler Martin Lüttge mit 73 Jahren gestorben

Der frühere „Tatort“-Kommissar Martin Lüttge ist tot. Der Hamburger spielte in den 90er-Jahren 15 Mal den Ermittler Bernd Flemming.

Martin Lüttge als „Tatort“-Kommissar Bernd Flemming 1995 mit Roswitha Schreiner als seiner Assistentin Miriam Koch.

Martin Lüttge als „Tatort“-Kommissar Bernd Flemming 1995 mit Roswitha Schreiner als seiner Assistentin Miriam Koch.

Foto: Fabian Matzerath / dpa

München/Hamburg.  Der Schauspieler Martin Lüttge ist tot. Er sei am vergangenen Mittwoch im Alter von 73 Jahren in Schleswig-Holstein gestorben, bestätigte seine Hamburger Agentur Reuter am Montag entsprechende Medienberichte.

Bekannt wurde Lüttge im Fernsehen, doch sein Herz hing mehr am Theater. Der Schauspieler stand als TV-Partner von Hardy Krüger jr. in der ZDF-Serie „Forsthaus Falkenau“ vor der Kamera; bereits Anfang neunziger Jahre eroberte er als „Tatort“-Kommissar Bernd Flemming die Gunst der Fernsehzuschauer.

Martin Lüttge schätzte niveauvolles Theater

Der eher bodenständige, leicht verschrobene Kommissar wurde von Kritikern hochgelobt. Er ermittelte in Düsseldorf und folgte in Nordrhein-Westfalen auf den legendären Kommissar Horst Schimanski (Götz George), der im Duisburger „Tatort“ Fälle löste. Trotzdem verabschiedete sich Lüttge damals nach nur 15 Folgen, um sich wieder mehr dem Theater zu widmen.

„Ich mag die Abwechslung in unserem Beruf“, sagte er zu seinem 70. Geburtstag. Als Gegengewicht zur Fernsehunterhaltung schätze er die niveauvollen Theatersachen. Unter anderem lebte und wirkte er als Regisseur, Autor und Schauspieler viele Jahre auf dem Theaterhof Priessenthal in Mehring bei Burghausen, den er in den 70er-Jahren mitgegründet hatte und mit dem er durch die Republik tourte.

Karriere startete in der Landwirtschaft

Zuletzt lebte Lüttge mit seiner letzten Partnerin Marlen Breitinger in Seedorf im Kreis Segeberg, wo er am vergangenen Mittwoch im Alter von 73 Jahren starb. Seine beiden erwachsenen Töchter stammen aus der Ehe mit der Schauspielerin Gila von Weitershausen. Seine Hamburger Agentur Reuter teilte am Montag mit, sein Tod sei ein großer Verlust. „Martin Lüttge war einer der ganz großen Mimen.“ Der Bayerische Rundfunk hatte zuerst über den Tod Lüttges berichtet.

Lüttge wuchs in einem Dorf bei Bad Bramstedt in Holstein auf und ging in seiner Geburtsstadt Hamburg zur Schule. Als naturverbundener junger Mann absolvierte er eine Ausbildung in der Landwirtschaft. Dort profitierte zunächst ein tierisches Publikum von seinem Talent. „Ich habe den Kühen immer etwas vorgespielt“, sagte er vor einigen Jahren. „Irgendwann sagte man mir, ich sollte daraus doch was machen.“

Lüttge erhielt mehrere Auszeichnungen

Den Tipp setzte Lüttge in die Tat um und wechselte Anfang der 60er-Jahre auf die Schauspielschule nach München. Dort wurde der Regisseur Fritz Umgelter auf ihn aufmerksam, der ihm 1964 in „Bratkartoffel inbegriffen“ das Fernsehdebüt verschaffte.

In der Folge schlüpfte Lüttge als vielseitiger Charakterdarsteller in zahlreiche Theater-, Fernseh- und Filmrollen und bekam mehrere Auszeichnungen. 1966 fiel er an den Münchner Kammerspielen als Allroundtalent auf. Er blieb vier Jahre, wechselte dann ans Schauspielhaus Düsseldorf und von dort ans Württembergische Staatstheater. In Stuttgart feierte Lüttge als Faust in der Inszenierung von Claus Peymann große Erfolge.

Zuletzt mit Falkenau-Kollegin auf Tour

Mit dem Wunsch, sich als Schauspieler zu emanzipieren und künstlerisch unabhängig und politisch zu sein, gründete Lüttge 1978 mit anderen Künstlern eine Freie Theatergruppe. Das Leben im Mehringer Theaterhof Priessenthal war über viele Jahre wichtiger Bestandteil seiner Arbeit. Unter anderem mit der Theaterproduktion „Gebrüder Grimm“ trat er in der Rolle des Jacob Grimm in Gastspielen in Finnland, Bulgarien, Polen und Estland auf.

Zuletzt stand er nach Angaben seiner Hamburger Agentur unter anderem für das „Forsthaus Falkenau“ vor der Kamera und tourte mit seiner Falkenau-Kollegin Julia Grimpe mit dem Stück „Das Interview“ durch die Lande. In den vergangenen Jahren war es ruhig geworden um Lüttge. (dpa)

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