ARD-Krimi

Saarbrücker „Tatort“ – Wer wird mit Devid Striesow warm?

Zwei Tote und eine klassische Mördersuche: Der Saar-„Tatort“ war ein solider Krimi. Doch überzeugen konnte der Fall trotzdem nicht.

Devid Striesow ermittelt in „Tatort: Söhne und Väter“ wieder als Kriminalhauptkommissar Jens Stellbrink.

Devid Striesow ermittelt in „Tatort: Söhne und Väter“ wieder als Kriminalhauptkommissar Jens Stellbrink.

Foto: Manuela Meyer / dpa

Berlin.  Der eine wird vom Vater regelmäßig verprügelt, der andere wechselt kein Wort mit seinem Stiefvater. Im sechsten Saar-„Tatort“ ging es um mehr als um die Mördersuche. Im Mittelpunkt standen verkorkste Vater-Sohn-Beziehungen. Oft wirkten die dann doch reichlich klischeehaft.

Das ist passiert:

Ein toter Schüler, ein toter Lehrer: zwei Morde, die aus Rache begangen werden. Ein 17-Jähriger wird von der eifersüchtigen Schulleiterin in die Kühlkammer des Beerdigungsinstituts geschoben, die sich so für die Schändung der Leiche ihres ehemaligen Geliebten rächt.

Der starb aber keines natürlichen Todes, sondern wurde von seiner Ehefrau vergiftet – auch aus Rache. Denn ihr Sohn Karim musste lange unter dem Stiefvater leiden.

Das war gut:

Es gab keine unrealistischen Action-Ballereien wie bei Til Schweiger (mit Ausnahme von Renate Weller, gespielt von Christine Zart, die das Motorrad ihres Sohnes in die Luft jagte). Keine Science-Fiction, in der eine künstliche Intelligenz den Mord begeht (das hatte man ja zuletzt in Bremen und Stuttgart). „Söhne und Väter“ war endlich mal wieder ein klassischer „Tatort“.

Und wie es sich für einen ordentlichen Krimi gehört, wurden die Mörder erst am Ende präsentiert. Das gab dem treuen „Tatort“-Zuschauer knapp 90 Minuten lang Zeit, um Kommissar Stellbrink bei den Ermittlungen zu begleiten, und natürlich – das Beste am Krimi – um die Mörder zu erraten. Allerdings wurde das Wer-ist-der-Mörder-Hin-und-Her übertrieben. Zwischendurch verlor der Zuschauer den Überblick bei all den Verdächtigen.

Das war schlecht:

Mit Devid Striesow als Kommissar Stellbrink wird der Zuschauer einfach nicht warm. Vor vier Jahren startete er mit Motorroller und gelben Gummistiefeln ausgestattet im Saarland. Das wirkte schon damals aufgesetzt und klamaukig. Die Ermittler-Kollegen dagegen waren schon damals langweilig.

Und dieses Image haftet dem Saarland-„Tatort“ weiter an. Die Klamaukigkeit wurde zwar gedimmt, doch vieles wirkt weiterhin albern – wie die Verfolgungsjagd. Ganz unbeholfen ist Stellbrink auf der Jagd nach dem Dieb, der das Rad des toten Lehrers gestohlen hat. Passend dazu läuft im Hintergrund ulkige Telefonwarteschleifenmusik.

Peinlichste Szene:

Kommissar Stellbrink will sich mit seinem Online-Flirt „Meerkatze“ treffen. Er sei ein „Sexgott mit Custom-Bike“ und trage einen „Esst mehr Obst“-Sticker auf dem Helm. Ihr Erkennungszeichen: Ein „Beer makes me horny“-Shirt (wer trägt so etwas außerhalb des Ballermanns?).

Natürlich handelt es sich bei „Meerkatze“ um Kollegin Lisa Marx (Elisabeth Brück), wie Stellbrink am vereinbarten Treffpunkt feststellt. Schnell entfernt er den Sticker vom Helm, klebt ihn bei einem Fremden aufs Visier, und schon ist die Dame verkuppelt.

Hach, wie komisch, mögen sich die Macher da gedacht haben. Doch diese Szene hätte auch aus einem schlechten Sat.1-FilmFilm mit Tom Beck oder Sophie Schütt stammen können.

Knalligste Szene:

„Wurstkönigin“ Renate ballert mit dem Gewehr auf das Motorrad ihres Sohnes. Eine erzieherische Maßnahme. Zwei Schüsse in den Tank reichen, und das Teil steht in Flammen.

Bester Spruch:

Der Vater (Thomas Schweiberer) reagiert auf das rigorose Vorgehen der Frau ganz entspannt und sagt im saarländischen Dialekt: „Renade, das isch unverhäldnismäschig.“

Bestes Gespräch:

Pascal Weller (Emil Reinke) bekommt Besuch von Kommissar Stellbrink: „Nee Mann, hier ist keine Polizei. Nur so’n Opa aufm Roller“, sagt er am Telefon seinem Kumpel Karim. Der klärt ihn auf: „Das ist der Kommissar, du Spast.“ Pascal: „Haben die kein Geld für Autos, oder was?“

Wer ist denn das?

Es ist der erste „Tatort“-Auftritt von Moritz (Ludwig Simon), der im TV-Krimi den Sohn von Kommissar Stellbrink spielt. Zwei Jahre haben sich die beiden nicht gesehen. Trotzdem – oder gerade deswegen? – scheint Vater Stellbrink ein normales Verhältnis zu seinem Kind zu haben. Und das ausgerechnet beim Thema Frauen.

Im Vergleich zu all den anderen kaputten Vater-Sohn-Beziehungen eine Wohltat. Doch ganz nimmt man den beiden die Harmonie nicht ab – zwei Jahre ohne Kontakt sind eine lange Zeit, in der sich Menschen auch entzweien können.

Zum Angeben am Montagmorgen im Büro:

Moritz Stellbrink, gespielt von Ludwig Simon, ist auch im wahren Leben der Sohn von Devid Striesow. Seine Mutter ist übrigens Maria Simon, die im Brandenburger „Polizeiruf 110“ Kommissarin Olga Lenski spielt. Krimi liegt dem Sohn also im Blut – vielleicht mehr als dem Vater.

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