Schauspieler

Ralph Kretschmar checkt an Neujahr auf dem „Traumschiff“ ein

Für den gebürtigen Ost-Berliner Ralph Kretschmar war das „Traumschiff“ ein Sehnsuchtsort. Für die Neujahrs-Folge durfte er an Bord.

Foto: Joerg Krauthoefer

Berlin.  Ralph Kretschmar nippt an seiner heißen Schokolade und blickt in der Cafébar „Quchnia“ über den Berliner Gendarmenmarkt. „Fast wie in Paris“, sagt der Schauspieler. Etwas in seiner Stimme lässt aufhorchen. Der 36-Jährige, vielen bekannt aus der ZDF-Serie „Küstenwache“, klingt wie ein alter Mann, der in Erinnerungen schwelgt. Doch bei dem gebürtigen Ost-Berliner rührt die Wehmut woandersher. Er war neun Jahre alt, als die Mauer fiel. „Ich habe alles bewusst mitbekommen“, sagt er. Aber auch die Zeit davor. Oft habe er versucht, einen Blick vom Westen zu erhaschen. „Man hat die Neonlichter gesehen und von dieser anderen Welt geträumt.“

Der Westen und die Welt dahinter waren ein Sehnsuchtsort für den Jungen. Mit seiner Familie und vor allem seiner Oma schaute er West-Fernsehen, am liebsten „Das Traumschiff“. „Ich habe immer noch die Musik in den Ohren“, sagt er lachend. Und allen sei klar gewesen: „An diese Orte werden wir nie kommen, weil sie hinter der Mauer liegen“, erinnert er sich. Kuba war für ihn das exotischste Ziel der Welt.

Letztes „Traumschiff“ aus Rademanns Feder

Man kann sich vorstellen, wie es für ihn war, als er im Januar 2016 einen Anruf bekam, ob er im „Traumschiff“ mitspielen wolle – auf Kuba. „Das war ein Geschenk“, erklärt er. Die Folge wird am 1. Januar 2017 um 20.15 Uhr im ZDF ausgestrahlt. „Kuba war für mich wie ein gelebter Kindheitstraum“, sagt Kretschmar, der auch noch neben Ulrich Tukur im Taunus-Krimi „Die Lebenden und die Toten“ (2. und 4. Januar, 20.15 Uhr, ZDF) zu sehen ist. Dort sei die Energie genauso gewesen wie damals in der DDR vor dem Fall der Mauer: „Nur dass ich nun der ‚Westler‘ war, der womöglich die Sehnsucht nach der Freiheit auslöste“, erklärte er.

Noch aus einem anderen Grund waren die Dreharbeiten besonders: Es war das letzte „Traumschiff“ unter der Flagge von Fernsehproduzent Wolfgang Rademann, der Ende Januar 2016 verstorben ist und den Dreh nicht mehr erlebte. „Das war ein sehr andächtiges Gefühl während der Dreharbeiten“, erklärte Kretschmar. Erfinder Rademann wollte bei seiner letzten Folge etwas wagen. Sie handelt von einem Junggesellenabschied im Stil der US-Klamotte „Hangover“. Einen Charakter wie seinen habe es auf dem „Traumschiff“ bisher noch nicht gegeben, sagt Kretschmar.

Das Modeln veränderte seinen Charakter

Einst war der 1,90 Meter große Mann Leistungsschwimmer. Als ihm die Lust am Schwimmen wurde durch „den Drill und die Strenge“ genommen wurde, wechselt er zum Basketball. Sein Leitmotiv: „Ich mache nur das, was mir Spaß macht.“ Aber darin sei er sehr diszipliniert, ergänzt er grinsend. Als junger Mann wurde er als Model entdeckt. „Die kamen auf die Sportschulen und haben sich die durchtrainierten Typen rausgesucht“, sagt er und lacht. Er modelte für Sony und L’Oréal. Glücklich war er dabei nicht. „Ich hatte nie viel Geld, aber auf einmal habe ich als Model schnell und gut verdient“, sagt er. Er kaufte sich teure Kleidung, doch als sein bester Freund sagte: „Du bist voll der Honk geworden“, warf er das Modeln hin. Sein letzter Job war ein Werbefilm. Der Regisseur empfahl ihn als Schauspieler.

Auf eine staatliche Schauspielschule wollte Kretschmar nicht: „Ich hatte die Befürchtung, dass mir die Insti­tution den Spaß am Schauspiel wieder kaputtmacht – wie auch damals beim Schwimmen. Diese Bedenken steckten zu tief in mir drin.“ Kretschmar ist ein sensibler Künstler. Er schreibt Bücher, macht Musik, malt, fotografiert. „Ich brauche viele Möglichkeiten, das Innere nach außen zu kehren, eine Balance zu finden“, sagt er. Und er verspürt eine große Lust, „dies ohne wirtschaftlichen Druck zu tun – etwas loszuwerden und zu hinterlassen“.

Das „Traumschiff“ wird er mit Familie und Freunden anschauen. „Und dabei auch an meine Oma denken, Gott hab sie selig.“

ZDF, Sonntag, 1. Januar, um 20.15 Uhr

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