Jahresrückblick

3Sat verabschiedet sich mit Satire und Kabarett von 2016

Beim 3Sat-Kabarett-Marathon rechnen Dieter Nuhr und Urban Priol mit 2016 ab. Aber auch mit Hape Kerkeling gibt es ein Wiedersehen.

Urban Priol gilt als Meister der satirischen Frustbewältigung. Er knöpft sich ab 20.15 Uhr die Tiefpunkte des Jahres vor. Und auch ein paar wenige Höhepunkte.

Urban Priol gilt als Meister der satirischen Frustbewältigung. Er knöpft sich ab 20.15 Uhr die Tiefpunkte des Jahres vor. Und auch ein paar wenige Höhepunkte.

Foto: Ralph Orlowski / ZDF und Ralph Orlowski

Essen.  Seinen Rückblick auf 2015 schloss Urban Priol mit den Worten: „2016 wird bestimmt wieder genauso bescheuert wie 2015.“ Es kam noch viel schlimmer. Denn das zurückliegende Jahr erwies sich als richtiges Miststück. Will man so eine Zeit nochmal durchkauen? Unbedingt, denn was der unterfränkische Kabarettist Urban Priol in seiner 90-minütigen Show anbietet, ist satirische Frustbewältigung. Und wer lacht, der lebt.

Mit „Tilt! – Tschüssikowski 2016“ zeigt 3Sat die ungekürzte Aufzeichnung einer Show aus dem Kölner Capitol, ein Zusammenschnitt lief bereits am 21. Dezember im ZDF. Die Sendung ist das Filetstück des Kabarett- und Comedy-Marathons am heutigen Freitag. Von 6.20 Uhr bis in die frühen Morgenstunden gibt es Satire nonstop, etwa aus den aktuellen Shows von Bruno Jonas (10.50 Uhr), der „Lach- und Schießgesellschaft“ (17.30 Uhr) oder Sebastian Pufpaff (19.30 Uhr).

Urban Priol hat große Lust am Lästern

Priol mit seinem kreischbunten Hemd und seiner haarsträubenden Frisur wirkt wie ein Bettflüchtiger, der einem morgens beim Bäcker entgegengestolpert kommt. Gut angetäuscht, denn der harmlos anmutende Mann hat große Lust am Lästern.

Zum Beispiel über einen ebenfalls eigenwillig frisierten Herrn, vor dem es 2016 kein Entrinnen mehr gibt: Donald Trump. „Ein Tourette-Syndrom wird Präsident“, spöttelt Priol. Trump-Bashing kann natürlich jeder. Doch Priol wettert gegen alles, was sich 2016 bewegt hat. Die Kölner Polizei, Angela Merkel, Pokémon. Reichlich viel Empörung also. Gerade, wenn es anstrengend wird, bietet Priol aber auch versöhnliche Töne.

Medizin-Kabarett von Eckart von Hirschhausen

Wer danach glaubt, nur noch ein Wunder könnte die Welt retten, wird von Eckart von Hirschhausen aufgefangen. In seiner Show „Wunder wirken Wunder“ (ab 21.45 Uhr) verspricht der Wohlfühl-Fernseharzt „Heilsames“. Dort seziert er die esoterisch verschwurbelten Versprechungen der Alternativmedizin genauso wie die seelenlose Überversorgung der Schulmedizin. Und er versucht, zwischen beiden Seiten zu vermitteln.

Wer nach der sanften Behandlung mit Medizin-Kabarett wieder fit ist für ätzende Satire, bekommt um 22.45 Uhr den nächsten Rückblick injiziert. „Nuhr 2016“ ist eine Aufzeichnung aus dem Berliner Friedrichstadt-Palast vom 19. Dezember. Fast zeitgleich geschah der Anschlag auf den Weihnachtsmarkt.

Das Beste von Hape Kerkeling

„Wir konnten nicht mehr drauf reagieren“, sagt Dieter Nuhr. Sein Jahresrückblick, der bereits in der ARD lief, sei lustig geworden, verspricht der Weseler: „Unsere Lebensfreude ist es, die uns von Islamisten unterscheidet.“

Wer sich in Zeiten zurückversetzen lassen will, in denen die Welt scheinbar noch in Ordnung war, kann das schon um 16.05 Uhr mit dem Besten aus „Total Normal“ von 1991. Sicherheitslücken wie damals, als Hape Kerkeling sich als Königin Beatrix verkleidet ins Schloss Bellevue einschmuggelte, gibt es heute wohl nicht mehr. Es ist ein zynismusfreier Humor, der uns in seiner Unbekümmertheit wie Lichtjahre her erscheint.

Nach dem Marathon jedenfalls ist klar: 2017 sieht sich nun besser vor. Deutschlands Satiriker beobachten es genau.