Fernsehstar

„Soko Wien“: Österreich feiert Schauspieler Stefan Jürgens

Früher Comedyclown, jetzt Krimistar: Wie Stefan Jürgens durch seine Hauptrolle bei „Soko Wien“ in Österreich eine neue Heimat fand.

Von Jonas Erlenkämper
Unna, Berlin, Spanien, Italien – Stefan Jürgens ist in Europa herumgekommen. In Österreich fand er sein Glück.

Unna, Berlin, Spanien, Italien – Stefan Jürgens ist in Europa herumgekommen. In Österreich fand er sein Glück.

Foto: dpa Picture-Alliance / Franz Johann Morgenbesser/Geisle / picture alliance / Geisler-Fotop

Wien.  In der einen Hand ein Bier, in der anderen eine Zigarette: Stefan Jürgens wirkt gut gelaunt. In schnittigem Anzug steht er vor dem Metro-Kino in der Wiener Innenstadt. Jürgens, ein eleganter Mann mit Charisma, lacht viel, während ihm seine schulterlangen, angegrauten Haare ins Gesicht fallen. An diesem kalten Abend feiert eine besondere „Soko Wien“-Episode Premiere: Die Produktionsfirma hat das Traditionskino unweit des Stephansplatzes gemietet, um „Wir sind viele“ zu präsentieren, die erste „Soko Wien“-Folge in Spielfilmlänge, die Donnerstag (29. Dezember) im ZDF ausgestrahlt wird (20.15 Uhr). Jürgens (53) ist als einer der Hauptdarsteller ein gern gesehener Gast auf der Premierenparty. In Wien kennt er viele – er ist heimisch geworden in der Stadt.

In Deutschland verbinden die meisten Zuschauer mit seinem Namen immer noch den Comedyclown aus „RTL Samstag Nacht“, der in den 90ern an der Seite von Olli Dittrich (60) und Wigald Boning (49) zum Kult wurde. In Österreich ist Jürgens – weitgehend unbemerkt von der deutschen Öffentlichkeit – zum Star geworden. Seit einem Jahrzehnt spielt er bei „Soko Wien“, einer Co-Produktion von ZDF und ORF. In Österreich läuft sie nicht am Vorabend, sondern zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr. Die „Soko Donau“ – so der österreichische Titel – hat dort einen ähnlichen Stellenwert wie hier der „Tatort“.

Jürgens spielt den coolen Großstadtcowboy

Dass Jürgens ausgerechnet in Wien eine neue Heimat finden würde, hätte der Westfale lange nicht für möglich gehalten, erzählt er nach der Premiere und schlägt die Beine übereinander, während er sich in einen roten Kinopolstersitz schmiegt. Ende der 80er-Jahre war er mal in Wien, die Stadt gefiel ihm nicht: „Mir kam Wien früher sehr dunkel vor. Die Häuser waren schwarz, die Straßen waren spärlich beleuchtet, die ganze Stadt hatte eine gewisse Balkanatmosphäre.“ Seine Meinung änderte Jürgens erst, als er vor zehn Jahren das Angebot bekam, den Major Ribarski zu spielen.

Die Rolle wurde auf Jürgens, das Ruhrpottkind, zugeschnitten. Der Schauspieler stammt aus Unna, er besuchte die Bochumer Schauspielschule, spielte in Dortmund Theater und ist Fan des BVB. In Wien verkörpert er einen geheimnisvollen Ermittler, der aus einer Kleinstadt im Ruhrgebiet stammt und nach einem Schicksalsschlag nach Wien versetzt wurde. Lange Haare, stilvolle Kleidung und ein grimmiger Gesichtsausdruck – Jürgens’ Rolle hat ihm in Österreich das Image eines coolen Großstadtcowboys beschert.

Jürgens genießt die Ruhe in Wien

Sechs Monate im Jahr lebt der Schauspieler in Wien und schwärmt: „Wien ist sehr traditionell und trotzdem modern, es gibt eine enorme Kunstszene.“ Er sei als Piefke – so nennen Österreicher die Deutschen – zwar kein Wiener Schnitzel, „aber mittlerweile ein Schnitzel Wiener Art“. Jürgens hat viel gesehen von Europa, in Österreich fühlt er sich endlich angekommen. Lange war Jürgens mit einer Italienerin zusammen, er hat mit seiner Familie fünf Jahre auf Mallorca gewohnt und besitzt eine Wohnung in Berlin.

Das Leben in Österreich empfindet er als übersichtlich: „Sonntags fühle ich mich in Wien wie früher in meiner Heimatstadt Unna: Ich werde von Kirchenglocken geweckt, gucke aus dem Fenster, und auf der Straße ist kein Mensch. Ich finde das herrlich.“ Mittlerweile ist er mit einer Österreicherin zusammen. „Die ,Soko‘“, sagt Jürgens, „ist die längste Etappe meines Berufslebens.“

„Soko“ passt besser als einst der „Tatort“

Dabei hatte er mit Krimis schon abgeschlossen. Um die Jahrtausendwende bekam er eine Hauptrolle im Berliner „Tatort“ an der Seite von Dominic Raacke (57). Viele Schauspieler träumen von so einer Chance, doch Jürgens schmiss nach nur sechs Filmen hin. Der Reiz sei verflogen, ihm gefielen auch die Drehbücher nicht. Die „Soko“, so Jürgens, sei besser als der „Tatort“, die Arbeit an der Serie mache ihm immer noch Spaß.

Zumindest meistens. Am Morgen nach der Premiere steht Jürgens vor einer verlassenen Kaserne und wartet auf seinen Einsatz, während die Kälte in seine Knochen kriecht. Zusammen mit seinem Serienpartner Gregor Seberg (49) soll er eine Verfolgungsjagd drehen. Jürgens schaut grimmig. Wird er, das Schnitzel Wiener Art, in Österreich eines Tages in Rente gehen? Jürgens will sich nicht festlegen. „Wie lange ich das noch mache, weiß ich heute auch nicht“, sagt er. „Ich entscheide das jedes Jahr neu.“

Donnerstag, 29. Dezember, 20.15 Uhr, ZDF: „Soko Wien: Wir sind viele“