WWM-Spezial

Winnetou-Spezial mit unmotiviertem Häuptling Günther Jauch

Zum Start der Winnetou-Trilogie lud RTL zu einem „Wer wird Millionär?“-Spezial. Doch Wild-West-Stimmung wollte nicht recht aufkommen.

Kurz bevor RTL die neue Winnetou-Trilogie zeigt, präsentierte Günther Jauch am Donnerstag ein „Wer wird Millionär?“-Spezial zum Apachenhäuptling.

Kurz bevor RTL die neue Winnetou-Trilogie zeigt, präsentierte Günther Jauch am Donnerstag ein „Wer wird Millionär?“-Spezial zum Apachenhäuptling.

Foto: RTL / Stefan Gregorowius / RTL

Köln.  „Frei nach Karl May“ hieß es im Vorspann der Filme, mit denen Pierre Brice in den Sechzigerjahren zum Inbegriff des Indianers wurde und Millionen Deutsche für die Buchvorlage von Karl May begeisterte. Etwas zu locker mit dem Kult um den Romanklassiker nahm es leider das Team von „Wer wird Millionär“.

Wo Günther Jauch als Teilzeit-Häuptling am Donnerstag acht Bleichgesichter zum Rätselraten ins WWM-Winnetou-Spezial einlud, blieb von „Wild West“ nicht viel übrig. Winnetou-Fragen waren beim Winnetou-Spezial nämlich nur die Ausnahme. Wer zuvor also erwartet hatte, in die amerikanische Prärie entführt zu werden, wurde enttäuscht. Zumindest eine Anekdote versetzte die Zuschauer in die Welt der Apachen.

Einstiegsfrage keine große Hürde

Acht Winnetou-Fans spielen um den Millionenschatz. Und die kommen aus Fan-Clubs, Bücherzirkeln und Indianer-Vereinen. Sie pilgern jedes Jahr zu den Karl-May-Festspielen und haben alle Winnetou-Bücher verschlungen. Vielversprechend – müsste man meinen.

„Wer schneller schießt, lebt länger“, scheint die Devise, und so tritt Günther Jauch zu Sendungsbeginn ins Studio, setzt sich beinahe widerwillig einen Federschmuck aufs Haupt und legt ohne Umschweife mit der Schnellfragerunde los: „Ordnen Sie Winnetou seinem Blutsbruder, Vater, Gewehr und seinem Stamm zu.“ Das hätten vermutlich selbst Greenhorns beantworten können.

RTLs clevere Cross Promotion

Nadine Schmenger, Chemielehrerin und Winnetou-Statistin (nein, nicht aus den Filmen), setzt sich als Erste durch und bekommt das Winnetou-modifizierte Regelwerk erklärt: Pfeil und Bogen ersetzen den 50:50-Joker und sie bestimmt, bei welcher Gewinnstufe die Winnetou-Frage gestellt wird. Filmszenen der RTL-Trilogie „Winnetou – Der Mythos lebt“ dienen schließlich zur Auflösung der Frage.

Der Anlass für die Spezialausgabe mit Cowboy-Feeling ist nämlich denkbar simpel: Die Geschichten um den Apachen-Häuptling Winnetou und seinen Blutsbruder Old Shatterhand dienten RTL jüngst als Vorlage zu einer neuen Verfilmung, die der Sender über die Feiertage in drei Teilen ausstrahlt. Ein passendes WWM-Special ist da obligatorisch – das nennt man „Cross Promotion.“

Kandidatin schwärmt von Pierre Brice

Relativ früh kommt Schmenger ins Straucheln und muss schließlich für die Frage nach einem Bio-Verband (Demeter!) mit Pfeil und Bogen um den 50:50-Joker schießen. Bei 32.000 Euro scheitert die Lehrerin und macht den Platz für Anita Keser frei, die den Zuschauer endlich mit ihrer Begeisterung für Karl May ansteckt.

„Es war der erste Kinofilm, den ich je gesehen habe“, sagt Keser mit leuchtenden Augen. „Diese Farben, dieser Pierre Brice, ich war hin und weg“ schwärmt sie. Den Bravo-Starschnitt des Schauspielers hatte sie natürlich im Kinderzimmer an der Wand hängen – gleich in mehreren Ausführungen.

Blutsbrüderschaft in Mathe geschlossen

Die 8000-Euro-Frage ist für sie daher kein Problem. Für Günther Jauch hingegen schon, denn der muss sich wieder den Federschmuck auf den Kopf setzen. Das Publikum applaudiert gnädig. „Wie einige Figuren aus seinen Winnetou-Romanen war Karl May echter...“ - „Sachse“ schießt es aus Anita Keser heraus und Jauch legt den Apachen-Kopfschmuck wieder ab.

Fragen zu Geschichte, Wirtschaft, Medien und Sport waren für Keser kein Problem, souverän kämpft sich die Squaw bis zur 64.000 Euro-Stufe. Aus Mangel an Winnetou-Fragen kann Keser zwar nicht mit Karl-May-Wissen glänzen, begeistert dafür aber mit einer wahren und etwas makabren Geschichte von Blutsbruderschaft.

Kinder, nicht nachmachen!

„Ich hatte eine Freundin, die ebenso begeistert war wie ich, und wir haben uns mit der Klinge eines Bleistiftanspitzers die Haut aufgeschnitten, und die Blutsbruderschaft im Matheunterricht bestätigt“, erzählt sie heiter. Die Narbe kann sie noch heute vorweisen. Der Hinweis an Kinder, so etwas bitte nicht Nachzumachen, sei hier der Vollständigkeit halber hinzugefügt. So viel darf aber gesagt sein: Karl May wäre stolz auf sie gewesen!

Insgesamt hatte man von einer Doppelfolge WWM als Winnetou-Spezial doch mehr erwartet, als ein handelsübliches Pfeil- und Bogen-Spiel sowie sporadische Fragen zu den Klassikern von Karl May. So richtiges Wild West-Gefühl kam einfach nicht auf. Dabei wäre es so einfach gewesen, hätte man den Kandidaten mehr Raum gegeben: Zu gern hätte man noch mehr Kindheitsanekdoten gehört und selbst sein Wissen zum Mythos von Karl May ausführlich getestet.

Jauch wirkte wenig motiviert

Vielleicht liegt es daran, dass sich der Moderator selbst nur dürftig darin auskennt und wenig motiviert wirkte, den Kult in seiner Sendung wiederaufleben zu lassen. Das räumte der ansonsten so spitzbübische Jauch bereits vor Ausstrahlung der Sendung ernüchternd ein: „Ich gebe zu, dass ich die drei Winnetou-Bücher gelesen habe, aber es hat mich als Kind nicht so angefixt, dass ich also den ganzen Tag wie ein Indianer rumgelaufen wäre.“

„Winnetou – Der Mythos lebt“ mit Wotan Wilke Möhring und Nik Xhelilay in den Hauptrollen zeigt RTL in drei Teilen am 25., 27. Und 29. Dezember jeweils ab 20.15 Uhr – Rauchzeichen, Marterpfahl und Goldschatz garantiert!