ARD-Film

Wie es „Seit du da bist“ schafft, keine Schnulze zu sein

„Seit du da bist“ ist eine bemerkenswerte ARD-Romanze mit Martina Gedeck. Mit ihrer Leichtigkeit erinnert sie an französische Filme.

Foto: Oberon Film GmbH/Alfons Kowatsch

Er ist Anfang dreißig, ein talentierter Maler, aber niemand kauft seine Bilder. Um sich über Wasser zu halten, arbeitet Jarek (Manuel Rubey) deshalb in einem Wiener Lokal mit dem Namen „Club der polnischen Versager“. Diese feine Melancholie ist ein Grundton in der bemerkenswerten ARD-Komödie „Seit du da bist“. Irgendwann begegnet Jarek seiner Ex-Freundin Alina (Katharina Schüttler).

Dieser Jarek ist einer, der nicht Nein sagen kann, also lässt er sich dazu breitschlagen, ihre neunjährige Tochter Lilia (Allegra Tinnefeld) zum Geigenunterricht zu bringen. Doch was tut er sich da an? War es doch dieses Kind, das ihm die Zeit mit Alina zur Hölle gemacht hatte.Über Folgen dieses Freundschaftsdienstes erzählt dieser ungewöhnliche Film. Ungewöhnlich deshalb, weil es nur wenig von dem gibt, was gemeinhin als Handlung bezeichnet wird und der Film dennoch (oder gerade deshalb?) ganz bezaubernd geworden ist.

Zuschauer spürt das Knistern

Am Rande der Unterrichtsstunden entwickelt sich zwischen Jarek und der etwa 20 Jahre älteren Geigenlehrerin Clara (Martina Gedeck) fast aufreizend langsam eine zarte Romanze. Sie kommt ohne Berührungen, Liebesschwüre oder Küsse aus, aber es liegt immer ein Gefühl von Verbundenheit in der Luft. Sie siezen sich, wahren Abstand. Aber der Zuschauer spürt das Knistern der heimlichen Schwärmerei.

Clara gab ihre musikalische Karriere einst zugunsten der Familie auf. Nun lebt sie mit ihren drei Kindern und dem überwiegend abwesenden Gatten Bertschi (Robert Palfrader) im schicksten Viertel der Stadt. Jarek übernimmt so etwas wie die Rolle des coolen Ersatz-Papas. Großartig, wie er das macht: unverstellt, spielerisch. Ohnehin ist dieser Jarek einer der sympathischsten Charaktere dieses TV-Jahres. Manche würden vielleicht sagen, dass er ein Verlierer ist.

Lebt von starken Dialogen

In Wahrheit aber ist er ein zurückhaltender Lebenskünstler, der sich nicht auf die böse Seite ziehen lässt und die Gabe besitzt, Menschen glücklich zu machen. Die Leichtigkeit, mit der die Geschichte erzählt wird, erinnert an französische Filme. Autor und Regisseur Michael Hofmann erlernte sein Handwerk Mitte der 80er-Jahre denn auch an der renommierten Filmhochschule La fémis in Paris. „Seit du da bist“ ist sein TV-Debüt, und es lebt auch von den starken Dialogen sowie der überzeugenden Darstellerriege.

Allen voran sei die kleine Allegra Tinnefeld genannt, die große Gefühle beim Zuschauer erzeugt: Wie Lilia, die irgendwann gar nicht mehr anders kann, als Jarek auch zu mögen, ihm keck ihre Meinung sagt, das ist zum Lachen schön. Wenn sie unter der Abwesenheit der Mutter leidet, tut es dem Zuschauer in der Seele weh. Übrigens: Allegra Tinnefeld spielt die Geige selbst. Seit ihrem dritten Lebensjahr bekommt sie Unterricht, nimmt erfolgreich an Musik-Wettbewerben teil und gibt Konzerte. Beeindruckend!

Fazit: Jüngerer Mann verliebt sich in ältere verheiratete Frau – das hat man schon unzählige Male gesehen, aber noch nie so. Durch die sensiblen Schauspieler wurde die Gefahr der seichten Schnulze wunderbar umschifft.

Mittwoch, 14, Dezember, 20.15 Uhr, ARD