ARD-Krimi

Nichts verstanden? Das ist im Berliner „Tatort“ passiert

Wer hat wen warum getötet: Sie blicken beim Berliner „Tatort“ auch nicht durch? Hintergründe der Folge „Dunkelfeld“ – zum Mitschreiben.

Hauptkommissar Karow (Mark Waschke) ist gefoltert worden. Jetzt versuchen er und Polizistenwitwe Christine Maihack (Ursina Lardi), sich gegenseitig zu manipulieren.

Hauptkommissar Karow (Mark Waschke) ist gefoltert worden. Jetzt versuchen er und Polizistenwitwe Christine Maihack (Ursina Lardi), sich gegenseitig zu manipulieren.

Foto: Oliver Vaccaro / rbb Presse

Berlin.  Ganz schön hart, dieser Berliner „Tatort“. Und nicht mal wegen der beiden Splatter-Szenen innerhalb der ersten sieben Minuten – einmal die blutrote Bete im Gesicht von Hauptkommissarin Rubin, dann das Gangster-Blut im Gesicht ihres Kollegen Karow. Sondern vielmehr, weil Drehbuch-Autor Stefan Kolditz in der Folge „Dunkelfeld“ die höchst komplizierte Vorgeschichte auflöst, die seit der ersten Folge mit dem Duo Rubin-Karow (März 2015) immer wieder eine Rolle spielt.

Da half die der jüngsten Folge vorangestellte „Was-bisher-geschah“-Sequenz wenig. Sie hatte zwar einen „Warte mal, da war doch was“-Effekt, doch um in „Dunkelfeld“ durchzublicken, brauchte es knallharte Recherche am Handy während des Films – oder ein ungewöhnlich gutes Gedächtnis. Wir entwirren den Handlungsstrang, der sich über knapp zwei Jahre durch vier Filme zog.

Worum geht es eigentlich?

Bevor Hauptkommissar Robert Karow zur Mordkommission wechselte, war er Drogenfahnder. Sein Partner Gregor Maihack ermittelte undercover gegen den Drogenclan Hakari – und wurde bei einem Einsatz erschossen. Immer wieder gab es Gerüchte, dass Karow in den Fall verwickelt sein könnte.

Karow will den Fall naturgemäß aufklären. Er hofft auf seinen Informanten, den Drogendealer Mehmet Erdem. Bevor der – auch gegen seinen Boss Andreas Berger – aussagen kann, wird er (im ersten Karow-Rubin-„Tatort“, „Das Muli“) erschossen.

Die Kommissare (im zweiten Fall, „Ätzend“) finden auf einer Baustelle einen Toten, der mit der gleichen Waffe erschossen wurde wie Undercover-Polizist Maihack. Staatsanwalt Harald Hemrich lässt nach einem Hinweis Rubin die Wohnung ihres Partners Karow durchsuchen; dort findet sie die Pistole.

Karow hat unterdessen ein Video des getöteten Dealers Erdem gefunden, in dem er erklärt, es gebe ein Handy-Video von der Erschießung des Polizisten Maihack. Als Karow festgenommen wird, bittet er Rubin, dieses Video zu finden.

Was steckt wirklich dahinter?

Dieses Video findet sie nicht, aber die Polizei sieht (im dritten Film „Wir – Ihr – Sie“) auf einem Überwachungsvideo, das Karow in seiner eigenen Wohnung aufgenommen hat, wie des Polizisten One-Night-Stand Fabian die verdächtige Pistole in der Wohnung deponiert hat. Das tat er auf Anweisung des schon erwähnten Andreas Berger, mittleres Management im Hakari-Drogenclan.

Hakari, so stellt sich (im aktuellen Fall „Dunkelfeld“) heraus, ist tatsächlich kein fremdländischer Name, sondern zusammengesetzt aus den Vornamen der früheren Ruderklub-Kameraden Harald Hemrich (der Staatsanwalt), Karsten Scholz (Berliner Bausenator) und Ridwan Ansari.

Ansari war als junger Mann in Berlin Boss eines Drogenclans und zu Haft verurteilt worden. Später nimmt er eine neue Identität an und hält als „Capital Development“-Chef Ahmed Kermal die Fassade des Bauunternehmers aufrecht. Seine Großprojekte, so kombiniert Kommissarin Rubin, dienen der Geldwäsche seiner Einkünfte aus dem Drogenhandel. Die alten Kumpels mit den bedeutenden Jobs machen diese Machenschaften erst möglich.

Wir halten fest:

• Undercover-Polizist Gregor Maihack wurde erschossen, weil der Staatsanwalt ihn enttarnt hat. So sollten das lukrative Geldwäsche-Unternehmen und die Verantwortlichen geschützt werden. Der Mörder: Ahmed Kermal/Ridwan Ansari. Der hatte am Tag zuvor das Grundstück gekauft, auf dem er den Polizisten tötet.

• Kermal/Ansari hatte eine Beziehung mit Maihacks Witwe Christine – bis die erfährt, dass der Lover ihren Mann getötet hat. Dann greift sie zum Taser und schubst den durch Elektroschock außer Gefecht gesetzten Mörder in seinen Dachterrassen-Pool. Ob er das überlebt? Bleibt offen.

• Bevor Christine Maihack mit dem Mörder ihres Mannes schlief, schlief sie offenbar mit dem früheren Kollegen des Ermordeten, Robert Karow. Der schläft also mit Männern und Frauen. Und scheint sich, selbst nach der Festnahme des Staatsanwaltes, immer noch nicht sicher zu fühlen: Er nimmt die Dienstwaffe mit unter die Dusche.

• Nina Rubin ist zwar selten für ihre Familie da, hat aber immerhin schlimme Schuldgefühle deswegen. Das scheint ihrem Mann Viktor auszureichen: Der Kuss zum Schluss lässt jedenfalls eine (zumindest vorläufige) Versöhnung der getrennten Eheleute am Horizont erahnen.

Dass es schwierig ist, den „Tatort“ wie eine Serie zu erzählen, wenn zwischen der Ausstrahlung der einzelnen Filme jeweils fünf oder sechs Monate liegen, wissen die Macher selbst. Das Fünf-Minuten-Video auf der „Tatort“-Seite, in dem die Hauptdarsteller Meret Becker und Mark Waschke erklären, wie alles zusammenhängt, ist aber auch keine gute Lösung. Die Vorbereitung hätten die meisten Zuschauer wohl besser vor dem vierten Film gebrauchen können.