Castingshow

Battles bei „The Voice“ waren so schön wie weiße Weihnachten

Bei den dritten Battles von „The Voice of Germany“ zeigten Kandidaten wie Juroren vorweihnachtliches Gefühl – mit Feuerwerk am Schluss.

Von Anja Francesca Richter
Ring frei für Runde 3 der Battles: Immer zwei der „The Voice“-Kandidaten – in Ausnahmefällen drei – müssen sich vor den Juroren präsentieren.

Ring frei für Runde 3 der Battles: Immer zwei der „The Voice“-Kandidaten – in Ausnahmefällen drei – müssen sich vor den Juroren präsentieren.

Foto: Richard Hübner / SAT.1/ProSieben

Berlin.  Sat.1, Respekt, besser hätte das Timing nicht sein können: Pünktlich zum ersten Advent standen bei „The Voice of Germany“ am Sonntagabend die ganz großen Gefühle im Scheinwerferlicht.

Nicht dass die Kandidaten nicht auch schon in den vergangenen Wochen mit Herz und Schmerz und allem, was zum perfekten Auftritt dazugehört, aufgeboten hätten. Bei den inzwischen dritten Battles aber zeigten die Teilnehmer, dass die Tonlage noch so perfekt und die Bewegung auf der Bühne noch so harmonisch sein kann. Das alles aber nützt nichts, wenn das Wichtigste fehlt: die Emotionen.

135 Minuten prall gefüllt mir Emotionen

Mit eben diesen war die Castingshow von Minute eins bis Minute 135 prall gefüllt – auch wenn die Zuschauer auf das Gefühlsfeuerwerk bis kurz vor Schluss warten mussten. Mit der Performance von Friedemann Petter und Jonny Vom Dahl, die „Zurück“ von Flo Mega zum (Aller-)Besten gaben, aber war der heimelige Abend am ersten Adventswochenende perfekt.

Konkurrenz? Von wegen! Friedemann und Jonny haben auf der Bühne gesungen, als seien sie schon so lange gemeinsam im Geschäft wie Daft Punk, Simon & Garfunkel oder die Wildecker Herzbuben (Gibt’s die eigentlich noch?).

Doof, dass nur einer gewinnen kann

Yvonne Catterfeld, Coach der beiden Buddys, hat also ganze Arbeit geleistet, indem sie den „vom Verstand gesteuerten“ Friedemann und den „aus dem Bauch heraus“ singenden Jonny hat gegeneinander antreten lassen. Doof nur, dass es am Ende immer einen Sieger geben muss, und der – weniger schlecht für ihn als für den Konkurrenten – Friedemann heißt.

„Er hat sein Timing besser gesetzt“, ist sich Catterfelds Kollege Andreas Bourani sicher. Aber Jonny – und das ist so schön wie weiße Weihnachten – muss nicht verzagen. Denn Team Fanta gibt ihm eine zweite Chance! Oder um es mit der leicht befremdlichen Wortwahl von Moderatorin Lena Gercke auszudrücken: Sie haben ihn „gestealt“.

Viele musikalische Glanzleistungen

Wer jetzt gedacht hat, ‚Wunderbar, dann schalte ich jetzt immer erst zum Ende der Sendung ein, wenn das Highlight erst so spät kommt‘, irrt: Denn diese Folge von „The Voice of Germany“ hatte so viele musikalische Glanzleistungen parat, dass es der soeben erwähnten Lena Gercke vor Aufregung kalt den Rücken runterlaufen musste (Oder auch den Bauch, der war nämlich wegen eines XXS-Kapuzenpullovers ganz und gar unbedeckt).

Passend zum Outfit der Moderatorin war dann auch das Motto der Kandidaten Louisa Jones und Andreas Steiger „Weniger ist mehr“. Die beiden möchten mit Hilfe von Coach Samu Haber zur „Voice of Germany“ werden. Dass sie das Zeug dazu haben, wollen sie mit einem Titel der Band Common Linnets, „Calm After The Storm“, beweisen.

Mehr Wohlfühl-Seminar denn Wettbewerb

Ein Country-Song, der auch noch eine Liebesballade ist? Jawohl, denn das „Musikbusiness ist Gefühlsbusiness“ (Samu Haber). Und weil „The Voice of Germany“ an diesem letzten Sonntag im November auch mehr Wohlfühl-Seminar als Wettbewerb ist, liegen sich Louisa und Andreas am Ende ihres soliden Auftritts in den Armen.

Michi Beck, kurzzeitig irritiert: „Ich bin mir nicht sicher, ob ihr jetzt schwer erleichtert oder leicht verliebt seid?!“ Das wird wohl für immer (oder bis zum ersten gemeinsamem Interview der beiden in der „InTouch“) ein Geheimnis bleiben. Fest steht: Andreas geht als Sieger aus dem Battle hervor.

Ein paar schiefe Töne zu viel

Samu Haber hat sich zudem Andrina Travers, 21 Jahre alt, vielflächig tätowiert und ein Schweizer Kinderstar a. D., für die nächste Runde von „The Voice of Germany“ geschnappt. Bei ihrer Darbietung von „Just like Fire“ von Pink hat sich Travers’ Erfahrung als Sängerin einer Band bezahlt gemacht. Bei Konkurrentin Nicole Bührer waren es dann doch ein paar schiefe Töne zu viel, „aber ich bin durch die Sendung stärker geworden“. Das wollen wir für sie hoffen.

Aus Team Fanta setzte sich derweil Rockröhre Sally Grayson, 41, mit ihrer Darbietung von Boys „Little Numbers“ gegen ihre halb so alte Konkurrentin Celena Pieper durch – schade, könnten die beiden doch auch ein (Junge-)Mutter-Tochter-Gespann abgegeben.

Georg Stengel verliert das „Battle der Partykanonen“

Michi Beck und Kompagnon Smudo schickten außerdem Lukas Räuftlin in die nächste Runde. Der 23-Jährige konnte sich im „Battle der Partykanonen“ gegen Georg Stengel, 23, durchsetzen, obwohl auch sein Gegner mit seinem emotionalen Auftritt von Bosses „Dein Hurra“ bewiesen hat, dass „Männer Gefühle haben“ (Michi Beck).

Eben das konnte auch Artur Molin, 39, beweisen, der zwar gegen seine Gegnerin Marie Claudia Apenou, 16, verloren hat, aber seine ganz eigene, durchaus hörenswerte Version von Sias „Elastic Heart“ präsentierte. Man Bun inklusive.

Zurück hinters Taxi-Steuer

Etwas härter ging es bei Daniel Moczarski und Homsing Ronra Shimray zu, die sich, angeleitet von Andreas Bourani, an „Closer To The Edge“ von 30 Seconds To Mars versuchten – nach exzessivem Headbanging und Grrrr-Gesang bedankten sich Juror und Publikum mit „Zugabe!“-Rufen.

Ronra Shimray muss sich nach seiner Niederlage zwar wieder hinters Steuer seines Taxis setzen, soll aber Michi Beck „in 30 Seconds zum Mars fahren“. Das ist doch schon mal was.

Dreier-Duell mit „Sommerregen“

Dahin mitnehmen können die beiden Sarah Sacher und Adrian Schiele, die im einzigen Dreier-Duell des Abends an dem gesanglichen Können von Leon Braje scheiterten. Adrian poste beim „Sommerregen“ von Joris zu viel, und bei Sarah Sacher, Typ Alanis Morissette, wollte die Leidenschaft für den Song nicht so richtig rüberkommen. Da konnte auch ihr Notenschlüssel-Tattoo hinterm Ohr nicht helfen.

Sei’s drum, ein Duell auf Augenhöhe wie bei Mathea Elisabeth Höller und Anja Kraml zu Pinks „Sober“ ist eben nicht bei jedem Battle drin, aller Hingabe zum Trotz. Höller ist nicht zuletzt dank ihres dynamischen Stimmaufbaus eine Runde weiter, Standing Ovations gab es aber für beide Kandidatinnen – und Yvonne Catterfeld hat sogar ein paar Tränchen verdrückt („Ihr habt das toll gemacht, ganz toll“).

Darf so weitergehen

Wie lautete der alte Slogan von Sat.1 noch? „Powered by emotions“. Gilt auch für „The Voice of Germany“. Kann so weitergehen bis Weihnachten.