ARD-Krimi

„Polizeiruf 110“ – Ein Kommissar mit dem Rücken zur Wand

Matthias Brandt ermittelt in einem Fall um Schwarzgeldkonten. Sein Kommissar Hanns von Meuffel steht plötzlich mit dem Rücken zur Wand.

Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) fühlt sich zunehmend beobachtet.

Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) fühlt sich zunehmend beobachtet.

Foto: Hendrik Heiden / dpa

Essen.  Polizisten sind auch nicht mehr das, was sie mal waren: angstfreie Männer in Uniform, die im Namen des Gesetzes die Welt wieder gerade rücken. Schaut man sich um in der sonntäglichen Fernsehkrimilandschaft, entdeckt man eher Typen der Kategorie „bedingt gesellschaftsfähig“: Borderliner, Einsamkeitsfanatiker, LKA-Beamte mit cholerischer Ader.

In dieser Reihe nimmt sich Kommissar Hanns von Meuffels, gespielt von Matthias Brandt, noch recht sozialverträglich aus. Der Mann stammt aus verarmtem Münchner Adel, weiß saubere weiße Hemden und ein gutes Glas Wein zu schätzen. In „Sumpfgebiete“, seinem neuem Fall, geht es ihm jedoch ganz schön an den Kragen. Denn Julia Wendt (Judith Engel), die er vor fünf Jahren wegen eines Brandanschlags auf ihren Ehemann verhaftet hat, darf die Psychiatrie verlassen. In vier Wochen soll das Wiederaufnahmeverfahren ihres Falles beginnen.

Eher ein Verschwörungsthriller als ein Rätselkrimi

Ausgerechnet diese Julia Wendt sucht aber Hilfe bei von Meuffels. Sie fühlt sich beschattet und bedroht. Wenig später wird sie von einem davonrasenden Auto erfasst. Sie stirbt in von Meuffels Armen. Was nun folgt, gleicht eher einem rasanten Verschwörungsthriller der Marke Hollywood als einem klassischen deutschen Rätselkrimi. Wer sich merkwürdig verhält, der hat auch wirklich Dreck am Stecken.

„Sumpfgebiete“ der grimmepreisgekrönten Regisseurin Hermine Huntgeburth (Drehbuch: Holger Karsten Schmidt und Volker Einrauch) erzählt von einem Einzelkämpfer in einem korrupten System, von einem Polizisten mit dem Rücken zur Wand. Niemand glaubt von Meuffels, der alsbald reichlich ramponiert und nur notdürftig gepflastert durch die Gegend läuft, wenn er seine Theorie von Schwarzgeldkonten in der Schweiz, einflussreichen Bankkunden und geheimen Listen präsentiert.

Vor allem sein Chef (Ulrich Noe­then) bedrängt ihn zunehmend, den Fall Julia Wendt zu den Akten zu legen. Aber das ist natürlich keine Option für den Polizistensturkopf.

Von Meuffels Hobby ist das „Aus-dem-Fenster-gucken“

Der „Polizeiruf 110“ aus München hat sich längst etabliert als verlässliche Größe (mit ein paar wenigen Ausreißern nach oben) im öffentlich-rechtlichen Sonntagsmorden. Sein Markenzeichen: der lakonische Tonfall, die Schlagseite ins Arthauskino mit künstlerischer Überhöhung und eine subtile, eigensinnige Art von Humor. Die kann etwa so aussehen: Hanns von Meuffels sitzt im Revier und geht seiner Lieblingsbeschäftigung nach, dem nachdenklichen Aus-dem-Fester-Gucken. „Und, was denkst du?“, will der Chef wissen. Von Meuffels: „Nix. Wollte nur mal so bedeutungsschwer aus dem Fenster gucken.“ Mit der Ruhe ist es allerdings rasch wieder vorbei, es fliegen Möbel durchs Büro, und von Meuffels droht ein Zwangsklinikaufenthalt wegen Wahrnehmungsstörungen.

Fazit: „Sumpfgebiete“ ist ein Psychotrip der ziemlich üblen Sorte. Aber hat je einer behauptet, dass das Polizistenleben ein leichtes ist?

„Sumpfgebiete“ in der Mediathek.