ZDF-Krimi

Anna Maria Mühe gefällt sich in Rolle der einsamen Heldin

Die wandelbare Schauspielerin Anna Maria Mühe (31) rettet im neuen ZDF-Krimi „Solo für Weiss“ mehrere Menschenleben.

Anna Maria Mühe als stille Kommissarin Nora Weiss. Eine Rolle, die ihr besonders am Herzen liegt.

Anna Maria Mühe als stille Kommissarin Nora Weiss. Eine Rolle, die ihr besonders am Herzen liegt.

Foto: ZDF/Simon Vogler / ZDF und Simon Vogler

Berlin.  Nora Weiss kann diese Fernsehkommissar-Sätze so sagen, dass man ein Ausrufezeichen deutlich mithört: „Wir werden sie finden!“ Oder: „Machen Sie die Tür zu!“ Die Stimme der TV-Figur klingt derart tonlos, dass man die Tür am liebsten wirklich schnell schließen möchte – von außen. Selbst ihr eigener Vater hat keinen Zugang zu ihr. Als er, ein Pfarrer, Nora Weiss fragt, was denn überhaupt passiert sei, schaut sie ihn nur stumm an.

Anna Maria Mühe spielt diese eiserne Kommissarin Nora Weiss in der neuen ZDF-Krimireihe „Solo für Weiss“. Und die junge Frau könnte in dieser Szene mit dem Vater eigentlich weit ausholen. Allein in den ersten zehn Minuten des TV-Krimis passiert sehr viel: Noras Patenkind wird auf einer Fähre entführt, gerät in die Fänge eines Menschenhändlerringes für Zwangsprostitution – an dem die Kommissarin ohnehin schon länger ermittelt. Fast in jeder Szene hängen die Wolken düster über Bremen.

Alles etwas gelassener angehen

Als Anna Maria Mühe mehr von dieser Rolle erzählen soll, sitzt sie in einem Berliner Café und trinkt aus einem Glas, in dem Pfefferminzblätter schwimmen. Ihre großen Augen haben gar nichts Kaltes mehr, und das weiße, kuschelige Ding um ihre Schultern könnte ein Schal sein. Anna Maria Mühe geht es offenbar blendend. Sie sagt, dass sie jetzt erst anfange, ihr Leben richtig zu genießen. Mit der Tochter Halloween-Kostüme zu basteln oder Freunde nach Hause einzuladen.

Sie selbst war erst 15 Jahre alt, als sie in Berlin-Mitte auf der Straße gecastet wurde – fast gegen den Willen der Eltern, die nicht unbedingt eine Schauspielkarriere für ihre Tochter sahen. Sie erzählt von diesen ersten Erfahrungen als einer aufregenden Zeit: Wie sie aus den Sommerferien wiederkam und plötzlich ihr Gesicht auf der Litfaßsäule abgedruckt sah. Heute würde sie sich raten, sagt sie, das alles gelassener anzugehen, den sozialen Stress in der Schule.

Bekannt wurde sie mit dem Liebesfilm „Was nützt Liebe in Gedanken“ mit August Diehl und Daniel Brühl, später durch „Novemberkind“ mit Ulrich Matthes, einem Ostseefilm mit großem Familiengeheimnis, und schließlich „Die Gräfin“ mit Julie Delpy. Zuletzt verkörperte sie in „Die Täter“, dem Dokudrama über den NSU, Deutschlands berühmteste Angeklagte derzeit: Beate Zschäpe.

Am Ende der beiden Folgen „Solo für Weiss“ wird sie laut schreien: „Legen Sie die Waffe weg!“ Sie bleibt die Frau, die hier die Ansagen macht. Als ein Liebhaber sie am Morgen eines One-Night-Stands verlassen will, ruft Nora ihm im Gehen den wohl wichtigsten Satz des Films hinterher: „Du kennst mich überhaupt nicht.“

Fazit: Männer kommen in diesen düsteren Krimis nicht gut weg, aber die Geschichte ist erschütternd und spannend erzählt.

Montag, 7. November, ZDF, 20.15 Uhr